Betroffener wittert Betrug  Verblüffende Wende im Drama um Mini-Windkraftanlagen

Nicole Böning
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Von Nicole Böning
| 25.08.2023 16:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Peter Peschel hat mit Sohn Patrik die Kleinwindkraftanlagen vom Dach der Oskes abgebaut. Jetzt will er eine davon auf Herz und Nieren prüfen. Foto: Böning
Peter Peschel hat mit Sohn Patrik die Kleinwindkraftanlagen vom Dach der Oskes abgebaut. Jetzt will er eine davon auf Herz und Nieren prüfen. Foto: Böning
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Die Oskes aus Wiesmoor geben auf: Sie haben das Vertrauen in ihre Windkraftanlagen verloren. Drei Elektriker aus Ostfriesland fühlen dem Hersteller jetzt auf den Zahn. Sogar von Betrug ist die Rede.

Wiesmoor - Sichtlich aus der Puste steigt Peter Peschel vom Dach der Familie Oske in Wiesmoor. Ausgerechnet an diesem Tag ist es mal wieder richtig heiß und so leicht wie gedacht lassen sich die drei Mini-Windkraftanlagen dort oben doch nicht abbauen. Außerdem: So mini, wie sie von unten wirken, sind die schlichten zylindrischen Gondeln gar nicht. Auch die Rotorblätter wirken beeindruckend, als Peschel sie auf dem Boden präsentiert. Eineinhalb Meter Durchmesser haben sie und das Gesamtgewicht der Anlage liegt bei rund 20 Kilogramm. Peschel stöhnt leise, als er sie ablegt, und muss dabei über sich selbst lachen.

Was und warum

Darum geht es: Herbert Oske aus Wiesmoor hat vor einem Jahr Mini-Windkraftanlagen der Firma Skywind im Internet bestellt und musste viele Hürden nehmen, um Fachbetriebe für die Installation zu finden. Am Ende drehten sie sich allerdings nicht. Jetzt will er die Anlagen nur noch loswerden.

Vor allem interessant für: Installateure und alle, die nach Lösungen suchen, wie sie ihr Haus mit regenerativer Energie versorgen können, sowie Besitzer von Skywind-Anlagen und anderen Kleinwindanlagen für den Hausgebrauch

Deshalb berichten wir: Nach dem Bericht über die Oskes meldeten sich in der Redaktion viele Helfer, aber auch Kritiker des Unternehmens Skywind. Sogar Betrugsvorwürfe stehen im Raum. Die Redaktion bleibt am Ball.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Nach dem Bericht über die nicht drehenden Windkraftanlagen auf dem Dach von Herbert und Ingrid Oske war Peter Peschel einer von vielen Menschen, die spontan Hilfe anboten. Genaugenommen wollte er ihnen eine Anlage abkaufen. Er war schon immer neugierig auf diesen Hersteller, der im Netz so präsent ist. Jetzt bekommt er die Anlage sogar geschenkt und hat im Gegenzug versprochen, alle drei auf dem Dach der Oskes wieder abzubauen. Denn die Oskes wollen sie nur noch so schnell wie möglich loswerden. Sie haben das Vertrauen in den Hersteller Skywind verloren. Nicht nur die eigenen Erfahrungen haben ihnen den Mut genommen, bei der Windkraft am Ball zu bleiben, auch die schlechten Bewertungen im Netz ließen bei ihnen immer mehr die Hoffnung schwinden, auf dem eigenen Dach mit Windkraft Strom zu gewinnen.

Viele wollten helfen

Dabei wollten viele sie dabei unterstützen, weiterzumachen. Einen Tag nach Erscheinen des Zeitungsartikels stand spontan der Inhaber des Wiesmoorer Musikhauses Ahrends, Hans-Gert Ahrends, vor der Tür. Er hatte seinen Elektriker Fabian Lindenbeck dabei. „Er hat sich wirklich viel Mühe gegeben und die Anlage am Ende auch zum Laufen gebracht“, erzählt Herbert Oske. Aber da hatte er selbst die Hoffnung schon aufgegeben. „Ich wollte mit dem Service des Unternehmens nur noch einmal durchgehen, ob alles ordnungsgemäß installiert ist, dann hätte die Anlage in Betrieb gehen können“, sagt Lindenbeck. Da er sie nicht selbst installiert hat, wollte er lieber sichergehen. Der junge Elektriker ist immer für besondere Herausforderungen zu haben und hatte deshalb seine Hilfe angeboten.

Herbert und Ingrid Oske wollen ihren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt hinterlassen. Die Kleinwindkraftanlagen auf dem Dach im Hintergrund werden ihnen dabei nicht mehr helfen – um die kümmern sich jetzt andere. Foto: Böning
Herbert und Ingrid Oske wollen ihren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt hinterlassen. Die Kleinwindkraftanlagen auf dem Dach im Hintergrund werden ihnen dabei nicht mehr helfen – um die kümmern sich jetzt andere. Foto: Böning

Jetzt kann er das Projekt Skywind bei seinem Arbeitgeber weiter verfolgen. Denn eine Anlage vom Dach der Oskes geht als Dank für seinen Einsatz für sehr kleines Geld an das Musikhaus. Dort wird Lindenbeck das Gerät auf Herz und Nieren testen. „Es wirkt erst einmal ordentlich, allerdings war ich verwundert, wie viel Wind die Anlage benötigt, um sich zu drehen“, sagt Lindenbeck. Für ihn ist die spannende Frage, ob das Miniatur-Windrad überhaupt mehr Strom produziert, als der Wechselrichter benötigt. Der muss nämlich den Gleichstrom des Windrads in Wechselstrom umwandeln und verbraucht dafür ebenfalls Strom.

Ein Wilhelmshavener hat das Unternehmen wegen Betrug angezeigt

Eine Kritik in zahlreichen Rezessionen im Netz ist, dass dadurch kaum Energie übrigbleibt oder sogar weniger produziert als verbraucht wird. Der Service des Herstellers, der gegenüber Gesprächen sehr aufgeschlossen ist, erklärt diese Probleme mit unsachgemäßer Installation und schlechten Windverhältnissen am Standort. „Wir sind für unsere Kunden immer ansprechbar und bereit, den Anschluss und die Installation telefonisch zu begleiten“, hatte ein Mitarbeiter der technischen Hotline des Unternehmens der Redaktion erklärt. Dass die Anlage problemlos laufe könnten er selbst und viele weiteren Kunden bestätigen.

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„Das gehört alles zur Masche des Unternehmens“, sagt dagegen Thorsten Hillmann aus Wilhelmshaven, ein Skywind-Kritiker, der sich ebenfalls nach dem Zeitungsartikel mit der Redaktion in Verbindung setzte. Er habe selbst sechs Anlagen bestellt und zunächst eine von einem Fachbetrieb auf seinem Dach installieren lassen. Viel Strom habe die allerdings nicht produziert. Immer wieder habe es in der Hotline geheißten, das Kabel falsch aufgelegt seien, bis Hillmann schließlich resigniert aufgab. „Ich habe bisher noch keine erfolgreich installierte Anlage von Skywind gefunden“, sagt er. Deshalb habe er das Unternehmen wegen Betrugs angezeigt und sei dazu bereits von der Staatsanwaltschaft Hannover verhört worden. Die suche jetzt weitere Betroffene für ihre Ermittlungen.

Peter Peschel hat die schlechten Bewertungen und die Kritik am Hersteller im Internet gelesen. Er möchte – wie Fabian Lindenbeck – die Mini-Windkraftanlage jetzt fachgerecht prüfen und sie auf seinem Reihenendhaus in Leer installieren. Als gelernter Elektromaschinenbauer mit einem Studium der Elektrotechnik ist er zuversichtlich, dass er dem Problem der Anlage auf die Spur kommt, wenn es eines gibt. Er hat bereits festgestellt, dass sie grundsätzlich in der Lage ist, Strom zu produzieren. Wie viel es am Ende sein wird, bleibt abzuwarten. Auch die dritte Anlage der Oskes geht an einen Elektroinstallateur. Es ist der Auricher Elektriker, der als einziger bereit war, die Kleinwindkraftanlagen auf ihrem Dach zu installieren und anzuschließen. Die drei Elektroinstallateure können also bald mehr dazu sagen, ob an Hillmanns Vorwürfen etwas dran sein könnte. „So kommen die Anlagen schließlich doch dafür zum Einsatz, wofür sie gedacht waren“, sagt Herbert Oske. Sollten sie wirklich Strom produzieren, fließe das Geld dafür halt bloß nicht in seine Tasche.