Recycling Die Mini-Batterie im Hausmüll kann Leben gefährden
Lithiumhaltige Akkus und Batterien werden immer häufiger falsch entsorgt - auch in Aurich. Warum ist das gefährlich und was plant der Landkreis dagegen zu unternehmen?
Aurich - Sie sind in Fotoapparaten und Fernbedienungen, in Bohrmaschinen und Laptops, aber auch in Defibrillatoren und Thermometern: Lithium-Ionen-Batterien und Akkus. Viele Alltagsgeräte funktionieren inzwischen mit diesen Stromquellen.
Über acht Jahre hinweg stieg der Import nach Deutschland von lithiumhaltigen Akkus und Batterien stark an – laut der Deutschen Presseagentur um mehr als 900 Prozent auf über 93.000 Tonnen. Und nach dem Kauf folgt dann logischerweise irgendwann die Entsorgung. Und wenn die nicht richtig abläuft, birgt das viele Gefahren.
Für Abfallwirtschaftsbetriebe deutschlandweit wird das jetzt zum Problem. Oftmals werden die Akkus und Batterien nämlich falsch entsorgt: Sie werden einfach in den Hausmüll geworfen – auch weil nicht immer erkenntlich ist, wo überall Lithium enthalten ist. Beispielsweise enthalten Einweg-E-Zigaretten eben solche Batterien, genauso wie Grußkarten mit Minilautsprechern und leuchtende Schuhe.
Was ist eigentlich Lithium?
Akkus als Gefahrenquelle
Fast jede Woche werde durch diese falsche Entsorgung mittlerweile ein Brand in der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) in Großefehn entfacht, sagt Yves Knoblich. Die Tendenz sei klar steigend.
Die Folgen solcher Brände: Verlust von Wertstoffen, Sachschäden und im schlimmsten Fall Personenschäden. Batterien und Akkus enthalten giftige Stoffe wie Quecksilber, Cadmium und Blei. „Mit der richtigen Entsorgung wird verhindert, dass giftige Schwermetalle in die Umwelt gelangen und dann beispielsweise in der Luft oder im Grundwasser wieder auftauchen. Gelangen diese Stoffe über die Nahrungskette in den menschlichen Körper, kann das schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.“, warnt Yves Knoblich. Neben den Sachschäden, die falsch entsorgte Batterien und Akkus verursachen, bestehe für die Mitarbeiter der Entsorgungswirtschaft Lebensgefahr.
Möglichkeit der Rückgewinnung
Was noch für eine richtige Entsorgung spricht: Die Energiespeicher enthalten wichtige Wertstoffe, die recycelt werden können. Dazu zählen Stahl, Zink, Aluminium, Silber und viele mehr. Teilweise können dank neuer Methoden inzwischen bis zu 96 Prozent der enthaltenen Rohstoffe zurückgewonnen werden. Auch für Lithium besteht die Möglichkeit der Rückgewinnung.
Altbatterien und Akkus können fast überall kostenfrei abgegeben werden. Als einfache Regel gilt hier, dass überall dort, wo Batterien verkauft werden, diese auch zurückgegeben werden müssen. Dies trifft also beispielsweise auf annähernd sämtliche Super-, Drogerie-, Elektro- oder Baumärkte zu. Außerdem nehmen auch alle Wertstoffhöfe im Landkreis Aurich alte Batterien und Akkus an.
Für Fahrzeug- und Industriebatterien, wie sie in kleineren Größen beispielsweise für E-Fahrzeuge, E-Bikes und zur Speicherung erneuerbarer Energien benötigt werden, sowie für herkömmliche Autobatterien sind Hersteller und Vertreiber gesetzlich zur Rücknahme verpflichtet. Die Entsorgung von Batterien und Akkus über die Abfallbehälter des Hausmülls ist grundsätzlich verboten.
Welche Maßnahmen gibt es?
Um das Problem in Ostfriesland zu minimieren, soll zum einen das Bewusstsein gestärkt werden, wo Akkus und Batterien gesammelt werden. Das soll durch Aufkleber und mehr Präsens der Sammelstellen erreicht werden. Zum anderen sollte auch es auch besser erkennbar sein, wo überall Lithium enthalten ist. Schließlich gibt es bisher keine einheitliche Kennzeichnung – wobei das nicht nur ein ostfriesisches, sondern ein bundesweites Problem ist.
Der BDE fordert außerdem eine Einführung eines Pfandsystems für bestimmte Batterien. Der Verbandspräsident Peter Kurth schrieb dazu in einer Pressemitteilung: „Ohne Pfand werden Batterien auch weiterhin über den Restmüll unsachgemäß entsorgt und verschaffen so der deutschen Entsorgungswirtschaft das größte Brandrisiko.“