Rücksichtslosigkeit im Fischerdorf Diskussion um Fahrrad-Chaos in Greetsiel flammt auf
Bei Facebook regen sich einige Nutzer über das Verhalten von Radfahrern im Greetsieler Ortskern auf. Was sagt der Ortsvorsteher dazu?
Greetsiel - Wer in letzter Zeit einmal mit dem Auto in die Greetsieler Mühlenstraße gefahren ist, hat es sicherlich vor Augen: Jede Menge Fußgänger und Radfahrer, die kreuz und quer auf der Straße laufen beziehungsweise fahren und sich offenbar nicht an die Regeln halten. Das sorgt bei einigen für Unmut. In einer Greetsiel-Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook ist es zu einer langen Diskussion zwischen mehreren Nutzerinnen und Nutzern gekommen, weil eine Nutzerin forderte, die Radfahrer sollten im Ortskern lieber absteigen und ihr Fahrrad schieben.
Was und warum
Darum geht es: das Fahrrad-Chaos in Greetsiel
Vor allem interessant für: alle, die aus Greetsiel kommen oder dort gern mit dem Fahrrad hinfahren
Deshalb berichten wir: In einer Facebook-Gruppe hatten wir die Diskussion entdeckt und dann den Ortsvorsteher gefragt, wie er die Lage einschätzt. Die Autorin erreichen Sie unter: h.weiden@zgo.de
Sie schreibt: „Es fahren sehr viele rücksichtslose Radfahrer zwischen den Fußgängern rum. Ich habe mehrere kritische Situationen mit kleinen Kindern beziehungsweise Hunden erlebt. Meiner Meinung nach sollten die Radfahrer ihre Räder durch den Ortskern schieben, zumindest um den Hafen herum.“ Dieser Beitrag hat mittlerweile über 160 Gefällt-mir-Angaben und an die 50 Kommentare. Manche Nutzer unterstützen die Forderung, andere ärgern sich darüber.
Parken wird zum Problem
„Ich bin der Meinung im kleinen Ortskern von Greetsiel sollte es auch für Radfahrer ein Fahrverbot geben.“ Oder: „Vielleicht sollten die Fußgänger auch nicht wahllos überall laufen ... Es ist und bleibt keine Fußgänger Zone ... Wir Radfahrer klingen mittlerweile durchgehend und werden dann noch angemacht ...“
Was sagen die Greetsieler zu dem Problem? „Normalerweise wäre das kein Problem, wenn sich alle an die Regeln halten würden“, sagt Greetsiels Ortsvorsteher Gerd Wellbrock im Gespräch mit dieser Zeitung. Auch er beobachtet, dass es im Ortskern nicht selten zu Chaos kommt. Dabei spricht er aber nicht nur vom eigentlichen Fahren, sondern vor allem vom Parken der Fahrräder. „Es gibt ja jetzt die neuen Radfahr-Parkplätze, und die sind leider nicht so frequentiert, wie man sich das wünschen würde.“
Angebot wird nicht von jedem genutzt
Viele Radfahrer stellen ihre Fahrräder demnach lieber beim Marktplatz und am Hafen ab, statt bei den dafür vorgesehenen Parkplätzen. Er habe auch schon den ein oder anderen darauf angesprochen - oft hätte die Antwort gelautet, dass das Fahrrad zu teuer sei und man es deshalb besser im Blick behalten wolle.
Um besser auf Fahrradfahrer eingestellt zu sein, hatte die Krummhörner Touristik im vergangenen Oktober neue Fahrradständer und -abstellplätze an zwei Stellen rund um den Ortskern aufgebaut. Zu finden sind sie an den Zwillingsmühlen und am Sielplatz. Jeder Platz bietet laut Touristik Raum für rund 100 Fahrräder. Rund 100 Hinweisschilder habe die Touristik aufgestellt, um auf das neue Angebot hinzuweisen, hieß es dazu damals. Nicht jeder Radfahrer werde das Angebot nutzen und man werde „wohl auch zukünftig nicht verhindern können, dass Radfahrer im Hafenbereich oder im Ortskern ihr Rad abstellen“, sagte Wolfgang Lübben von der Touristik dazu im Mai gegenüber dieser Zeitung. Daran hat sich laut Gerd Wellbrock bisher auch noch nichts geändert.
Aufs Miteinander achten
In der Diskussion bei Facebook gab es auch einige Kommentare, die auf die Fußgänger anspielten. Eine Nutzerin schreibt: „Wir sind jedes Jahr zwei Mal in Greetsiel und wenn man ehrlich ist, läuft man als Fußgänger ständig auf der Straße. Fällt mir dann selber auf, wenn ein Radfahrer meckert. Und ich muss sagen, er hat recht. Es gibt ja eigentlich überall Gehwege, die nutzt nur keiner.“ Ein anderer Nutzer schreibt: „Hier in Greetsiel ist Radfahren nun mal erlaubt und man sollte gegenseitig Rücksicht nehmen. Ist das so schwer? Fußgänger meinen, die ganze Straße gehört ihnen. Es gibt Menschen, die sind nun mal nicht mehr gut zu Fuß und können besser mit dem Fahrrad fahren.“
Auch Gerd Wellbrock berichtet von solchen Erfahrungen: „Es sind immer jede Menge Leute unterwegs, viele schauen auf ihr Handy. Durch den Ortskern fahre ich mit dem Fahrrad schon länger nicht mehr.“ Er würde wie viele Einheimische den Ortskern nach Möglichkeit umfahren.
Generell nahm die Diskussion bei Facebook schnell einen scharfen Ton an, bei dem zwischen Gästen und Einheimischen unterschieden wurde. Eine Nutzerin schreibt: „Habt ihr Gäste nichts anderes zu tun, als den hier Einheimischen Vorschriften zu machen? Genießt euren Urlaub und haltet euch an die Regeln. Wir kommen auch nicht woanders hin und wollen alles ändern.“ Zwar beobachtet auch Wellbrock, dass es sich bei den „Falschparkern“ primär um Touristen handelt. Trotzdem appelliert er für friedliche Lösungen: „Es ist doch ein Miteinander. Fußgänger und Radfahrer sollten einfach achtsam miteinander umgehen.“
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