Georgsmarienhütte  EWE und Stahlwerk kooperieren: Ab 2028 grüner Wasserstoff für Produktion in Georgsmarienhütte?

Nina Kallmeier
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Von Nina Kallmeier
| 24.08.2023 15:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Elektrolichtbogenofen - kurz Elo - produziert das Stahlwerk Georsmarienhütte seinen Stahl. Hauptsächlich braucht es dafür Strom, aber auch eine kleine Menge Erdgas. Die soll künftig durch Wasserstoff ersetzt werden. Foto: Jörn Martens
Im Elektrolichtbogenofen - kurz Elo - produziert das Stahlwerk Georsmarienhütte seinen Stahl. Hauptsächlich braucht es dafür Strom, aber auch eine kleine Menge Erdgas. Die soll künftig durch Wasserstoff ersetzt werden. Foto: Jörn Martens
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Das Stahlwerk Georgsmarienhütte will künftig in der Produktion komplett auf Erdgas verzichten und stattdessen durch den Einsatz von grünem Wasserstoff den CO₂-Fußabdruck verringern. Mit Energieversorger EWE hat das Unternehmen nun eine Kooperation geschlossen. Die Wasserstoffleitungen von der Küste bis nach Georgsmarienhütte müssen aber erst noch gebaut werden.

Bislang sorgt Erdgas dafür, dass der Ofen auf dem Gelände des Stahlwerks Georgsmarienhütte, der den Stahl vor dem Walzen erhitzt, auch heiß wird. Perspektivisch soll er Vorreiter sein, wenn es darum geht, Erdgas durch grünen Wasserstoff zu ersetzen. Das Ziel: den CO₂-Fußabdruck der Produktion noch weiter zu senken. Denn ab dem Jahr 2039 soll der Stahl aus Georgsmarienhütte unter anderem durch den Einsatz von Wasserstoff klimaneutral hergestellt werden.

„Bisher sind wir noch nicht komplett grün“, sagt Alexander Becker, Chef der GMH Gruppe, zu der das Stahlwerk gehört, selbstkritisch. Mithilfe von Ökostrom, aber eben auch mit grünem Wasserstoff soll sich das ändern.

Der kann an insgesamt drei Stellen im Stahlwerk das aktuell eingesetzte Erdgas ersetzen: bei Brennern am E-Ofen, bei Öfen der Wärmebehandlung des Stahls und eben beim Erwärmungsofen im Walzwerk. Die benötigte Menge insgesamt bezifferte Alexander Becker zuletzt auf rund 20.000 Tonnen pro Jahr.

Liefern könnte diesen Wasserstoff perspektivisch der Oldenburger Energieversorger EWE. Zusammen mit EWE-Vorstandsvorsitzendem Stefan Dohler hat Becker am Donnerstag eine Absichtserklärung für die künftige Kooperation beim Thema Wasserstoff unterzeichnet. Dohler ist sich sicher:

Das gelte insbesondere im Bereich der Kavernenspeicherung und dem leitungsgebundenen Transport von Wasserstoff. Produzieren will EWE den grünen Wasserstoff mit Erzeugungsanlagen im Nordwesten Deutschlands. Bis zu 400 Megawatt Elektrolysekapazitäten sollen Dohler zufolge an „systemdienlichen Standorten nahe der deutschen Nordseeküste“ aufgebaut werden. Je nach Absatzmarkt könnten so ab 2026 jährlich bis zu 40.000 Tonnen grüner Wasserstoff produziert werden.

Und die EWE hat schon weitere Pläne: In den nächsten zehn Jahren bestehe die Möglichkeit, die Erzeugungskapazitäten bedarfsgerecht bis in den Gigawatt-Maßstab auszubauen.

Der Vorteil für das Stahlwerk in Georgsmarienhütte, das mit eben diesem Wasserstoff aus einer Elektrolyse-Anlage in Emden beliefert werden soll: Kann das derzeit benötigte Erdgas vollständig durch Wasserstoff ersetzt werden, der an der Küste aus erneuerbaren Energien produziert wird, könnte dieser Teil der CO₂-Emissionen auf nahezu null reduziert werden, betont Becker.

Den Standort Emden hat EWE bewusst gewählt, so Dohler. An diesem Knotenpunkt müsse aktuell viel Strom aus Erneuerbaren abgeriegelt werden – sprich er geht ungenutzt verloren. Das würde sich durch die Produktion von Wasserstoff ändern.

Allerdings: Wann eine Umstellung im Stahlwerk erfolgen könnte, ist offen. Geplant ist aktuell eine Belieferung ab dem Jahr 2028/29. Bis dahin müssen jedoch nicht nur die Elektrolysekapazitäten aufgebaut werden, sondern auch neue Wasserstoffpipelines entstehen. Diese sollen unter anderem im Großprojekt „Clean Hydrogen Coastline“ gebaut werden, ebenso wie im geplanten Vorhaben „HyPerLink“ des Ferngasnetzbetreibers Gasunie.

Dazu finden EWE zufolge bereits Gespräche mit möglichen Infrastrukturbetreibern statt. Über die Pipelines könnte eine Einbindung der GMH-Anlagen sichergestellt werden. Hinzu kommt die Möglichkeit, durch die Positionierung der EWE-Produktionsanlagen an wichtigen Offshore-Anbindungspunkten den Import von grünem Wasserstoff zu integrieren. Für die Vorhaben sei jedoch eine zügige Fördergenehmigung auf europäischer Ebene notwendig, so Dohler.

Für das Stahlwerk selbst bedeutet der Einsatz von Wasserstoff anstelle von Erdgas eine Umstellung der aktuell vorhandenen Brennertechnologie, aber auch des Leitungsnetzes auf dem Werksgelände. Wobei, so erklärt Stahlwerk-Geschäftsführer Marc-Oliver Arnold beim Rundgang, der Erwärmungsofen im Walzwerk könnte in einem ersten Schritt auch mit einem Wasserstoff-Anteil von 50 Prozent und einem Erdgas-Anteil von 50 Prozent laufen.

Wie hoch die Investition bei einer Umstellung sein wird, ist der GMH-Gruppe zufolge aktuell noch nicht abzusehen. Zunächst müssten zusammen mit den Partnern die Parameter geprüft und die Voraussetzungen, aber auch Einschränkungen miteinander abgewogen werden. Auch der gesetzliche Rahmen sowie die möglichen Fördermöglichkeiten durch Land, Bund und EU seien aktuell noch offen.

Die Umstellung im Stahlwerk Georgsmarienhütte ist nicht das einzige Wasserstoff-Projekt in der Region. Im Oktober vergangenen Jahres haben Georgsmarienhütte und EWE mit den Unternehmen KME Germany, Q1, EWE, Felix Schoeller und dem Logistiknetzwerk KNI eine Absichtserklärung für gemeinsame Wasserstoffprojekte in der Wirtschaftsregion Osnabrück unterzeichnet.

Geplant ist unter anderem der Bau eines Elektrolyseurs. Derzeit läuft eine Machbarkeitsstudie, die die Größe und die Ausgestaltung der Anlage näher betrachtet. Mit Ergebnissen rechnet das Konsortium im Spätsommer. Parallel hat EWE die Fördermittel-Akquise für das Elektrolyse-Projekt begonnen, denn ohne finanzielle Unterstützung sind Wasserstoff-Erzeugungsanlagen bisher nicht wirtschaftlich finanzierbar. Bei Zusage der Förderung erfolgen die nächsten Schritte, unter anderem die Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages mit anschließender konkreter Projektplanung.

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