Vom Aus in Aurich überrascht  Groothuis hätte sich mehr Geduld erhofft

| | 22.08.2023 17:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Künftig wird Uwe Groothuis (links) nicht mehr an der Auricher Seitenlinie stehen. Foto: Doden, Emden
Künftig wird Uwe Groothuis (links) nicht mehr an der Auricher Seitenlinie stehen. Foto: Doden, Emden
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Die Trennung der SpVg Aurich von Uwe Groothuis hat für Aufsehen gesorgt. Nun äußert sich der scheidende Trainer – auch zu seiner sportlichen Zukunft.

Aurich - Eigentlich wollte der SpVg-Vorstand die Nachricht bei einem persönlichen Treffen in Emden verkünden. Doch da Uwe Groothuis am Montagabend privat verhindert war, erfuhr dieser telefonisch von Heinz Haase, einem der Leiter Herrenfußball, von seinem Trainer-Aus bei der SpVg Aurich. „Ich war sehr überrascht und finde es schade, dass man nicht etwas mehr Geduld hatte“, sagt der 69-Jährige. „Wir haben ja erst zwei Ligaspiele in dieser Saison bestritten. Das muss ich jetzt erstmal sacken lassen.“

Am Dienstagmorgen erfuhr dann die Öffentlichkeit von Groothuis’ Trainerentlassung bei der SpVg Aurich, die eine entsprechende Pressemitteilung rausschickte. „Der geschäftsführende Vorstand, die sportliche Leitung sowie die Abteilungsleitung waren sich darüber einig, dass in den zurückliegenden Wochen keine stabile positive sportliche Entwicklung zu erkennen war“, heißt es als Begründung in dieser.

„Erste Krisensitzung“ nach erstem Ligaspiel

Interimsweise ist die Nachfolge von Uwe Groothuis geklärt: Milad Faqiryar, der zu dieser Saison erst als Co-Trainer neu eingestiegenen war, übernimmt die Auricher Herrenmannschaft bis auf Weiteres. An diesem Mittwoch bei der Auswärtspartie beim FC Norden (20 Uhr) wird der 30-Jährige erstmals hauptverantwortlich an der Seitenline der SpVg stehen. „Danach werden wir uns mal zusammensetzen und besprechen, wie wir auf dem Trainerposten weitermachen“, sagt Aurichs Vorsitzender Werner Hoffmann auf Nachfrage.

Uwe Groothuis hatte die Auricher Herren im vergangenen Sommer übernommen. Nach einem katastrophalen Start mit acht Ligapleiten am Stück schaffte die SpVg dennoch den Klassenerhalt. Im März hatte sich die SpVg mit Groothuis auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit auch in der neuen Spielzeit verständigt – da ist der Ligaverbleib längst noch nicht gesichert gewesen. Doch mittlerweile sehen die Auricher Vereinsverantwortlichen den gemeinsamen Weg mit Uwe Groothuis als Trainer nicht mehr als den richtigen an. Laut Mitteilung hat es bereits in der zurückliegenden Woche eine „erste Krisensitzung“ gegeben. Da hatte die SpVg gerade erst zwei Pflichtspiele in dieser Saison bestritten. Auf das 0:3-Pokalaus gegen BW Borssum folgte gegen den SV Hage auch im ersten Bezirksligaspiel ein 0:3. Die dritte Saisonpleite am Samstag – es gab ein 2:6 beim Vorjahres-Vizemeister SV Großefehn – besiegelte das Aus für Uwe Groothuis. Die Trainerwechsel-Entscheidung fiel in einer Sitzung der SpVg-Klubführung und der sportlichen Leitung am Montag.

Werner sieht gute Mischung bei der SpVg

In der ostfriesischen Fußball-Szene schlug die Trennung von Groothuis so kurz nach Saisonbeginn hohe Wellen. In Kommentaren in Sozialen Netzwerken war Unverständnis bei den Usern herauszulesen. „Das müssen wir jetzt aushalten“, sagt SpVg-Klubchef Werner Hoffmann. „Es gibt nie den richtigen Moment für einen Trainerwechsel. Wir stehen gegenüber unseren Mitgliedern in der Verantwortung. Und wenn wir die Überzeugung haben, mit dieser Konstellation nicht mehr voranzukommen, sollte man einen Trainerwechsel nicht aufschieben.“

Uwe Groothuis selbst hatte bis zuletzt daran geglaubt, die Mannschaft erneut zum Klassenerhalt führen und weiterentwickeln zu können. „Wir haben viele junge Spieler dazubekommen, das braucht etwas Zeit. Sie können nicht von heute auf morgen voll da sein“, sagt Groothuis. Dem hält Werner Hoffmann dagegen: „Der Mannschaft gehören auch erfahrene Akteure an. Dazu gesellen sich talentierte, junge Spieler, die ein gewisses Feuer mitbringen. Natürlich erwarten wir nicht, dass wir oben in der Bezirksliga mitspielen. Aber das Potenzial für einen gesicherten Mittelfeldplatz ist da.“

Groothuis sieht sich nicht als Funktionär

Somit endet für Uwe Groothuis nach etwas mehr als einem Jahr das Kapitel SpVg Aurich. Von der Mannschaft möchte sich der 69-Jährige noch persönlich verabschieden – womöglich am Freitag. Er möchte das Aus in Aurich jetzt erstmal verarbeiten, freut sich auch darauf, Fußballspiele in der Region mal entspannt anzugucken, ohne die Teams zu analysieren. „Jetzt kann ich auch mal wieder ein paar Spiele von Kickers im Stadion sehen“, sagt Groothuis, der beim BSV Kickers eine Legende ist und einst im Kickers-Trikot Niedersachsens erster Fußballer des Jahres geworden war.

Ein Facebook-User brachte unter dem Beitrag unserer Zeitung zum Trainerwechsel in Aurich Groothuis sogar für einen Vorstandsposten bei Kickers Emden ins Gespräch. Damit konfrontiert, muss der 69-Jährige schmunzeln. „Schön, dass man mich weiterhin mit Kickers in Verbindung bringt. Aber ich sehe mich eher am und auf dem Platz als als Funktionär.“ Die Trainerkarriere erklärt Groothuis also noch nicht als beendet.

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