Berlin  Migration nimmt zu: bislang 78 Prozent mehr Asylanträge

Leon Grupe
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Von Leon Grupe
| 10.08.2023 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Rettungsaktion der deutschen Seenotrettungsorganisation Mission Lifeline im Mittelmeer. Die Aufnahme ist vom Dezember 2022. Foto: Johannes F. Räbel/picture alliance/dpa/mission lifeline
Rettungsaktion der deutschen Seenotrettungsorganisation Mission Lifeline im Mittelmeer. Die Aufnahme ist vom Dezember 2022. Foto: Johannes F. Räbel/picture alliance/dpa/mission lifeline
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Deutlich mehr als 150.000 Menschen haben zwischen Januar und Juli einen Asylantrag in Deutschland gestellt. Wo die Flüchtlinge herkommen, wie alt sie im Schnitt sind und wie oft ein Antrag abgelehnt wird.

175.272: So viele Menschen haben in den ersten sieben Monaten dieses Jahres einen Erstantrag auf Asyl in Deutschland gestellt. Das entspricht einem Anstieg von rund 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie aus Daten des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hervorgeht. Zählt man die Folgeanträge hinzu, verzeichnet die Bundesrepublik im laufenden Jahr insgesamt 188.967 Asylanträge.

Beim Blick in die Statistik lässt sich ebenfalls feststellen: Im zurückliegenden Juli gab es laut BAMF mit 23.674 Asyl-Erstanträgen 79 Prozent mehr als im Vorjahresmonat und zwei Prozent mehr als im Juni 2023.

Die Rangliste der Staatsangehörigkeiten bleibt im Wesentlichen unverändert. Wie auch in den Monaten zuvor stammten im Juli die meisten Antragsteller aus Syrien (7.566), gefolgt von der Türkei (3.791) und Afghanistan (3.750). Geflüchtete aus der Ukraine berücksichtigt das BAMF hingegen nicht. Inzwischen sind über eine Million Ukrainer seit Kriegsausbruch nach Deutschland geflohen. Für sie gelten aber gelockerte Aufenthaltsregeln, sie stellen in aller Regel keinen Asylantrag.

Im laufenden Jahr hat das BAMF bislang in 153.912 Asylverfahren eine Entscheidung getroffen. In mehr als 32.000 Fällen wurde der Antrag abgelehnt. Das entspricht einer Quote von 21 Prozent – und ist damit ähnlich hoch wie in den vergangenen zwei Jahren. Zwischen 2014 und 2020 wurden hingegen zwischen 25 und 38 Prozent der Anträge abgelehnt.

Dafür erteilt das BAMF häufiger Anerkennungen als in den meisten vergangenen Jahren. Bis Ende Juli endeten 52 Prozent der Verfahren mit der Vergabe eines Schutztitels – Flüchtlingsschutz inklusive Asyl, Subsidiärschutz, Abschiebeschutz. In der Vergangenheit lag dieser Anteil oft bei etwa einem Drittel. 

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Es sind vor allem jüngere Menschen, die zwischen Januar und Juli 2023 nach Deutschland gekommen sind. Etwas mehr als 70 Prozent der Antragsteller sind jünger als 30, ungefähr jeder dritte ist minderjährig. Was sich ebenfalls zeigt: Eine Ungleichheit zwischen Frauen und Männern. Gerade einmal 28 Prozent der Asylsuchenden sind weiblich.

Ungleichmäßig verteilt sich die Zahl der Anträge in der Bundesrepublik. So hat Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr 36.350 Asylanträge registriert, gefolgt von Bayern mit 27.355. Niedersachsen liegt mit 17.656 Anträgen auf Platz vier. Im Mittelfeld findet sich Schleswig-Holstein wieder, wo die Ämter 5.915 Anträge gemeldet haben. In Mecklenburg-Vorpommern suchen 3.057 Menschen Asyl. Unter den Flächenländern meldet nur das Saarland weniger Anträge.

In Deutschland legt der Königsteiner Schlüssel fest, wie viele Asylbewerber ein Bundesland aufnehmen muss. Berechnet wird dies auf Basis der Steuereinnahmen und der Bevölkerungszahl. Demnach hätte Niedersachsen Stand jetzt seine Quote übererfüllt, während Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern noch mehr Flüchtlinge unterbringen müssten.

Vor Spanien und Frankreich – im Vergleich zu anderen EU-Ländern ist die Zahl der Flüchtlingen in Deutschland am höchsten. Seit 2020 nimmt hierzulande die Zahl der Asylanträge wieder zu. Sie ist aber noch lange nicht so hoch wie zur Hochphase der Flüchtlingskrise 2016 und 2016. Damals wurden über 1,2 Millionen Anträge in Deutschland gestellt.

Im gesamten Jahr 2022 gingen beim BAMF 244.132 Asylersteinträge ein. In diesem Jahr dürfte es mehr werden. Derweil machen Pläne über eine Verschärfung der Abschieberegelungen die Runde. Vergangene Woche schlug Bundesinnenministerin Nancy Faeser eine Ausweitung des Ausreisegewahrsams von derzeit bis zu zehn auf künftig bis zu 28 Tage vor. Die SPD-Politikerin will den Behörden mehr Zeit ermöglichen, um eine Abschiebung vorzubereiten. Der Ausreisegewahrsam soll verhindern, dass sich jemand einer in naher Zukunft bevorstehenden Abschiebung entzieht. Für ihren Vorstoß erntete Faeser Lob, es hagelte aber auch Kritik – unter anderem aus der SPD selbst.

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