Holland Norway Lines ist pleite  Fahrgäste der Norwegen-Fähre stranden in Emden

Mona Hanssen
|
Von Mona Hanssen
| 30.08.2023 18:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Paul Blaauu will eigentlich zurück nach Hause nach Norwegen. Jetzt muss er statt der Fähre, die er erst vor zwei Tagen gebucht hat, mit dem Auto fahren. Fotos: Hanssen
Paul Blaauu will eigentlich zurück nach Hause nach Norwegen. Jetzt muss er statt der Fähre, die er erst vor zwei Tagen gebucht hat, mit dem Auto fahren. Fotos: Hanssen
Artikel teilen:

Am Mittwoch kam die Absage der Norwegen-Fähre auf die Handys der Passagiere. Viele fuhren dennoch zum Emder Außenhafen. Wir haben mit Gestrandeten gesprochen - und darüber, wie sie nun nach Hause kommen.

Emden - Paul Blaauu fährt mit seinem Auto vorsichtig an das große Schild mit der Aufschrift „Kristiansand“ im Emder Außenhafen heran. Ein Mitarbeiter der Reederei Holland Norway Lines (HNL) kommt ihm schon entgegen. „Hier fährt nichts“, sagt er. Blaauu, der drei Wochen in den Niederlanden bei seiner Schwester Urlaub gemacht hat und jetzt nach Hause nach Norwegen will, guckt ratlos um sich. Die Fähre sollte um 17 Uhr ablegen. Er nimmt den Schock, gestrandet zu sein, aber besser auf als vielleicht erwartet. „Ich habe die Nachricht schon vorhin aufs Handy bekommen“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

So ganz wollte er aber noch nicht glauben, dass die HNL-Reederei pleite ist und die Norwegen-Fähre MS „Romantika“ vorerst nicht von Emden ablegt. „Ich habe erst vor zwei Tagen gebucht, das war kein Problem“, sagt er. Laut seiner Schwester, mit der er im Auto vor Ankunft noch Kontakt hatte, sei auch jetzt die Buchung noch möglich. Und jetzt? „Ich nehme die Fähre von Dänemark“, sagt er. Dorthin muss er erst einmal zehn Stunden mit dem Auto fahren. „Freitag habe ich wieder meinen ersten Arbeitstag“, so der Norweger. Dann muss er auf jeden Fall zu Hause sein. Ob er sein Geld für die Fähre zurückbekommt - und eine Erstattung für seine alternative Rückfahrt? Er schüttelt den Kopf. „Das wird dauern.“

Reisebüro erstattet Kosten, Reederei erst einmal nicht

„Es ist eine Katastrophe“, sagt Moulud Mohtashami. Die Deutsche wollte gemeinsam mit ihrem Mann und einem befreundeten Paar aus den Niederlanden auf der Norwegen-Fähre mitfahren. Kurz vor Emden hätten sie die E-Mail bekommen, dass alles abgesagt ist. Sie habe nun zum ersten Mal in diesem Jahr Urlaub. Zwei Wochen sollte es nach Norwegen gehen. Ärgerlich. „Noch ärgerlicher ist, dass offenbar niemand verantwortlich ist“, sagt sie. Unter der Nummer von HNL, die auf einem provisorischen Plakat vor dem Gebäude der Emder Reederei AG Ems im Hafen notiert ist, sei niemand zu erreichen. 400 Euro pro Person hätten sie für die Überfahrt bezahlt. „Wie bekommen wir das zurück?“

Viele Fahrgäste der Norwegen-Fähre zieht es zum "Fährhaus" der Emder Reederei AG Ems.
Viele Fahrgäste der Norwegen-Fähre zieht es zum "Fährhaus" der Emder Reederei AG Ems.

Besser ist ein niederländisches Trio mit Motorrädern dran. Das Reisebüro, über das sie die Überfahrt und Hotels für die Woche in Norwegen gebucht haben, habe ihnen schon zugesichert, dass sie das Geld zurückbekommen, sagt Henk Heidema. Jedes Jahr fährt das Trio durch Deutschland, Italien oder andere europäische Länder. „Vielleicht nächstes Jahr Norwegen“, sagt Harry Beukeveld aus dem Trio optimistisch. Für die Nacht haben sie erst einmal ein Hotel in Bad Zwischenahn gebucht. Danach wollen sie schauen, wo die Reise alternativ hingeht. „Wir haben ja jetzt frei“, sagt Heidema motiviert.

Mit dem Motorrad wollten Roel Keizer (von links), Harry Beukeveld und Henk Heidema aus den Niederlanden durch Norwegen fahren.
Mit dem Motorrad wollten Roel Keizer (von links), Harry Beukeveld und Henk Heidema aus den Niederlanden durch Norwegen fahren.

Mit dem Flugzeug zurück nach Norwegen

Auch eine andere Touristin aus den Niederlanden, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist im Terminal gestrandet. Sie hatte eine Elf-Tages-Tour über ein Reisebüro gebucht und nach der Schocknachricht, die ihr telefonisch vom Reisebüro im Zug mitgeteilt wurde, erst einmal in Emden Kaffee und Kuchen verzehrt. „Aber bei mir ist es nicht so schlimm wie bei anderen hier“, sagt sie. Sie wohne in den Niederlanden etwa in Höhe von Meppen. Mit dem Zug also kein weiter Weg. Von einem Paar aus Norwegen habe sie mitbekommen, dass diese schnell nach der Nachricht mit dem Taxi zurück in die Emder Innenstadt gefahren sind. Von dort wollten sie nach Amsterdam und einen Flug zurück nach Norwegen nehmen.

Mit einem Plakat weist die HNL-Reederei auf die Absage der Fahrten hin und gibt Kontaktmöglichkeiten an.
Mit einem Plakat weist die HNL-Reederei auf die Absage der Fahrten hin und gibt Kontaktmöglichkeiten an.

Ein Mann rennt zum Info-Tresen im Terminal. „Ich komme aus Frankfurt, wie komme ich jetzt wieder zurück?“, fragt er hektisch. Die Mitarbeiterinnen der Emder Reederei AG Ems, zu der das Terminal gehört, versuchen ihr Bestes, um Zug- und Busverbindungen aufzuzeigen. „Den Bus müssen sie nehmen“, sagt eine Mitarbeiterin und zeigt auf den gerade eintreffenden Bus. Der Mann macht große Augen und sprintet nach draußen in den Regen. „Es sind nicht unsere Gäste“, erklärt AG-Ems-Sprecherin Corina Habben. Dennoch versuche man natürlich zu gucken, wie sie die HNL-Passagiere, die bei ihnen stranden, informieren können. Sie selbst hätten auch noch keine weiteren Infos von HNL, sagt sie. „Für uns war das auch ganz neu.“ Wie lange die Norwegen-Fähre MS „Romantika“ an der Rampe der AG Ems liegen wird, konnte sie auch noch nicht beantworten.

Die Borkum-Urlauber schauen sich indes am Mittwoch-Nachmittag interessiert um. „Wir haben offenbar die richtige Fähre gebucht“, sagt einer.

Ähnliche Artikel