„Fremantle Highway“  War tatsächlich ein E-Auto die Brandursache?

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 16.08.2023 20:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die „Fremantle Highway“ legt am 3. August in Eemshaven an. Dort soll unter anderem die Ursache für das Feuer an Bord des Autofrachters geklärt werden. Foto: ANP/Imago Images
Die „Fremantle Highway“ legt am 3. August in Eemshaven an. Dort soll unter anderem die Ursache für das Feuer an Bord des Autofrachters geklärt werden. Foto: ANP/Imago Images
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Schon kurz nach Ausbruch des Feuers auf der „Fremantle Highway“ hieß es, ein Elektroauto könnte die Ursache gewesen sein. Während die Sache zum Politikum wird, gibt es Zweifel an dieser Theorie.

Eemshaven - Während Mitarbeiter von Versicherungsunternehmen den ausgebrannten Autofrachter „Fremantle Highway“ in Eemshaven untersuchen, gibt es neue Spekulationen um die mögliche Ursache für das Feuer, das in der Nacht auf den 26. Juli ausgebrochen war. Das Schiff fuhr zu diesem Zeitpunkt knapp 30 Kilometer vor der niederländischen Wattenmeerinsel Ameland. Ein Mitglied der Besatzung starb während der Evakuierung des Frachters, weitere der insgesamt 23 Crewmitglieder wurden verletzt. Aber war es tatsächlich eines der Elektroautos, welche die „Fremantle Highway“ geladen hatte, von dem sich die Flammen über mehrere Decks des Schiffs ausbreiteten? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Warum heißt es, die E-Autos seien die Brandursache?

Fest steht – und das haben die verantwortlichen Behörden und auch die japanische Reederei Kawasaki Kisen Kaisha (K Line), die den Frachter gechartet hat, immer wieder betont: Die Ursache für das Feuer auf der „Fremantle Highway“ ist bisher unbekannt, entsprechende Untersuchungen laufen. Am Tag nach dem Unglück hatte die niederländische Küstenwache allerdings mitgeteilt, die Ursache sei nach ersten Informationen womöglich die Batterie eines Elektroautos. Grundlage für diese Einschätzung dürfte der Funkverkehr während der Unglücksnacht sein: In Ausschnitten, die das Onlineportal „RTL Nieuws“ am 27. Juli veröffentlicht hatte, ist zu hören, wie eines der E-Autos an Bord als Brandquelle ausgemacht wird. „So wie es aussieht, ist auch ein elektrisches Auto explodiert“, hieß es in einem Funkspruch weiter.

Doch wie unübersichtlich die Lage in der Unglücksnacht war, zeigt Folgendes: Direkt nach der Havarie hatte die Küstenwache zunächst von 25 Elektroautos geschrieben, die sich auf der „Fremantle Highway“ befinden sollen – und auch diese Information scheint über Funk direkt vom Schiff gekommen zu sein. Tags darauf korrigierte die Reederei K Line die Anzahl jedoch deutlich nach oben: Nicht 25, sondern 498 der insgesamt knapp 3700 Fahrzeuge an Bord des Frachters seien E-Autos, hieß es aus Tokio.

Warum gibt es nun Zweifel an einem E-Auto als Brandursache?

Nachdem das Feuer auf der „Fremantle Highway“ erloschen war, konnte das Schiff am 3. August nach Eemshaven geschleppt werden, wo Experten von Bergungsunternehmen und Versicherungen es seither in Augenschein nehmen. Hierbei wurde bereits deutlich, dass die vier unteren Decks des Schiffs von den Flammen weitgehend verschont wurden, wie die Experten Ende vergangener Woche mitteilten. Von den knapp 3800 Autos an Bord seien 2700 komplett zerstört, hieß es. Etwa 1000 Fahrzeuge auf den unteren Decks seien jedoch noch in einem relativ guten Zustand – und darunter seien 500 elektrische Autos, sagte Peter Berdowski, Chef des Bergungsunternehmens Boskalis.

Das Feuer an Bord der „Fremantle Highway“ breitete sich in der Unglücksnacht vor allem auf den oberen Decks des Frachters aus, wie auch dieses mit einer Wärmebildkamera aufgenommene Foto der niederländischen Küstenwache zeigt. Foto: Küstenwache
Das Feuer an Bord der „Fremantle Highway“ breitete sich in der Unglücksnacht vor allem auf den oberen Decks des Frachters aus, wie auch dieses mit einer Wärmebildkamera aufgenommene Foto der niederländischen Küstenwache zeigt. Foto: Küstenwache

Wer es kurz überschlägt, kommt zu dem Ergebnis: Wenn alle 500 E-Autos auf den Decks stehen, die noch intakt sind, kann doch wohl keines davon als Brandquelle infrage kommen. Auch Medien griffen das Thema auf. So titelte das französische Fachmagazin „Auto Moto“ im Internet: „Feuer auf der Fremantle Highway: Kommen Elektroautos endlich nicht mehr infrage?“ Und auch „Heise Online“ schrieb: „Decks mit Elektroautos der Fremantle Highway nicht ausgebrannt“. Doch ganz so einfach ist es nicht, den Verdacht von den Elektroautos abzulenken.

Warum wird so hitzig über die E-Autos als mögliche Brandursache diskutiert?

Schon länger gibt es eine Debatte über eine mögliche erhöhte Brandgefahr bei E-Autos gegenüber Verbrennern. Die Prüfgesellschaft Dekra schreibt hierzu: „Fahrzeugbrände an Elektro- oder Hybridfahrzeugen kommen zwar nicht unbedingt häufiger vor als bei konventionell angetriebenen Fahrzeugen. Wenn aber die Lithium-Ionen-Batterie eines solchen Fahrzeugs brennt, kann das die Feuerwehren aktuell vor große Herausforderungen stellen.“ So werden die E-Autos auch für Reedereien und Autohersteller zum Problem, die ihre Fahrzeuge eng an eng auf den knapp 200 Meter langen Car Carriern transportieren, wie auch die „Fremantle Highway“ einer ist. Wenn dort ein Feuer an einem E-Auto ausbricht, gestaltet sich das Löschen mit den bisherigen Systemen schwierig.

Doch auf der „Fremantle Highway“ ist weiterhin unklar, ob ein Elektroauto überhaupt Brandursache war. Die Spekulationen nach dem Unglück reichten aber bereits aus, um die Sache zum Politikum zu machen: „E-Autos sind Gefahrgut und müssen als solches behandelt werden“, schrieb etwa der AfD-Politiker und ehemalige Bundestagsabgeordnete Andreas Mrosek bei X – und erntete dafür in dem Onlinedienst, der bis vor kurzem noch Twitter hieß, deutliche Kritik. Denn als er seinen Beitrag absetzte, kursierte bereits die Nachricht, dass die 500 E-Autos auf der „Fremantle Highway“ noch intakt sein sollen. Diese wiederum nutzten Befürworter der Elektromobilität: „Nach dem Brand auf dem Autofrachtschiff (...) wurde praktisch von allen Medien vorschnell ein Elektroauto als Verursacher ausgemacht. Nun zeigt sich: Das stimmt offenbar nicht“, schrieb der Branchendienst „electrive.net“.

Was könnte den nun wirklich die Brandursache gewesen sein?

Weiterhin gilt: Die Ursache für das verheerende Feuer auf der „Fremantle Highway“ ist unklar. Aus dem Rennen sind die E-Autos hierbei aber offenbar nicht – trotz der Jubelrufe aus der Elektromobilitätsbranche. Denn es sei nicht auszuschließen, dass unter den 500 elektrischen Autos, die Berdowski erwähnte, auch Hybrid-Fahrzeuge seien, berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP. „Flows“, ein in Belgien ansässiges Nachrichtenportal für das Thema Schifffahrt, berichtete, dass sich an Bord der „Fremantle Highway“ neben den 498 rein elektrischen Autos höchstwahrscheinlich auch eine bisher unbekannte Anzahl an Hybridautos befindet. Wenn dem so ist, könnten auf den oberen Decks, auf denen die Flammen gewütet hatten, also ebenfalls Elektroautos oder Hybride gestanden haben, die dann als Brandquelle gedient haben könnten. Klarheit wird allerdings wohl erst das Ergebnis der Untersuchung bringen.

Mit Material von DPA

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