Hamburg Gefährlicher Elektro-Ramsch: Auch Verbraucher tragen Verantwortung
Auf dem deutschen Markt landen immer wieder fragwürdige Artikel, vor allem aus China. Die Europäische Union hat das Problem erkannt, doch Gesetze allein reichen nicht.
Können Sie sich noch an die Proteste gegen TTIP erinnern? Als die Zollsperren zwischen den USA und der Europäischen Union aufzuweichen drohten, warnten zahlreiche Gegner davor, dass den Deutschen möglicherweise „Chlorhühnchen“ und „Genmais“ aufgetischt würden. Aktivisten befürchteten damals, dass weite Teile der Bevölkerung mit ernsthaften Gesundheitsrisiken rechnen müssen.
Erstaunlich ist daher, dass in den ersten sechs Monaten dieses Jahres fast 1500 gefährliche Elektroartikel größtenteils aus China mit einer Stückzahl von etwa 45 Millionen vom deutschen Markt genommen wurde, ohne dass es einen Aufschrei gab. Schlimmer noch, der hemmungslose Konsum von Billig-Artikeln ist im Trend. Im April dieses Jahres ging die Shoppingplattform Temu in Deutschland an den Start. Sie ist – ähnlich wie Mitbewerber AliExpress – Vermittler zwischen meist chinesischen Herstellern und Käufern aus Europa und Co. Temu wirbt mit absurd günstigen Preisen – Bluetooth-Kopfhörer gibt es für zehn Euro.
Die Qualität ist laut Experten oft unterirdisch und Verbraucherschutz gibt es bislang kaum. Aber immerhin hat die Europäische Union das Problem erkannt. Das Parlament hat sich in diesem Jahr auf neue Vorschriften geeinigt: Gefährliche Produkte müssen etwa innerhalb von zwei Tagen entfernt werden und Unternehmen, die Produkte in die EU verkaufen wollen, müssen einen in der EU ansässigen Händler benennen, der für die Sicherheit verantwortlich ist. In eineinhalb Jahren könnte das Gesetz angewendet werden.
Die Vorschriften gehen in die richtige Richtung: Käufer haben Ansprechpartner und können ihre Rechte geltend machen. Aber schon jetzt stellt sich die Frage: Wer soll das kontrollieren? Plattformen wie Temu, aber auch Amazon schwemmen den europäischen Markt mit billigen Produkten.
Am Ende geht es also trotz Gesetzen nicht ohne einen verantwortungsvollen Verbraucher, der sich die Frage stellt: Brauche ich die 10-Euro-Kopfhörer ohne EU-Kennung von einem unbekannten Händler wirklich oder kaufe ich von seriösen Händlern mit Sitz in der EU?