Berlin  Umfrage zeigt: Mehrheit für umweltfreundliche Wirtschaft – aber Sorgen vor Folgen

Henry Borgelt
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Von Henry Borgelt
| 22.08.2023 07:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Windräder sind ein Sinnbild für die umweltfreundlichere Umstrukturierung der Wirtschaft. Foto: dpa | Patrick Pleul
Windräder sind ein Sinnbild für die umweltfreundlichere Umstrukturierung der Wirtschaft. Foto: dpa | Patrick Pleul
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Eine Studie des Umweltbundesamts zeigt: Klimaschutz ist weiterhin ein bestimmendes Thema in der Bevölkerung. Sehr viele Menschen sind für einen grünen Umbau der Wirtschaft – mit einer Einschränkung.

Die große Mehrheit der Deutschen befürwortet mehr Anstrengungen beim Klimaschutz. Eine repräsentative Umfrage des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts (UBA) zeigt: Auch einen umweltfreundlichen Umbau der Wirtschaft unterstützen 91 Prozent der Befragten.

Dabei gibt es aber klare Einschränkungen und Bedingungen, die die Befragten daran knüpfen.

Die Umfrage befasst sich vornehmlich mit Umweltthematiken. So geben 62 Prozent der Befragten an, dass sie empört sind, angesichts der menschengemachten Umweltprobleme. Dazu zählen sie vor allem die Abholzung der Wälder und die Plastikverschmutzung der Meere.

Viele Menschen kritisieren das Verhalten in der Wegwerfgesellschaft. Dazu kommen immer stärkere Bedenken, dass der Klimawandel auch die eigene Gesundheit beeinträchtigt. 73 Prozent der Befragten glauben, dass die Folgen des Klimawandels ihrer Gesundheit stark oder äußerst stark gefährden könnten.

Viele Befragte sehen als wichtige politische Aufgaben an, die Plastikproduktion und Wegwerfmaterialien zu reduzieren, sowie Ökosysteme wie Wälder und Moore zu schützen

Als nötige Konsequenz aus den Folgen des Klimawandels ziehen viele der Befragten den Schluss, dass eine umweltfreundlichere Wirtschaft nötig sei. 91 Prozent der Befragten befürworten einen solchen ökologischen Umbau der Wirtschaft.

Dabei werden vor allem an die Politik Erwartungen und Forderungen gestellt. Eine große Mehrheit erwartet finanzielle Unterstützung von Branchen, Betrieben und betroffenen Regionen. 50 Prozent der Befragten wären sogar bereit, sich persönlich weiterzubilden, um diese Veränderungen durchzusetzen und mitzutragen.

In der gesamten Bevölkerung gibt es aber große Bedenken, was soziale Konflikte und den allgemeinen Wohlstand angeht. 72 Prozent der Befragten erwarten, dass gesellschaftliche Konflikte im Zuge eines ökologischen Umbaus der Wirtschaft zunehmen werden, 39 Prozent aller Befragten haben Angst, vor einem sozialen Abstieg als direkte Folge eines klimafreundlichen Wirtschaftsumbaus.

„Trotz großer Zustimmung zum ökologischen Wirtschaftsumbau bekunden Mehrheiten der Befragten negative Erwartungen bezüglich der Effekte dieses Strukturwandels auf den Wohlstand und die soziale Gerechtigkeit. Das muss uns zu denken geben“, erklärt Stefan Zundel, Professor der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Auch im Norden sehen die Menschen Handlungsbedarf. Eine gewichtete Umfrage des „NDR“ zeigt, dass die Mehrheit der Norddeutschen die ergriffenen Maßnahmen gegen den Klimawandel als nicht ausreichend ansieht.

Zudem beklagen viele Norddeutsche, sie sehen sich nicht ausreichend über Umweltschutzmaßnahmen in ihrer Region informiert. Demnach wissen 56 Prozent der Befragten der NDR-Umfrage, ob Klimaanpassungen gegen Hitze, Hochwasser und Stürme umgesetzt werden.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke sagt zu den Forderungen nach politischer Führung: „Gegen die weltweite Plastikvermüllung wollen wir international bis 2024 ein rechtlich verbindliches Abkommen erreichen. National habe ich bereits ein Gesetz vorgestellt, das überflüssige Verpackungen vermeiden und ökologisch vorteilhafte Mehrwegverpackungen stärken soll – unter anderem durch verbesserte Rückgabemöglichkeiten für Mehrwegflaschen und ein größeres Mehrwegangebot für To-Go-Verpackungen.“

Dennoch sinkt die Relevanz der Umweltthematik im Vergleich zu anderen Krisen. So sind die Zustände von Gesundheits- und Bildungssystem mit 67 und 66 Prozent noch wichtigere Probleme für die Befragten. Auch Krieg, soziale Gerechtigkeit und Terrorismus sind für 57 Prozent der Befragten wichtige Themen und stehen somit ebenfalls vor dem Umweltschutz, der für 57 Prozent der Bevölkerung ein wichtiges Thema ist.

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