Philipp Wenning im Interview  Das ist der neue Schulleiter der Inselschule Borkum

| | 25.08.2023 17:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Philipp Wenning leitet seit dem ersten August dieses Jahres die Inselschule auf Borkum. Fotos: privat
Philipp Wenning leitet seit dem ersten August dieses Jahres die Inselschule auf Borkum. Fotos: privat
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In einem Interview mit unserer Zeitung erzählt der 34-Jährige von sich, seinen Plänen und dem Lehrermangel. Auch Digitalisierung und KI sind Themen für die Zukunft der Inselschule.

Borkum - Der langjährige Leiter der Inselschule auf Borkum, Johannes Akkermann, ist in den Ruhestand gegangen. Sein Nachfolger ist Philipp Wenning. Seit dem 1. August verwaltet der 34-Jährige die Schule. Der gebürtiger Borkumer ist auf der Insel aufgewachsen und zur Schule gegangen. Studiert hat er Geschichte und Biologie – nun nimmt er das Zepter der Inselschule selbst in die Hand.

Herr Wenning, sehen Sie sich der Aufgabe gewachsen, Johannes Akkermann abzulösen?

Philipp Wenning: Also zum einen hat mich Herr Akkermann sehr gut auf dieses Amt vorbereitet. Wir haben im Vorfeld schon viel über die Aufgaben gesprochen. Grundsätzlich ist es eine große Aufgabe mit viel Verantwortung, aber ich sehe mich im Grundsatz natürlich der Aufgabe gewachsen.

Wer ist denn Philipp Wenning eigentlich?

Wenning: Er ist Familienvater, Borkumer, Musiker, engagierter Sportschauer und engagierter Lehrer – bis ich natürlich Schulleiter geworden bin – mit Herz und Seele. Ich liebe meinen Beruf. Ich arbeite gerne mit Kindern. Hier auf der Insel bin ich sehr fest verwurzelt. Ich habe meine Jugend hier verbracht und alles, was man hier so an Vereinen machen kann, auch mitgenommen.

Der Schulleiter ist auf Borkum groß geworden.
Der Schulleiter ist auf Borkum groß geworden.

Sie sagten, Sie sind Musiker. Was kann man sich darunter vorstellen?

Wenning: Ich habe früher in einer Band gespielt – Marlons Room. Die kennt man hier ganz gut. Ich habe hier relativ lange und auch relativ professionell mit meinen Jugendfreunden Musik gemacht.

Haben Sie etwas Besonderes für die Zukunft der Inselschule geplant?

Wenning: Digitalisierung ist in aller Munde und muss auch in der Schule weiter vorangetrieben werden. Sowohl was die Ausstattung betrifft als auch personell. Auch bei den Lehrern muss noch mehr ankommen, digitaler zu arbeiten. Ich würde mir wünschen, dass wir hier irgendwann an der Schule eine Eins-zu-eins-Versorgung mit Endgeräten für alle Schüler erreichen. Die Kinder müssen auch unterscheiden können zwischen „Ich daddel am iPad“ und „Ich arbeite effektiv mit einem Gerät“. In Zukunft werden viele Jobs davon abhängen, ob man mit digitaler Technik umgehen kann oder nicht. Wenn ich in einer KI etwas eingebe und die mir etwas ausspuckt, dann muss ich in der Lage sein, zu verifizieren – ist das richtig, was die Maschine mir da gibt, oder ist das Blödsinn? Und das wird eine große Aufgabe der Schule der Zukunft sein. Man muss die Schüler sensibilisieren, damit sie nicht alles glauben, was im Internet steht.

Was halten Sie von Künstlichen Intelligenzen? Sehen Sie ChatGPT und Co. als Herausforderung oder als Chance?

Wenning: Grundsätzlich sehe ich KI als Chance. Wir befinden uns momentan in einem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformationsprozess. Dieser Umbruch ist von KI begleitet und wenn wir uns dessen verschließen, nehmen wir uns viel von dem weg, was möglich wäre. Ich glaube, dass KI eine Chance ist, wenn sie entsprechend reguliert ist.

Was ist denn die Herausforderung der besonderen Lage der Schule – als Inselschule?

Wenning: Im Moment kämpft das ganze Land mit Lehrermangel. Davon sind wir nicht ausgenommen. Wir brauchen hier dringend Lehrkräfte. Die Problematik für neue Lehrkräfte ist, den Schritt hier auf die Insel zu wagen. Das ist ja auch eine kulturelle Umstellung. In die Inselgemeinschaft aufgenommen zu werden, fällt manchmal schwer. Manche bekommen auch nach dem ersten Winter einen Insel-Rappel und wollen so schnell wie möglich wieder weg. Das ist natürlich nicht immer so, kann aber passieren. Und wenn wir hier jemanden verpflichten können, dann stellt sich auch die Wohnraumfrage. Das ist ein Problem, das die Politik lösen muss. Es muss für Lehrer adäquater Wohnraum geschaffen werden. Personal hier her zu bekommen und das dann auch zu halten, ist die große Herausforderung.

Was hätten Sie sich selbst als Schüler von einem Schulleiter gewünscht?

Wenning: Mein Schulleiter war ja tatsächlich mein Vorgänger, Johannes Akkermann. Für mich war es immer so, dass er der Inbegriff eines Schulleiters war. Er war immer korrekt, hatte eine gute Ansprache gegenüber den Schülern. Er hatte auch die Fähigkeit, Fünfe gerade sein zu lassen, auch wenn man Mist gebaut hat. Da hat er auch gesagt: „Passt, ist in Ordnung. Nächstes mal nicht wieder.“ Trotzdem war er konsequent, wenn es dann wirklich ernst wurde. Und genau diese Fähigkeiten wünsche ich mir auch für mich selbst: Transparent zu sein, offen für die Schüler zu sein, aber trotzdem die nötige Konsequenz zu haben, bestimmte Dinge umzusetzen. Nicht nur gegenüber den Schülern, sondern der ganzen Schulgemeinschaft gegenüber.

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