Berlin Betrunken E-Scooter fahren: So schwer verletzten sich die Fahrer
Manche sehen in E-Scootern das perfekte Verkehrsmittel für die Kurzstrecke, andere sehen die Roller hauptsächlich in Flüssen und Beeten liegen. Neue Studien werfen jetzt ein Licht auf die hohe Verletzungsgefahr, der sich E-Roller-Fahrer aussetzen.
Es war eines der Prestigeprojekte des ehemaligen Verkehrsministers Andreas Scheuer (CSU): der E-Scooter. Doch vier Jahre nach der Zulassung der Elektro-Flitzer ist ihr Image in der Bevölkerung angekratzt. Zusätzlich zu der durchwachsenen Beliebtheit bestärkt eine neue Studie von „scientific reports“ Fragen zur Verkehrssicherheit der E-Roller.
Die Studie thematisiert konkret die Art der Verletzungen, die nach einem Unfall mit einem E-Scooter auftraten. Dabei wird auch auf Faktoren wie der Alkoholgehalt im Blut des Fahrers und Sicherheitsmaßnahmen, wie das Tragen eines Helmes, eingegangen.
Es wurden Patientendaten von E-Scooter-Fahrern betrachtet, die zwischen Juni 2019 und Dezember 2021 in ein anonymisiertes, städtisches deutsches Krankenhaus eingeliefert wurden.
Die Studie betrachtet insgesamt 268 Patienten, von denen 57 Prozent männlich sind. Das mittlere Alter der verunfallten E-Scooter-Fahrer liegt bei ungefähr 30 Jahren.
Auffällig dabei: Bei 58 Prozent der Unfälle kam es zu einer Kopfverletzung. Stand der Fahrer unter Alkoholeinfluss, kam es in 84 Prozent der Unfälle zu einer Verletzung am Kopf. Betrunken E-Scooter fahren und verunfallen – das passiert laut den Daten eher am Wochenende und resultiert öfter in einem Abtransport per Krankenwagen.
Die Studie erfasste auch sieben Menschen, die zu Fuß über einen geparkten E-Roller stolperten. Die Fußgänger waren mit einem mittleren Alter von 61 Jahren sehr viel älter als die meisten E-Scooter-Fahrer und mussten in 69 Prozent der Fälle mit einem Krankenwagen in ein Krankenhaus gebracht werden. In Braunschweig starb ein Rentner im Juni, nachdem er über einen E-Roller gestolpert war. Um Stolperunfälle zu vermeiden, arbeitet beispielsweise die Stadtreinigung in Hamburg daran, die E-Scooter aufzuräumen.
Um Verletzungen, Unfälle und Blockaden der Gehwege zu reduzieren, empfehlen die Forscher einige konkrete Maßnahmen: gekennzeichnete Parkflächen für E-Scooter, mehr und effektivere Alkoholkontrollen für Fahrer und eine Empfehlung für das Tragen von Helmen. So könne womöglich die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Elektroroller gesteigert werden.
Die wachsende Unzufriedenheit belegt eine deutschlandweite Umfrage des ADAC aus dem Jahr 2022. Demnach sehen 30 Prozent der Befragten das Image der E-Roller als negativ an. Drei Viertel der Bevölkerung habe zudem noch nie einen E-Scooter genutzt.
Die Umfrage des ADAC gibt auch Antworten auf die Frage nach der Helmnutzung und Helmpflicht. So trägt laut dieser Umfrage etwa nur ein Drittel der Fahrer einen Helm.
Eine potenzielle Helmpflicht, wie sie die Forschenden von der Studie von „scientific reports“ empfehlen, würde aber eine große Hürde darstellen. Gebe es eine Helmpflicht, würden 45 Prozent der E-Scooter-Nutzer nicht mehr fahren wollen.