Osnabrück  Wo können Rentner am besten 100.000 Euro anlegen? So sicher sind Aktien, Fonds, Tagesgeld

Stefanie Witte
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Von Stefanie Witte
| 20.08.2023 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Viele sind von zahllosen Anlagemöglichkeiten überfordert und parken ihr Geld auf dem Sparbuch. Doch das lohnt sich nie. Foto: Imago Images/Lobeca/Ralf Homburg
Viele sind von zahllosen Anlagemöglichkeiten überfordert und parken ihr Geld auf dem Sparbuch. Doch das lohnt sich nie. Foto: Imago Images/Lobeca/Ralf Homburg
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Geld auf der hohen Kante, aber überfordert von zu vielen Angeboten? Ein Experte, der unter anderem für die Verbraucherzentrale tätig ist, klärt über Geldanlage-Möglichkeiten auf.

Wie legt man 100.000 Euro effektiv, aber sicher an? Ein Rentner aus dem Norden will dieses Geld sicher anlegen, gleichzeitig aber auch nicht auf Zinsen verzichten. Ein Besuch bei der Bank, so schildert er, habe nicht geholfen. Zuletzt hatte der 74-Jährige das Geld für kurze Zeit im EU-Ausland angelegt. Aber ob das eine gute Idee ist? „Ich fühle mich in diesem Dschungel überfordert”, gibt der Mann zu. „Ich möchte mein Geld nicht risikoreich anlegen, dazu bin ich zu alt.” An die Inflation verlieren will er es aber auch nicht.

Wegen der hohen Summe möchte der Rentner anonym bleiben. Sein Name ist unserer Redaktion bekannt. So wie ihn gibt es viele, die gespart haben oder zum Renteneintritt Geld ausbezahlt bekommen. Was tun, damit der Wert erhalten bleibt?

Mathias Paulinyi berät zu genau diesen Fragen. Er ist Honorar-Finanzanlagenberater, unter anderem für die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Grundsätzlich, sagt Paulinyi, gebe es bei der Geldanlage drei Dimensionen:

Maximal zwei Punkte können laut Paulinyi gleichzeitig erfüllt sein. Also: Wer hohe Zinsen will, muss ein höheres Risiko eingehen. Besonders sicher angelegtes Geld ist dagegen nicht unbedingt jederzeit verfügbar.

Wir haben die gängigsten Anlageformen mit ihm durchdekliniert:

Am schnellsten lässt sich das gute, alte Sparbuch abhaken: „Das war nie interessant und wird auch nie interessant werden. Warum sollte man sich mit 0,1 Prozent zufriedengeben, wenn man schon beim Tagesgeld bei derzeit mindestens zwei Prozent Zinsen die gleiche Sicherheit hat?”, fragt Paulinyi.

Banken und Versicherungen raten häufig zu Fonds. Das ist eine Art Topf, in den viel Geld eingezahlt wird, das wiederum investiert wird – etwa in Immobilien oder Aktien. Ist es nicht sinnvoll, sein Geld einem Institut anzuvertrauen, das sich mit Geldanlage beschäftigt?

Paulinyi rät ab: „Es ist das älteste Ammenmärchen der Finanzindustrie, dass aktives Fondsmanagement besser sei als passives Investieren. Die Story hört sich immer ganz toll an: Da sitzt jemand, dem ich vertraue und mein Geld gebe. Nur ist der Fondsmanager in den allermeisten Fällen nicht erfolgreicher, als der Aktienmarkt selbst.”

Laut Studien schnitten 98 Prozent der Fondsmanager schlechter ab, als eine passive Geldanlage wie ein ETF auf den MSCI World. (Dazu mehr unter dem Abschnitt zu Aktien.)

Neben dem mangelnden Erfolg nagen hohe Provisionen am Ertrag. „Und selbst bei provisionsfreien Rentenversicherungen muss man die Lebenserwartung einer Schildkröte haben”, sagt Paulinyi. Solche Produkte basierten auf einem Vertrauensvorschuss. Schließlich zeige sich meist erst dreißig, vierzig Jahre später, was unterm Strich wirklich übrig bleibt.

Beim Festgeld wird eine Summe bei einer Bank angelegt – für einen festgelegten Zeitraum und zu einem festen Zins. Den kann man sich dann entweder am Ende oder als Rentner kontinuierlich auszahlen lassen.

Wer beispielsweise 100.000 Euro über zehn Jahre nach und nach ausgeben möchte, dem rät Paulinyi zu einem sogenannten Auszahlplan auf Festgeld. Laut Paulinyi kann man aktuell mit etwa 3,8 bis 4 Prozent Zinsen rechnen. Über zehn Jahre könne man sich auf der Basis monatlich 970 Euro auszahlen lassen, davon 19.000 Euro Zinsen.

Wer jederzeit spontan auf sein Geld zugreifen will, aber Zinsen mitnehmen will, kann es als Tagesgeld auf einem entsprechenden Konto anlegen. Um hier die besten Angebote zu finden, empfiehlt Paulinyi online zu vergleichen, etwa auf kritische-anleger.de.

Lohnt es sich, für höhere Zinsen Geld ins europäische Ausland umzubuchen? Paulinyi rät ab: Grundsätzlich gelte zwar die EU-weite Einlagensicherung. Aber: „Bei finanziell schwächeren Ländern wäre ich vorsichtig. Sollte es zu einem Crash kommen, wäre ich hierzulande sicherer, dass das Geld bis 100.000 Euro auch wirklich ausgezahlt wird.” Damit die Einlagensicherung greift, rät er, das Geld bei mehr als 100.000 Euro auf mehrere Banken zu verteilen.

Dazu kommt: „Selbst wenn Zinskonditionen im Ausland besser sind, muss ich dann eine Steuererklärung mit der Anlage KAP machen.” In Deutschland werde die sogenannte Kapitalertragssteuer dagegen automatisch mit abgeführt. „Wer Gewinne aus dem Ausland nicht beim Finanzamt meldet, riskiert, Steuern zu hinterziehen”, warnt Paulinyi.

Viele Sparer, so auch der 74-Jährige, haben kein gutes Gefühl gegenüber Aktien. Manche haben in die Telekom-Aktie investiert und ihren Absturz vor einigen Jahren miterlebt. „Aber eine Telekom-Aktie ist nicht das gleiche wie ein ETF, also ein Indexfonds, der einen Index wie den DAX oder MSCI World abbildet. Da wäre die Telekom eine von 1600 Aktien – und ihr Absturz hätte sich fast gar nicht ausgewirkt”, sagt Paulinyi. „Wichtig ist, sich breit aufzustellen und einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren zu haben.”

Der Aktienmarkt sei weniger mit einer Treppe vergleichbar, wo es wie beim Fest- oder Tagesgeld kontinuierlich nach oben gehe. Stattdessen gleiche der Markt einer Achterbahnfahrt. Mal gehe es rasant nach oben, dann wieder nach unten. Im Schnitt könne man jedoch Erträge von fünf bis sieben Prozent erwarten.

Dabei sei es wichtig, Kosten zu minimieren und kein Depot bei einer Bank zu eröffnen, die hohe Gebühren verlangt. Paulinyi empfiehlt Online-Depots. „Wer da Berührungsängste hat, kann sich vielleicht an Enkel wenden”, rät er.

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