„Fremantle Highway“ Kamen Hubschrauber zu spät zum brennenden Frachter?
Ein Besatzungsmitglied ist infolge des Feuers auf dem Autofrachter „Fremantle Highway“ ums Leben gekommen. Medien und Politik haben mittlerweile Zweifel, ob die Rettungsaktion auf der Nordsee ordnungsgemäß ablief.
Eemshaven/Den Haag - Nach dem Feuer auf dem Autofrachter „Fremantle Highway“ in der Nordsee, in dessen Folge ein Crewmitglied ums Leben gekommen ist, soll der Ablauf der Rettungsaktion untersucht werden: Warum dauerte es so lang, bis die angeforderten Helikopter der Küstenwache vor Ort waren? Diese Frage stellen sich mittlerweile Medien und Politiker in den Niederlanden. Nun, da der Frachter seit Ende vergangener Woche sicher in Eemshaven liegt, will der Untersuchungsrat für Sicherheit – eine unabhängige Behörde – sich der Sache annehmen.
Der Brand war in der Nacht auf den 26. Juli ausgebrochen, als das Schiff 27 Kilometer vor der niederländischen Insel Ameland unterwegs war. Zunächst waren Hubschrauber für Löscharbeiten angefordert worden – als sich das Feuer ausbreitete, sollten die Helikopter jedoch die Besatzung in Sicherheit bringen. Aufgrund der langen Wartezeit sahen sich mehrere Crewmitglieder dazu gezwungen, aus mehr als 20 Metern Höhe vom Frachter aus ins Meer zu springen. Eine Person starb infolge des Rauchs, der aus dem Schiff strömte, wie die zuständige Reederei Kawasaki Kisen Kaisha aus Japan mitteilte.
Helikopter mussten zunächst Feuerwehrteam abholen
Die zwei Hubschrauber flogen zunächst nach Rotterdam, um dort speziell ausgebildete Feuerwehrleute aufzunehmen. Als die Plätze an Bord jedoch für die zu rettenden Crewmitglieder der „Fremantle Highway“ benötigt wurden, musste das Feuerwehrteam in Den Helder an der Küste wieder abgesetzt werden, wie Recherchen der Zeitung „Leeuwarder Courant“ gezeigt hatten.
Laut einem Bericht von „NRC“ verlief jedoch bereits der Start holprig: Bis die Hubschrauber in Den Helder sowie in Midden Zeeland im Südwesten des Landes abhoben, habe es 39 beziehungsweise 48 Minuten gedauert – und nicht 20 Minuten, wie eigentlich vorgesehen.
Unabhängige Behörde kündigt Untersuchung zum Unglück an
Aufklärung in dieser Sache fordert auch die Kommission für Infrastruktur und Wasserwirtschaft des Parlaments: Die Mitglieder dieses Ausschusses bitten in einem Schreiben an Infrastrukturminister Mark Harbers bis zum Ende der Sommerpause im September um einen detaillierten Bericht zur Rettungsaktion während des Feuers auf der „Fremantle Highway“ sowie um Informationen dazu, wie die Verantwortlichkeiten in solchen Unglücksfällen geregelt sind.
Am Montag kündigte der unabhängig arbeitende und mit Experten besetzte Untersuchungsrat für Sicherheit in Den Haag an, zum Brand vor Ameland eine mögliche Untersuchung zu prüfen. Man wolle betrachten, wie die Rettungsaktion in der Unglücksnacht ablief und hierzu mit Beteiligten sprechen, teilte der Rat mit. Sollten die Resultate der Prüfung dies verlangen, werde man eine Untersuchung einleiten, sagte Chris van Dam, der Vorsitzende des Untersuchungsrates, laut Mitteilung.
Viele Autos auf unteren Decks sind noch intakt
Unabhängig davon arbeite man auch an einer weiteren Untersuchung der Vorfälle mit, die von den Behörden in Panama geleitet werde. Die „Fremantle Highway“ gehört zwar einem japanischen Eigner, fährt aber unter der Flagge des mittelamerikanischen Landes.
Der mit knapp 3800 Fahrzeugen beladene Frachter hatte tagelang gebrannt, ehe das Schiff am Donnerstag nach Eemshaven geschleppt wurde. Bis Mitte Oktober muss es den Hafen jedoch verlassen – spätestens dann dürfte es für die „Fremantle Highway“ zum Abwracken ins Ausland gehen. Am Montag hätten die Experten das Schiff erstmals von innen begutachtet, sagte Richard Janssen, Chef des Bergungsunternehmens Smit Salvage, dem Sender NPO Radio 1 am Dienstag. Hierbei habe man auch die Fracht begutachtet: „Auf den unteren Decks ist eine große Anzahl Autos noch intakt“, sagte Janssen. Zu diesem Bereich habe man erstmals Zugang gehabt. Darüber allerdings, auf den Decks 5 bis 11, seien die geladenen Fahrzeuge „nicht mehr zu gebrauchen“.
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