Osnabrück  Was meinen wir genau, wenn wir Farbe bekennen?

Stefan Lueddemann
|
Von Stefan Lueddemann
| 01.09.2023 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Wer Farbe bekennt, zeigt, was er auf der Kartenhand hat. Foto: imago images/PaulPaladin
Wer Farbe bekennt, zeigt, was er auf der Kartenhand hat. Foto: imago images/PaulPaladin
Artikel teilen:

Farbe bekennen: Das ist nicht jedermanns Sache. Dabei bringt das klare Statement Farbe in die Debatte - mögen sich auch andere grün und blau ärgern. Ein Spruch und seine Geschichte.

Farbe bekennen – das ist nicht jedermanns Sache. Viele halten mehr von der Weisheit, dass nachts alle Katzen grau sind. Besser nicht unterscheidbar sein: Danach handeln bedauerlich viele Menschen. Wer dagegen Farbe bekennt, bezieht eine klare Position, hebt sich ab, zeigt klare Kante. Mögen sich andere darüber grün ärgern oder vor Neid ganz gelb im Gesicht werden – wer Farbe bekennt, hebt sich ab vom grauen Einerlei.

Woher kommt die Redewendung? Wer Farbe bekennt, zeigt, was er im Schilde führt – oder auf der Kartenhand hat. Beim Skat oder Doppelkopf müssen Mitspieler auf die erste ausgespielte Karte hin eine bestimmte Farbe bedienen. Sie müssen also zeigen, ob sie über eine Karte der gleichen Farbe verfügen oder auch nicht.

Wer Farbe bekennt, zeigt also, was Sache ist, wie es um ihn und seine Möglichkeiten bestellt ist. Den Ausdruck gibt es übrigens auch bei Patiencen, wenn eine Kartenfarbe beibehalten wird. Immer geht es um Stringenz und Folgerichtigkeit im Verhalten. Man zeigt, was man hat und spielt nicht mit falschen Karten.

Wer Farbe bekennt, trifft fast immer ins Schwarze, zumindest der eigenen Position. Mögen ihm andere vor lauter Protest und Ärger am liebsten einen blauen Brief schicken – wer Farbe bekennt, sorgt dafür, dass er anderen ein blaues Wunder bereitet oder für sie zum roten Tuch wird.

Farbe zu bekennen, sorgt in jedem Fall für Deutlichkeit, auch um den Preis der Konfrontation. Immerhin sind dann die Fronten geklärt. Damit ist nicht gemeint, über andere herzuziehen oder unhöflich zu werden. Wer Farbe bekennt, bezieht sich ja eben nicht auf andere, sondern bleibt bei sich selbst und klärt den eigenen Standpunkt.

Wer gern die rosarote Brille auf der Nase trägt, mag keine Leute, die Farbe bekennen. Man sollte sie deshalb noch lange nicht auf die schwarze Liste setzen. Solange die Debatte in der Sache klar, aber im Ton moderat ist, bleibt ja alles im grünen Bereich. Ich mag Leute, die Farbe bekennen. Da sie an das starke Argument glauben, können sie keine Schwarzseher sein. Und das finde ich immer sympathisch.

Ähnliche Artikel