Reisebüro warnt  Betrüger nutzen private Adressen bei Buchung

Lars Löschen
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Von Lars Löschen
| 11.08.2023 15:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit der Anschrift einer Leeranerin versuchten Betrüger, ein Hotelzimmer zu buchen. Symbolfoto: dpa/Uli Deck
Mit der Anschrift einer Leeranerin versuchten Betrüger, ein Hotelzimmer zu buchen. Symbolfoto: dpa/Uli Deck
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Eine Leeranerin hat Reiseunterlagen zugeschickt bekommen, obwohl sie nichts gebucht hat. Dieser Ärger kann jeden treffen, stellen ein Reisebüro und die Polizei fest.

Leer - Betrügern fallen immer wieder neue Maschen ein und sie schrecken auch nicht vor Dreistigkeit zurück. Nicht nur Privatpersonen nehmen sie dabei ins Visier. Reisebüros bekommen täglich mehrere Anfragen, die mit gefälschten Daten gespickt sind. Eigentlich nichts Unübliches. Doch als Thomas Brendemühl, Geschäftsführer von RMB Reisen aus Leer, vor ungefähr einer Woche seine Buchungsanfragen durchgeht, muss selbst er sich am Kopf kratzen.

Was und warum

Darum geht es: Ein Leeraner Reisebüro warnt vor einer neuen Betrugsmasche, der bei einer Frau für Ärger gesorgt hat.

Vor allem interessant für: jeden, der sich über die neuen Betrugsmaschen informieren will

Deshalb berichten wir: Thomas Brendemühl von RMB Reisen kam auf die Redaktion zu.

Den Autor erreichen Sie unter: l.loeschen@zgo.de

Eine Anfrage von einem Pärchen kam dem gelernten Reiseverkehrskaufmann sehr suspekt vor. „Gebrochenes Deutsch wie von einem Übersetzer“, dazu eine unseriöse E-Mail-Adresse – bestehend aus scheinbar wahllos aneinandergereihten Zahlen und Buchstaben – ließen bei ihm alle Alarmglocken losgehen. „Es ist immer die gleiche Prozedur bei solchen Fake-Anfragen. Man merkt dann, dass etwas nicht stimmt“, sagt der 60-Jährige. Normalerweise würden solche Buchungswünsche direkt von einem System gelöscht werden. Diesmal war aber etwas anders: Die angegebene Adresse war in Leer.

Buchung wurde abgelehnt, trotzdem kamen Reiseunterlagen

Ein Anruf bei der Rufnummer, die bei der Buchungsanfrage angegeben war, ergab nichts. Über die Anschrift konnte Brendemühl telefonischen Kontakt herstellen. Am Hörer hatte er aber nicht den Kunden, der vor kurzem eine Hotelunterkunft in der Türkei gebucht hatte, sondern „eine ältere Dame, die von nichts wusste“. So etwas sei dem gebürtigen Bremer in fast 40 Jahren Berufserfahrung noch nicht untergekommen, sagt er.

Mit der Ablehnung der Buchung war für Brendemühl der Fall eigentlich abgeschlossen. Er sollte jedoch wenig später einen Rückruf bekommen: „Die Dame hatte Reiseunterlagen zugeschickt bekommen.“ Allerdings von einem anderen Buchungsportal. „Die Betrüger haben die Anfragen also an mehrere Reisevermittler gesendet“, schlussfolgert Brendemühl. Die Frau wollte sich gegenüber der Zeitung nicht dazu äußern.

An Reisevermittler und Polizei wenden

„Personenbezogene Daten sind Gold wert“, kann man auf der Seite www.datenschutz.org nachlesen. Hier stehen viele Hinweise zum Schutz der eigenen Identität, aber auch zum Datenhandel. Der Handel mit Daten sei ein lukratives Geschäft und Unternehmen würden viel Geld in die Hand nehmen, um an die Informationen von potenziellen Neukunden zu kommen. Pressesprecherin Svenia Temmen von der Polizeiinspektion Leer/Emden weiß, dass Betrüger sich ebenfalls in diesem Bereich umsehen. „Man wundert sich manchmal, wie viele persönliche Daten schon online einsehbar sind. Diese hat man in den Sozialen Medien verbreitet oder auch bei Fake-Shops angegeben“, sagt sie auf Nachfrage. Es sei also ein „regelrechtes Kinderspiel“ an die Informationen einer Person zu kommen.

In dem Fall der Reise-Betrügereien und auch sowieso gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Und das bedeutet, die eigenen Daten zu schützen und vorsichtig zu sein, wo man diese angibt. Denn ist eine Information erst einmal im Internet, ist diese schwer wieder zu löschen, warnt die Polizeisprecherin. Ist man doch Opfer eines Betrugs geworden, solle man sich schleunigst mit dem Buchungsportal in Verbindung setzen. Temmen empfiehlt zudem eine Anzeige bei der Polizeidienststelle zu machen oder die Online-Wache zu nutzen. „So kann die Polizei besser herausfinden, was die Betrüger wollen.“

Was bringt der Reise-Betrug den Tätern?

Eine Frage stellt sich jedoch allen: Was wollen die Täter mit dem Reise-Betrug bezwecken? Das können sich weder Polizei noch das Reisebüro beantworten. Die Betrüger könnten die Reise mit falschen Angaben nicht antreten und auch eine finanzielle Beute sei unmöglich. Dass die Betrüger für ein bisschen Ärger und Unruhe sorgen wollen, sei wohl am wahrscheinlichsten. Thomas Brendemühl fügt hinzu: „Das könnte jeden treffen.“

Bei anderen Reisebüros in Leer gehen ebenfalls viele Fake-Anfragen ein. Für Stefan Trauernicht von Reiseoptimo scheint so ein Betrug sinnlos: „Alles funktioniert personenbezogen, da kann kein Fremder mit den Daten von jemand anders reisen.“ Seine Kunden werden bei der Buchung deswegen um einem Personalausweis gebeten. Trotzdem sieht Trauernicht kein Ende der Betrügereien: „Ich hatte noch nie das Gefühl, dass weniger Fake-Anfragen gestellt worden sind.“

Auch Ulrike Manssen vom Reisebüro Amondo ist der Sinn hinter solch einem Betrug unklar. „Es gehen gerade viele Warnungen umher“, sagt sie. Man warne sich gegenseitig vor neuen Maschen von Kriminellen.

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