Verkehr in Aurich Verband möchte im Rad-Konflikt an der Norderstraße vermitteln
Kaufleute in der Norderstraße wehren sich gegen die Freigabe ihrer Straße für Radfahrer. Jetzt schaltet sich der ADFC ein. Er macht Bürgermeister Horst Feddermann ein Angebot.
Aurich - Wird die Norderstraße in Aurich für Fahrräder freigegeben? Diese Frage spaltet nach wie vor die Öffentlichkeit. Die Kaufleute in der Norderstraße hatten ihre Bedenken gegen diesen Schritt Anfang August in einem Brief dargelegt, den sie an Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) gerichtet haben. Dort heißt es, man wünsche sich „stressfreies Einkaufen“. Das werde durch „rücksichtslose Fahrradfahrer“ torpediert. Deren Fahrstil gefährde insbesondere die Gesundheit von sehr jungen und älteren Menschen, weil die nicht in der Lage seien, sich schnell in Sicherheit zu bringen, wenn ein Pedelec-Fahrer dicht entlang der Geschäftszeilen rase.
Diesen Vorstoß hat Albert Herresthal zum Anlass genommen, um sich ebenfalls an Horst Feddermann zu wenden. Als Kreisverbands-Chef des Allgemeinen Fahrrad-Clubs Deutschland (ADFC) sei es sein Anliegen, dem Konzept der Fahrradzone in der Innenstadt zum Erfolg verhelfen, argumentiert Albert Herresthal. Um das zu erreichen, seien echte Vorteile für den Radverkehr erforderlich. „Eine Freigabe der Norderstraße für den Radverkehr – egal, ob als Teil der Fahrradzone oder als freigegebene Fußgängerzone – würde für Radfahrende eine bessere Anbindung des Marktplatzes vom ZOB und der Pferdemarktkreuzung mit sich bringen“, heißt es in dem Brief, den der ADFC an den Bürgermeister gerichtet hat. Das Schreiben liegt der Redaktion vor.
Verbands-Chef spricht von „absurder Logik“
Die Meinung der Kaufleute beruhe auf Vorurteilen und stehe gegen öffentliches Interesse, so der Verband. Aufgabe der Politik müsse es sein, eine kluge Abwägung vorzunehmen, die der Entwicklung der Stadt diene. Albert Herresthal spricht von einer „absurden Logik“ der Kaufleute, wenn diese pauschal alle Radfahrer verbannten, obwohl nur eine kleine Gruppe gegen die Regeln verstoße. Wenn man wie die Geschäftsleute argumentiere, müsste man auch sämtlichen Autoverkehr in Tempo-30 Zonen verbieten, weil es immer wieder einzelne Fahrzeuge gebe, die mit 60km/h dort durchbretterten.
Der ADFC wünscht sich, dass die Freigabe der Norderstraße für den Radverkehr auf den Mittelstreifen beschränkt bleibe. Dafür müsse man das aktuell sehr grobe Pflaster glätten und so markieren, dass klar definiert sei, wo der Radverkehr zu fahren habe. Albert Herresthal macht einen konkreter Vorschlag, nämlich den, die Freigabe probeweise vielleicht für ein Jahr einzuführen. Dann könnte man die Debatte versachlichen.