Fähre fährt nicht mehr Welche Schulden hat HNL bei Hafen und Stadt Emden?
Nachdem am Mittwoch bekannt wurde, dass die Reederei Holland Norway Lines zahlungsunfähig ist und die Norwegen-Fähre vorerst in Emden bleibt, sind viele Fragen offen. Wir haben Antworten gesammelt.
Emden - Die Norwegen-Fähre „MS Romantika“ liegt vorerst in Emden an der Kette. Erst seit dem 1. Juni war die Verbindung der Reederei Holland Norway Lines (HNL) angelaufen. Am Mittwoch verkündete das Unternehmen, dass beim zuständigen Gericht in den Niederlanden ein Zahlungsaufschub beantragt wurde, die „Romantika“ fährt vorerst nicht mehr. Die Stadt Emden hatte große Hoffnung in die Fähre gesetzt, aber glücklicherweise offenbar nicht viel Geld für die Beschilderung, Marketing-Aktionen und anderes in die Hand genommen.
Was und warum
Darum geht es: die Folgen der Pleite von Holland Norway Lines für Emden
Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder sowie andere, die sich für die Folgen der Pleite interessieren
Deshalb berichten wir: Am Mittwoch kam die Hiobsbotschaft ziemlich überraschend, dass HNL zahlungsunfähig ist und die Norwegen-Fähre „MS Romantika“ vorerst in Emden bleibt. Das Thema interessiert viele, also haben wir uns auch am Tag danach darum gekümmert. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
„Für die Stadt Emden sind in Zusammenhang mit der Fährverbindung lediglich geringe Kosten entstanden“, schreibt Stadtsprecherin Theda Eilers. Diese teilten sich auf in die Kosten für die Delegationsreise, bei der Mitte Juli 22 Mitglieder aus Rat und Verwaltung nach Kristiansand fuhren, sowie kleinere Ausgaben für „Hand- und Spanndienste“, wie beispielsweise die angepasste Beschilderung rund um den Anleger und im weiteren Stadtgebiet. „Im Übrigen gibt es bei der Stadt Emden keine offene Rechnungen oder Verbindlichkeiten seitens der Reederei. Für die Stadt ist keinerlei finanzieller Schaden entstanden“, erklärt sie.
Stadt Emden wurde auch erst Mittwoch informiert
Die junge Reederei HNL hatte schon in ihrem eigentlichen Heimathafen Eemshaven Probleme gehabt. Sie hatte dort den Bau eines Terminals nicht bezahlen können. Am Mittwoch begründete das Unternehmen seine finanziellen Schwierigkeiten aktuell mit dem erzwungenen Wegzug von Eemshaven und den daraus resultierenden Kosten. Hätte also schon früher klar sein müssen, dass HNL in finanzieller Schieflage ist? HNL hielt sich zumindest bedeckt. Erst Anfang August hieß es, die Fährverbindung zwischen Emden und Kristiansand sei ein Erfolg und werde bis Jahresende bestehen bleiben, also länger als zunächst geplant. Auch am Mittwoch schreibt HNL, dass es in Emden einen „erfolgreichen Start“ gegeben hätte und man an eine „rosigere Zukunft“ geglaubt hatte.
Wusste die Stadt Emden früher von der Pleite? „Wir haben gestern kurz vor Veröffentlichung der Pressemitteilung von der angemeldeten Insolvenz der HNL erfahren“, schreibt Theda Eilers. Direkt nach Erhalt der Information sei der städtische Katastrophenschutz informiert worden, um gegebenenfalls zu unterstützen, falls eine größere Zahl von Personal oder Gästen in Emden „gestrandet“ wäre und kurzfristig hätte untergebracht werden müssen. So seien am Mittag auch Mitarbeitende der Wirtschaftsförderung und Touristeninformation am Anleger, um vor Ort für etwaige Fragen zur Verfügung zu stehen.
Emden will sich um (andere) Fährverbindung bemühen
Die Stadt Emden verschickte am Nachmittag eine Stellungnahme von Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) zu der Sache. Darin heißt es unter anderem: „Dass nach Aussagen der Reederei die Zeit in Emden nicht ursächlich für die Insolvenz war, zeigt, dass der Markt vorhanden ist, und wir würden uns sehr wünschen, dass die Linie wieder aufgenommen werden kann.“ Man versuche jetzt, auch weiterhin den Kontakt zu HNL aufrechtzuhalten, so Eilers.
Auch am Donnerstag betont sie auf Nachfrage: „Wie vielfach betont, ist eine solche internationale Fährverbindung in vielerlei Hinsicht attraktiv und eine starke Bereicherung für unsere Seehafenstadt.“ Es seien seit Beginn der Emden-Kristiansand-Linie zwischenzeitlich zwar keine weiteren Interessenten an die Stadt herangetreten, um weitere Verbindungen zu ermöglichen. „Grundsätzlich werden wir uns aber weiterhin bemühen, ein solches Angebot für unsere Seehafenstadt zur Verfügung zu stellen und werden bestmöglich dabei unterstützen. Hier gilt es nun, die Möglichkeiten auszuloten“, erklärt die Sprecherin.
Hafenbetreiber bespricht Liegeplatz für „Romantika“
Der landeseigene Hafenbetreiber Niedersachsen Ports (N-Ports) ist auch für den Emder Hafen zuständig, in dem die rund 200 Meter lange „MS Romantika“ vorerst bleiben wird. Auf Nachfrage heißt es von dort, dass auch die Behörde erst am Mittwoch informiert wurde. „Wir bedauern diese Entwicklung sehr, da wir seit Anfang Juni einen sehr guten Eindruck von der neuen Verbindung und von der Auslastung der Fähre hatten“, schreibt Sprecherin Dörte Schmitz. Einen finanzielle Schaden hat N-Ports vorerst nicht durch die Pleite. „Die Investitionskosten, die Niedersachsen Ports durch die Ausstattung des Anlegers als ISPS-Anlage entstanden sind, konnten durch die bisherigen Einnahmen aus Hafen- und Kajegeld erstattet werden“, erklärt sie.
Derzeit hätten sie der Reederei beratend Unterstützung angeboten, mit dem Ziel, weitere Kosten durch die Nutzung des Liegeplatzes und der Sicherheitseinrichtung zu minimieren. „Wir gehen davon aus, mit dem Insolvenzverwalter in den nächsten Tagen Vorschläge zu alternativen Liegeplätzen besprechen zu können“, so Schmitz. Noch befindet sich die Fähre an einem Anleger der Emder Reederei AG Ems, der vor der Norwegen-Verbindung hauptsächlich für Autofrachter genutzt wurde. Auch seitdem wird der Anleger noch für den Autotransport gebraucht. Die „Romantika“ pendelte dreimal die Woche zwischen Emden und Kristiansand.