„Fremantle Highway“ Was geschieht mit den Autos vom Unglücks-Frachter?
Viele der Autos, die in Eemshaven vom ausgebrannten Frachter „Fremantle Highway“ rollen, sehen aus wie neu. Aber können die Hersteller sie noch verkaufen? So schätzt ein Experte die Situation ein.
Eemshaven/Leiden - Seit dem Wochenende werden die noch weitgehend intakten Fahrzeuge im niederländischen Eemshaven von dem ausgebrannten Autofrachter „Fremantle Highway“ geholt. Viele der Wagen sehen zumindest äußerlich aus wie neu, nachdem sie die Waschanlage auf dem Schiff durchquert haben. Die zuständigen Bergungsunternehmen gehen davon, dass es etwa eine Woche dauert, bis die rund 1000 intakten Autos von Bord sind, berichtete die Zeitung „De Telegraaf“.
Zunächst werden die Fahrzeuge in Eemshaven auf einem speziellen Gelände abgestellt. Was mit ihnen geschieht, müssen die Autohersteller – darunter BMW und Mercedes – sowie deren Versicherer entscheiden. „Es ist denkbar, dass auch die intakten Autos letztendlich abgeschrieben werden, weil die Hersteller die Qualität ihres Produkts nicht mehr garantieren können“, sagt Dr. Arnold Tukker, Professor für Industrielle Ökologie an der Universität Leiden, laut Mitteilung der Hochschule. „In dem Fall wäre es logisch, dass noch funktionierende Teile, etwa Motoren oder Batterien, wiederverwendet werden.“ Hierfür müssten die Teile aber genau untersucht werden. Wenn die Batterie eines Elektroautos etwa nur noch zu 80 Prozent geladen werden könne, sei sie für den Einsatz in Fahrzeugen nicht mehr zu gebrauchen, so Tukker. Sie könne aber beispielsweise noch für die stationäre Stromversorgung verwendet werden.
Zerstörte Autos bleiben womöglich auf dem ausgebrannten Schiff
Als in der Nacht auf den 26. Juli an Bord der „Fremantle Highway“ ein Feuer ausbrach, war das Schiff mit 3800 Fahrzeugen vor der niederländischen Küste unterwegs. Ein Crewmitglied kam infolge des Brandes ums Leben. 2700 Autos sind laut Bergungsexperten komplett zerstört, teils sind sie mit den Decks verschmolzen. Aber auch sie könnten noch recycelt werden, meint Tukker: Der Stahl könne zerkleinert und wiederverwendet werden. Weitaus schwieriger sei dies hingegen bei beschädigten Batterien.
Projekt „Zukunft Nordsee“
Dieser Beitrag ist Teil des Projekts „Zukunft Nordsee“ von Ostfriesen-Zeitung, General-Anzeiger, Borkumer Zeitung, Nordsee-Zeitung, Kreiszeitung Wesermarsch und Deutscher Presse-Agentur (DPA). In dieser Serie beschäftigen wir uns mit Themen, die für die gesamte Küstenregion relevant sind – zum Beispiel mit dem Klimawandel, erneuerbaren Energien, der Entwicklung der Wirtschaft und dem Tourismus. Weitere Beiträge dazu finden Sie hier.
Ob die zerstörten Autos aber überhaupt von Bord geholt werden, ist unklar. Bergungsunternehmer Peter Berdowski hatte bereits angedeutet, dass man die Fahrzeuge auf dem Schiff lassen werde. Die „Fremantle Highway“ kann noch bis zum 14. Oktober in Eemshaven liegen, wohin sie Anfang des Montags geschleppt worden war. Anschließend soll der Frachter ins Ausland, um dort abgewrackt oder repariert zu werden. Bis dahin soll auch die Brandursache geklärt sein. Nach ersten Meldungen der Küstenwache aus der Unglücksnacht war die Rede davon, dass eine E-Auto-Batterie die Quelle des Brandes gewesen sein könnte.
Fotos von ausgebranntem Autofrachter sorgen für Unmut
Autos auf Frachter teilweise mit Decks verschmolzen
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