Neonazis in der Krummhörn  Frakturschrift und Schwarz-Weiß-Rot

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 12.08.2023 13:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bedruckte Becher gehörten mit zu den Werbemitteln des Abends. Aber die Veranstalter des Konzerts am Wochenende in der Krummhörn haben noch mehr unter die Leute gebracht. Foto: Hock/Hintergrund unkenntlich gemacht
Bedruckte Becher gehörten mit zu den Werbemitteln des Abends. Aber die Veranstalter des Konzerts am Wochenende in der Krummhörn haben noch mehr unter die Leute gebracht. Foto: Hock/Hintergrund unkenntlich gemacht
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Verzehrkarten mit Frakturschrift, ein immer wiederkehrender Name, T-Shirts und Becher: Die Werbemittel auf den Neonazi-Konzern lassen Rückschlüsse auf die Organisation zu.

Krummhörn - Manche Klischees sind so allgegenwärtig, dass sie gerne erfüllt werden. Bei Werbemitteln und Merchandise, welches von Neonazis entworfen wird. Ohne Szenefarben und ohne Fraktur ging auch hier nichts. Eine Betrachtung und Analyse des von Neonazis organisierten Konzerts in der Gemeinde Krummhörn.

So haben die Veranstalter von „Live in der Krummhörn 2“ Kleidungsstücke mit Veranstaltungstitel sowie den Logos der Band „Gehasst, verdammt, vergöttert“ und „Goethes Jungs“ herstellen lassen. Diese wurden offensichtlich vor Ort verkauft. Das Farbschema: Schwarz, weiß und rot, die Farben der „Reichsflagge“.

Zwischen zwei Absagen hergestellt

Auf dem schwarzen T-Shirt prangt in Rot der Name der Veranstaltung, in weiß das Datum und die Bandlogos und darunter in Rot noch zwei stilisierte, gekreuzte E-Gitarren. Die Farbwahl dürfte kaum zufällig gefallen sein. Die Farbkombination ist in rechten Kreisen beliebt und taucht immer wieder auf.

Die verkauften Klamotten lassen aber auch Rückschlüsse auf die Produktionskette der Veranstalter zu. So fehlt das Logo der Band „Ernstfall“. Die Band sagte nach Informationen dieser Zeitung bereits Anfang Juli ab. „Goethes Jungs“ sagten den Auftritt hingegen erst Anfang August, ein paar Tage vor dem Konzert hab. In dieser Zeit müssen die T-Shirts also produziert worden sein.

Erst Plakate, dann T-Shirts

Wie Recherchen von „Recherche-Nordwest“ belegen, waren die T-Shirts aber nicht das einzige „Werbemittel“, die für das Konzert hergestellt wurde. So wurden Getränke auf dem Konzert in bedruckten Bechern ausgegeben. Darauf zu sehen ist das Logo der Band „Gehasst, verdammt, vergöttert“ unter dem Schriftzug „Live in Krummhörn“.

Unter dem Logo ist zudem zu lesen: „Ostfriesland Freizeit Veranstaltungen“. Der gleiche Name findet sich auch auf den veröffentlichten Plakaten, die sowohl am Veranstaltungsort als auch an Straßenlaternen in der Gemeinde Krummhörn sowie online zu sehen waren. Die Plakate wiederum zeigen alle Bands, die mal im Gespräch waren, sind also wahrscheinlich als erstes gedruckt worden. Entsprechend viel Arbeit hatten die Veranstalter mit dem Überkleben nach den eintrudelten Absagen und der vorgetäuschten Absage von „Gehasst, verdammt, vergöttert“.

Firma oder Veranstaltungs-Label?

Eine Firma oder ein Gewerbe mit dem Namen ist nicht auffindbar. Weder bei der Stadt Emden, wo einer der Organisatoren wohnt, noch in der Gemeinde Krummhörn, wo der andere Organisator wohnt, hat man von einer Firma dieses Namens etwas gehört. Möglich ist auch, dass der Name ein Label sein soll, eine Art Veranstaltungsreihe.

Schließlich war das von einem massiven Polizeiaufgebot flankierte Konzert am 5. August auch eine Fortsetzung. Bereits im vergangenen Jahr fand, mit der gleichen Hauptband, ein ähnliches Konzert statt. 2022 verzichtete man nur auf viel Werbung und auch der Veranstaltungsort wurde lange geheim gehalten.

Verzehrkarten mit Fraktur

Dass die aus Neonazis bestehende Band „Gehasst, verdammt, vergöttert“ tatsächlich aufgetreten ist, bestätigt mittlerweile auch die Polizei. „Uns liegen Erkenntnisse vor, dass teilweise Mitglieder der Band ‚Gehasst, verdammt, vergöttert’ aufgetreten sind“, heißt es auf Nachfrage dieser Zeitung. Unsere Recherchen belegen, dass auf jeden Fall der Frontsänger und der Gitarrist die gleichen sind wie im vergangenen Jahr und wie bei anderen Auftritten der Band. Angekündigt wurde die Band den Gästen als „Viva Los Tioz“.

Eine der Verzehrkarten des Abends. Foto: Hock
Eine der Verzehrkarten des Abends. Foto: Hock

Auf dem Gelände selbst gab es einen Ausschank. Gäste mussten vor Ort Verzehrkarten kaufen, am Ausschank selbst wurde nicht mit Geld hantiert, so Recherche-Nordwest. Eine der von Recherche-Nordwest gesicherten Karten liegt dieser Zeitung vor. Auf diesen war man sich mit der Schreibweise des eigenen Labels nicht ganz so sicher wie auf Bechern und Plakaten. Auf den Verzehrkarten steht, natürlich in Frakturschrift: „Freizeit Veranstaltungen Ostfriesland“. Auch zu diesem „Label“ liefert das Internet keinerlei Treffer. Das für die Verzehrkarten ausgegebene Geld war an dem Abend übrigens weg, egal wie viel man getrunken hat: „Keine Rücknahme, auch nicht am Ende der Veranstaltung“ steht auf den Zetteln. Auf der Rückseite prangt derweil das Logo des Veranstaltungsortes.

Offenbar war Veranstaltungsreihe geplant

Offensichtlich ist dennoch, dass ursprünglich ein noch „professionellerer“ Abend als 2022 geplant war. Eigene T-Shirts, die Durchnummerierung der Veranstaltungen: All das spricht dafür, dass die im Hintergrund agierenden Neonazis eine Veranstaltungsreihe begründen wollten.

Eine Veranstaltungsreihe, die wiederum Geld in die Taschen der Neonazis spült – und das auch von Personen, die nichts mit der Szene zu tun haben. Denn, das zeigen vielfältige Kommentare zu den bislang erschienenen Artikeln zu „Live in der Krummhörn 2“, einige Gäste sind eher nicht der rechtsextremen Szene zuzuordnen. Das von ihnen ausgegebene Geld für Eintritt, Getränke und Essen füllt nun aber dennoch die Taschen von Neonazis.

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