ID.7 im Emder VW-Werk Die neuen Stromer – zum Erfolg verdammt
Nach der Absatzflaute für den ID.4 soll nun mit dem ID.7 für das Emder Werk alles besser werden. Bloß wie?
Emden - Wie nervös man derzeit in Wolfsburg auf die volantilen Märkte in der Elektromobilität blickt, lässt sich vielleicht am besten an der kurzen Rede des VW-Markenchefs ablesen. „Mit dem Prinzip Hoffnung allein wird die Transformation sicher nicht gelingen“, sagte Thomas Schäfer am Montag beim offiziellen Produktionsstart des ID.7 in Emden. Die Politik müsse für wettbewerbsfähige Strompreise und über konkrete Kaufanreize für private und gewerbliche Kunden nachdenken. „Dafür brauchen wir Entscheidungen – und zwar jetzt“, sagte Schäfer. Auch bei der Ladeinfrastruktur sei man noch nicht am Ziel. Konzernspitze und Betriebsrat sind sich in dieser Hinsicht übrigens ziemlich einig.
Da waren sie also wieder, die drei Gründe, sich bei aller Liebe zur Umwelt noch kein E-Auto zu kaufen: zu teuer bei der Anschaffung, zu unklar die laufenden Kosten, zu unüberschaubar das Angebot beim Tanken. Und da war er auch wieder, der Vorwurf, an allem müsse wohl irgendwie die Politik schuld sein.
Debatte um Strompreis
Obwohl vielleicht befürchtet, aber sicher nicht von vornherein eingeplant, musste sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bei der bunten Feier in Emden dann doch wieder mit dem grauen Polit-Alltag herumplagen – obwohl seine Haltung eigentlich bekannt ist.
In der Regierungskoalition macht die SPD derzeit Druck, einen günstigeren Industriestrompreis einzuführen. Eine solche staatlich finanzierte Preissenkung hatte der Bundeskanzler und Sozialdemokrat Olaf Scholz zuletzt abgelehnt wie zuvor schon Finanzminister Christian Lindner und seine FDP.
Weil hofft nun auf ein Umdenken von Scholz. „Das letzte Wort in dieser Sache ist nicht gesprochen. Das wird eine besonders wichtige Diskussion in diesem Herbst“, sagte Weil der „Welt am Sonntag“. „Die Unternehmen aus der energieintensiven Industrie sagen alle, wenn der Strompreis so hoch bleibt, kann es nicht gehen. Da droht ein Substanzverlust, und eine Industrie, die weggeht, kommt nicht wieder. Eine Deindustrialisierung kann sich dieses Land nicht leisten.“
Debatte um Kaufprämie
Schon zuvor hatte der niedersächsische Ministerpräsident für weitere staatliche Anreize zum Kauf von Elektrofahrzeugen und für die Fortführung des sogenannten Dienstwagenprivilegs plädiert. Im Bund, der zum Beispiel solch eine wieder höhere Kaufprämie finanzieren müsste, dürfte dieses Begehren aus dem Autoland Niedersachsen nicht auf besonders große Begeisterung stoßen.
Der Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff (SPD, Pewsum), Parlamentatischer Staatssekretär bei der Bundesinnenministerin und am Montag ebenfalls Gast im VW-Werk, sagte unserer Zeitung: „Alles, was den Umsatz erhöht, hilft“ – und verwies im gleichen Atemzug auf die „schwierige Haushaltssituation“ im Bund. Wer sich die dortige Debatte über die Finanzen anschaut, sollte wohl nicht auf Milliarden für die Autoindustrie hoffen.
Debatte um Zukunft des Standorts
Der Landtagsabgeordnete Ulf Thiele (CDU, Filsum) muss sich als Oppositionspolitiker nicht so vorsichtig ausdrücken wie sein Duz-Kollege Saathoff. Thiele, am Montag ebenfalls bei VW, ist kein Freund staatlicher Subventionen, hielt aber schon vor Monaten eine weitere kurzfristige Prämie für in Ordnung. Nur müsse solch eine Entscheidung schnell getroffen werden, um die Verunsicherung der Kunden zu beenden.
Wie ernst die Lage eingeschätzt wird, ist auch den Betriebsräten bewusst, die bei VW traditionell enger als andernorts mit dem Management im Gespräch sind. Gegenüber unserer Redaktion verwies der Emder Betriebsratschef Manfred Wulff zwar auf die Beschäftigungsgarantie bis 2029, machte sich aber auch keine Illusionen darüber, dass das Werk in Emden langfristig nicht mehr so viele Menschen beschäftigen wird wie zurzeit. Das liege aber an der Automatisierung, so Wulff, nicht an den E-Autos. Und Kollegin Daniela Cavallo aus Wolfsburg in Zweckoptimismus: „Der ID.7 als Limousine made in Emden schließt mit seinen Passat-Genen eine wichtige Lücke in unserem Elektroangebot und wird einschlagen – davon bin ich überzeugt.“