Kolumne „Alles Kultur“  Den Kampf gegen Rechts nicht aufgeben

Annie Heger
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Eine Kolumne von Annie Heger
| 14.08.2023 08:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Annie Heger
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Unsere Kolumnistin reagiert auf ein Rechtsrock-Konzert in der Krummhörn: Wie eine Industrie von der hasserfüllten Musik profitiert und warum der Widerstand nicht aufgeben darf.

Nicht alles, was in den 80ern aus England zu uns rübergeschwappt ist, ist gut. Ich spreche nicht von der Dauerwelle, sondern von etwas, das weit beunruhigender ist als der Geruch von Wasserstoffperoxid. Sie heißen „Erschießungskommando“ oder „Sturmwehr“ und versuchen so nicht einmal, ihre Gesinnung zu verstecken: Rechtsrock-Bands.

Ich will nicht aufarbeiten, was nun genau passiert und von wem für was bei dem Rechtsrock-Konzert am 5. August in der Krummhörn genehmigt worden ist. Hier geht es um rechtsextreme Kulturarbeit. Rechtsrock ist das kulturelle Vehikel von Rechtsextremismus für menschenverachtende Traditionsvermittlung und rechte Identitätsbildung. Die 90er Jahre haben dazu nach der Wende im Osten das Phänomen befeuert. Eine ganze gewaltbereite, sich vergessen gefühlte Generation sehnte sich danach, dass ihre Gesinnung endlich lyrisiert wird.

Musik wird hier benutzt, um rechtsextremes, neonazistisches und rassistisches Gedankengut zu transportieren, oft wird die NS-Zeit glorifiziert und zum Widerstand aufgerufen. Gespickt mit ein bisschen Fußballpatriotismus, dem Gefühl von Zusammenhalt, Freundschaft und einer Prise Gewaltfantasie will man vor allen Dingen Jugendliche an sich binden.

Eine ganze Industrie steht hinter diesen hasserfüllten und den Nationalismus feiernden Botschaften. Und ich meine damit nicht solche, bei denen vielleicht der konservative Bürger noch sage würde „Das wird man ja wohl noch einmal sagen dürfen“, sondern Parolen, bei denen alle Herzen kurz stehen bleiben und die Ohren glühen, sofern sie im Geschichtsunterricht auch nur fünf Minuten zugehört haben.

Eine Mahnwache wird nicht die Menschen verändern, die zu diesem Konzert gekommen sind. Doch zu zeigen, dass es uns gibt, die nicht aufgeben, dagegenzuhalten, ist wichtig. Auch die rechtliche Handhabe voll auszuschöpfen, darum mag ich die Behörden in Zukunft bitten. Denn mir macht das alles Angst. Es heißt doch eigentlich: „Wo man singt, da lass dich nieder, böse Menschen kennen keine Lieder.“ Leider wohl doch.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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