Detlef Klahr geht in den Ruhestand Vom Postboten zum Regionalbischof
Regionalbischof Detlef Klahr war 16 Jahre lang im Amt, nun geht er in den Ruhestand. Der Theologe hat einen ungewöhnlichen Lebenslauf.
Emden - Er war genauso lange Regionalbischof wie Angela Merkel Bundeskanzlerin von Deutschland. 16 Jahre lang hat Detlef Klahr das kirchliche Leben in Ostfriesland geprägt. Jetzt besteigt er zum letzten Mal als leitender Theologe des Evangelisch-lutherischen Sprengels Ostfriesland-Ems eine Kanzel. Der 65-Jährige geht in den Ruhestand.
Ostfriesland Tschüss zu sagen, fällt ihm schwer. „Den Wind, die Weite, das Meer und die Menschen werde ich vermissen – aber den Tee nehme ich mit“, sagt Klahr mit einem verschmitzten Lächeln. Seit 2007 war er im Amt. Zunächst als Landessuperintendent, daraus wurde mit Inkrafttreten der neuen Verfassung der Landeskirche Hannovers 2020 der Titel Regionalbischof. An diesem Sonntag wird er von Landesbischof Rolf Meister in der Emder Martin-Luther-Kirche in den Ruhestand verabschiedet – kurz vor seinem 66. Geburtstag, den er am 13. September feiert. Der Festgottesdienst beginnt am Sonntag, 27. August, um 15 Uhr in der Martin-Luther-Kirche Emden.
Glaubensheiterkeit als Lebensmotto
In den vergangenen Jahren hat Klahr der lutherischen Kirche in der Region ein Gesicht gegeben. Ob bei Vorträgen an der Hochschule in Emden oder bei den Landfrauen, beim Ostfriesischen Kirchentag, in zahllosen Gottesdiensten auch in kleinsten Gemeinden zwischen Borkum und Bad Bentheim, bei Passionsandachten im Ostfriesischen Landesmuseum oder bei Osterfeiern um sechs Uhr in der Frühe in der Klosterstätte im Ihlower Forst – stets war es ihm wichtig, seine Glaubensheiterkeit an die Menschen weiterzugeben.
Denn diese Glaubensheiterkeit ist so etwas wie das Lebensmotto von Detlef Klahr. Das beginnt für ihn bereits mit dem Singen eines Chorals: „Ich halte es mit Martin Luthers Satz ‚Singen verändert das Gemüt‘.“ Folgerichtig heißt seine Doktorarbeit über den Dichter und Theologen Carl Johann Philipp Spitta (1801-1859) auch „Glaubensheiterkeit“.
Lehre bei der Post
Eng verbunden damit ist auch Klahrs Nähe zu den Menschen. Sie schätzen es, dass er fromm von seinem Glauben spricht und darin den Alltag der Menschen einbinden kann. Dazu zählen Themen wie Arbeitslosigkeit, Zukunftsperspektiven der Jugendlichen oder der Friede. „Politik sollte nicht das erste Thema in der Kirche sein, aber die Kirche muss immer wieder das Gespräch mit der Politik und der Gesellschaft suchen“, sagt der Theologe.
Den Umgang mit Menschen hat er schon früh geübt. Als 15-Jähriger begann Klahr eine Lehre bei der Post. „Als Briefträger habe ich gelernt, dass Frau Müller um die Ecke genauso wichtig ist, wie der große Theologe Augustinus.“ Näher als ein Briefträger komme kaum jemand an Menschen heran. Später hat Klahr über den zweiten Bildungsweg Theologie studiert.
Nachfolge noch ungeklärt
So wichtig ihm die Theologie, die Musik und die Menschen sind – auch für die gemalte Kunst hat Klahr ein großes Herz. Großformatige Bilder des Malers Hermann Buß zieren den Besprechungsraum seines Amtssitzes in Emden. Der Flensburger Künstler Uwe Appold war mehrfach mit seinen Bildern in ostfriesischen Kirche zu Gast. Und so wundert es nicht, dass Klahr in seinem Ruhestand in Hannover ein Studium der Kunstgeschichte beginnen will – „und vielleicht auch ein wenig Philosophie“.
Wer künftig den Sprengel leiten wird, ist noch ungeklärt. Die Stelle ist bundesweit ausgeschrieben, doch ist noch keine Entscheidung gefallen.