Gesundheitssport in der Krise ISV Emden droht eine finanzielle Schieflage
Corona, Energiepreise und Inflation haben ein tiefes Loch in die Kasse des Integrierten Sportverein Emden gerissen. Jetzt sieht sich der Vorstand zum Handeln gezwungen.
Emden - Dem Integrierten Sportverein (ISV) Emden droht eine finanzielle Schieflage. Der Vorstand sehe sich deshalb gezwungen, die Beiträge für die derzeit 3380 Mitglieder vom nächsten Jahr an zu erhöhen, bestätigte ISV-Geschäftsführerin Kerstin Waldeck dieser Zeitung auf Nachfrage. Zugleich hat die Vereinsführung in den sozialen Medien zu Spenden aufgerufen, um die Monate bis zum Ende dieses Jahres überbrücken und sicher überstehen zu können. Aktuell gebe es einen „Engpass“ , heißt es darin.
Laut Waldeck hat der Verein das Jahr 2022 mit einem „dicken Minus“ abgeschlossen. Die Geschäftsführerin begründete diese Entwicklung mit den Folgen der Corona-Pandemie, gestiegenen Energiekosten und den allgemeinen Preissteigerungen. Sie hätten dazu geführt, dass der ISV schon im zweiten Jahr in Folge an die Rücklagen gehen müsse. „Wenn wir jetzt nicht handeln, sind die Reserven Ende 2024 aufgebraucht“, sagte Waldeck.
Zahl der Mitglieder ist um etwa 600 gesunken
Nach ihren Angaben hat der ISV seit der Zeit vor Corona bis heute etwa 600 Mitglieder verloren. „Das fängt man so schnell nicht wieder auf“, sagte die Geschäftsführerin. Der ISV verliere auch viele jüngere Mitglieder an kommerzielle Fitness-Studios.
Laut Waldeck hatte die Vereinsführung zu Beginn dieses Jahres zunächst gehofft, nicht auf den Zug von allgemeinen Preissteigerungen aufspringen zu müssen und ohne Beitragserhöhungen durchs Loch zu kommen. „Wir haben hin- und hergerechnet“, so die Geschäftsführerin. Letztlich habe sich der Verzicht auf Beitragsanpassungen aber als Fehler erwiesen, räumte sie ein.
Mitglieder sollen am Sonntag entscheiden
Der Vorstand zog vor einigen Wochen deshalb die Reißleine. Er setzte deshalb für den kommenden Sonntag eine Mitgliederversammlung an, bei der über die Finanzlage des Vereins berichtet und über eine Beitragserhöhung zum 1. Januar 2024 entschieden werden soll. Dafür reiche eine einfache Mehrheit der anwesenden Mitglieder - vorausgesetzt, die Versammlung ist beschlussfähig.
Die Mitgliederversammlung ist laut Waldeck notwendig, weil die Beiträge nur so schon 2024 angehoben werden können. Hätte der Verein bis zur nächsten Jahreshauptversammlung in den ersten Monaten des Jahres 2024 gewartet, wäre die Erhöhung satzungsgemäß erst 2025 möglich gewesen. Der Vorstand und die Geschäftsführerin betonen, dass es die erste Erhöhung seit Einführung des Euros im Jahr 2002 wäre.
So sollen die Beiträge angehoben werden
Laut dem Vorschlag der Vereinsführung sollen die monatlichen Beiträge für Mitglieder bis 21 Jahre von 5,50 auf 7 Euro und für Mitglieder über 21 Jahre von 8 auf 10 Euro angehoben werden. Die Beiträge für Familien sollen um 4 auf 20 Euro pro Monat angehoben werden. Das Eltern-Kind-Turnen soll künftig 13 statt bisher 10,50 Euro kosten und passive Mitglieder sollen künftig 3 statt 2 Euro bezahlen.
Der 1989 gegründete ISV ist einer der mitgliederstärksten Vereine in Emden. Zu seinen Angeboten gehören Turnen, Fitness, Tanzen, Gesundheits-, Behinderten-, Rehabilitation- und Freizeitsport. Der gemeinnützige Verein verfügt seit 2002 über eine eigene Anlage mit mehreren Hallen, Gymnastik- und Psychomotorikräumen. Er beschäftigt auch hauptamtliche Trainerinnen.