Osnabrück Wirbel um Höcke-Aussage zu Inklusion: Was meint der AfD-Landeschef wirklich?
Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke hat mit einem Interview im MDR massive Kritik hervorgerufen. Viel spannender als die Reaktionen aber ist, was Höcke tatsächlich gesagt hat.
Björn Höcke kritisiert die Inklusion an Schulen und erntet massiven Widerstand. Dabei hat der thüringische AfD-Politiker doch ein Thema angesprochen, das auch unter Lehrern und Eltern umstritten ist. In Niedersachsen etwa setzt sich die CDU in der Opposition mittlerweile sogar für einen Erhalt der Förderschulen Lernen ein, die hier derzeit im Sinne der Inklusion abgeschafft wird. Wird Höcke also nur kritisiert, weil er AfD-Politiker ist?
Um die Reaktionen einzuordnen, hilft es, sich das MDR-Interview, in dem die entsprechenden Aussagen gefallen sind, genauer anzusehen. Der thüringische Landeschef sagt hier wörtlich: „Gesunde Gesellschaften haben gesunde Schulen.” Für sich genommen nur eine Metapher, könnte man noch argumentieren. Allerdings benennt Höcke dann konkret, was aus seiner Sicht diese „gesunde Schule” gefährdet: zunächst die deutsche Einwanderungspolitik, praktisch also Kinder mit Migrationshintergrund. Höcke sagt aber auch, er wolle Schulen befreien von Inklusion und „Gender-Mainstreaming”. Das heißt: Höcke wendet sich gegen die Gleichstellung von Männern und Frauen und Kinder mit Behinderung kommen in seiner Vorstellung einer „gesunder Schule” nicht vor. Denn, so führt der AfD-Politiker weiter aus, all das seien Projekte, „die unsere Schüler nicht weiterbringen, die unsere Kinder nicht leistungsfähiger machen”. So würden aus Kindern und Jugendlichen keine Fachkräfte der Zukunft.
Man kann all diese Aussagen einzeln betrachten und für jede eine Begründung finden. Oder man sieht sich das Bild in seiner Gesamtheit an. Wenn Höcke von „unseren Schülern” spricht, grenzt er Migranten und Menschen mit Behinderung rhetorisch aus. Schließlich impliziert er, dass beide Gruppen die vermeintlich echten, deutschen Schüler in ihrer Leistungsfähigkeit hemmen. Mit legitimer Kritik an der Umsetzung von Inklusion hat all das nichts mehr zu tun. Es lässt vielmehr tief blicken. Der Geschichtslehrer Höcke weiß genau, welche Ideologie er hier ausbreitet. Bis zum „gesunden Volkskörper” der Nationalsozialisten ist es nicht mehr weit. Und diese Vorstellung ist nur eines: menschenverachtend.