Zum Tag des Leuchtturms Diese ostfriesischen Leuchttürme wiesen den Seefahrern den Weg
Warnten sie früher Seefahrer, locken sie heute Touristen an: unsere Leuchttürme. Zum Tag des Leuchtturms an diesem Montag haben wir viele spannenden Fakten über die Türme in der Region gesammelt.
Ostfriesland - Leuchttürme gehören für viele zu Nord- und Ostsee wie Muscheln, Fischkutter und Gummistiefel. Die Leuchttürme in Ostfriesland ziehen sowohl auf dem Festland als auch auf den Inseln jährlich Tausende Touristen an und sind längst zu Wahrzeichen der Region geworden. Was heute die Technik erledigt, war damals die Aufgabe der Leuchttürme: Seeleuten den Weg weisen – in Ostfriesland vor allem in dem damals unübersichtlichen Fahrwasser zwischen Borkum und Emden. Zum Tag des Leuchtturms an diesem Montag haben wir eine kleine Übersicht der ostfriesischen Leuchtfeuer und Wissenswertes über sie zusammengetragen.
Schon seit hunderten Jahren weisen Leuchtfeuer an der Küste den Seefahrern den Weg. Vor rund 130 Jahren wurde es dann ernst: Damals beschlossen die preußischen und niederländischen Kommissare auf einer Konferenz in Emden, dass eine „lückenlose Beleuchtung der Unterems“ gewährleistet sein muss. So sollten die Schiffe auch bei Nacht ihren Weg durch das Fahrwasser finden. 1888/1889 wurde mit Baumaßnahmen – zum Beispiel in Campen und Pilsum – begonnen.
In Campen steht der höchste Leuchtturm Deutschlands
Der Pilsumer Leuchtturm war nur wenige Jahre in Betrieb: 1915 wurde er bereits nicht mehr gebraucht, weil sich das Fahrwasser der Ems verändert hatte. Außerdem wollte man feindlichen Schiffen während des Ersten Weltkriegs keine Anhaltspunkte geben. Danach rostete der Turm an der Seeluft vor sich hin und wäre sogar fast abgerissen worden. 1972 wurde er dann endlich saniert – und bekam seinen heute so berühmten Anstrich. Bekannt wurde der Turm 1989, als „Otto, der Außerfriesische“ die Kinos stürmte. Der Pilsumer Leuchtturm ist einer der Hauptschauplätze des Films. Seit 2004 kann man im Pilsumer Leuchtturm auch heiraten.
Deutlich höher als der Pilsumer Leuchtturm ist der Leuchtturm in Campen. Mit seinen 65 Metern ist er der höchste Leuchtturm Deutschlands – weltweit liegt er auf Platz 14. In seiner Bauweise erinnert er ein wenig an den Eiffelturm in Paris: Beide Türme sind ungefähr zur gleichen Zeit entstanden. Es lohnt sich, die 308 Stufen bis nach oben zu steigen, denn von dort hat man einen Blick über die gesamte Krummhörn und bis nach Borkum. Im Maschinenraum steht noch einer der Dieselmotoren von 1906, die früher den Generator des Leuchtfeuers betrieben. Davor waren es Dampfmaschinen, die den notwendigen Strom erzeugten.
Die deutschen Leuchttürme sind besser erhalten als die niederländischen
Der neue Leuchtturm auf Borkum entstand innerhalb von fünf Monaten. Er war somit deutlich früher fertig als der Campener Leuchtturm und war der erste elektrische Leuchtturm Deutschlands. Die Stromversorgung stellte man auf der Insel mit einem Mini-Kohlekraftwerk sicher. Den Brennstoff lieferte die Inselbahn. 1966 wurde der Borkumer Leuchtturm zu einem Radarturm umfunktioniert.
Die Leuchttürme auf der niederländischen Seite der Emsmündung sind übrigens nicht so gut erhalten wie die auf deutscher Seite. Der Leuchtturm in Delfzijl wurde während des Zweiten Weltkriegs zerstört, als niederländische Truppen eine Nutzung durch die Deutschen verhindern wollten. Der Turm in Wattum fiel 1945 einem britischen Bombenangriff zum Opfer, nachdem sich deutsche Soldaten in ihm verschanzt hatten.
Der neue Leuchtturm Wangerooge
Der neue Leuchtturm im Westteil der Insel Wangerooge wurde 1966 und 1967 erbaut. Zwei Jahre später ging er nach einer Probephase in Betrieb. Das 64 Meter hohe Bauwerk aus Stahlbeton dient als See-, Leit- und Nebenfeuer. 2018 war er Motiv einer Sonderbriefmarke der „Serie Leuchttürme“
Der Campener Leuchtturm
Der Leuchtturm Campen an der Emsmündung nordwestlich von Emden gilt mit 65,3 Metern als der höchste und mit seiner Lichtstärke von 4,5 Mio. Candela auch als der lichtstärkste deutsche Leuchtturm. Der Turm fällt durch die Bauweise auf, denn er ist ein Stahlfachwerkturm mit drei Beinen und einem Treppenrohr in der Mitte. Der Leuchtturm wurde 1889 errichtet und 1890 fertiggestellt. Offiziell ging er am 1. Oktober 1891 in Betrieb.
Der Leuchtturm Memmert
Der ehemalige Leuchtturm Memmert stand von 1939 bis 1986 auf dem Südende der gleichnamigen Vogelinsel südwestlich von Juist. Er war 15 Meter hoch. Die Laterne des alten Leuchtturms, der abgerissen wurde, befindet sich heute nahe des Hafens von Juist auf einem neuen und runden Backsteinturm. Dort ist eine kleine Ausstellung zu sehen.
Der alte Turm Borkum
Der alte Leuchtturm auf der Insel Borkum war von 1817 bis 1879 als Leuchtfeuer in Betrieb, ist aber schon viel älter. Der 45 Meter hohe viereckige Backsteinturm entstand 1576, war bis 1817 aber eine Landmarke. Die vier Seiten des Turms zeigen genau in die vier Himmelsrichtungen. Der Turm brannte 1879 ab und wurde danach wieder aufgebaut. Er ist heute das Wahrzeichen der Insel.
Der Leuchtturm Norderney
Der Leuchtturm Norderney wurde in den Jahren 1871 bis 1874 auf einer rund zehn Meter hohen Düne etwa in der Mitte der ostfriesischen Insel erbaut. Das Bau- werk ist mit seinem im oberen Teil achteckigen Querschnitt und mit einer Höhe von knapp 60 Meter über Normalnull das höchste Bauwerk der Insel. Unterhalb der Laterne befindet sich eine umlaufende Besuchergalerie, die man über 253 Stufen erreicht. Im Jahr 2009 diente er als Motiv einer Sonderbriefmarke der „Serie
Leuchttürme“.
Der Pilsumer Leuchtturm
Der Pilsumer Leuchtturm auf dem Deich in der Nähe von Pilsum ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Ostfrieslands. Er wurde 1891 in Dienst gestellt und vor fast genau 100 Jahren stillgelegt, weil sich die Fahrrinne durch Sandablagerungen geändert hatte. 1973 wurde der etwa 15 Meter hohe Turm aufwendig restauriert. Dabei erhielt er auch seinen charakteristischen rot-gelben Anstrich. Populär wurde der Turm besonders durch den Film „Otto – Der Außerfriesische“ des Komikers Otto Waalkes. Im Film dient der Leuchtturm Otto als Wohnung. Der Volksmund nennt den Leuchtturm deshalb auch „Otto-Turm“. Der Turm ist auch als Trauzimmer sehr beliebt.
Der alte Leuchtturm Wangerooge
Der alte Leuchtturm im Ort der Insel Wangerooge war von 1856 bis 1969 als Seefeuer in Betrieb. Das Leuchtfeuer des runden, rot-weißen und 39 Meter hohen Bau-werks kann bestiegen werden, beherbergt ein Museum und ein Trauzimmer.
Neuer Leuchtturm Borkum
Der Neue Leuchtturm Borkum – nautisch korrekt Großer Leuchtturm genannt – steht im westlichen Teil des Stadtzentrums der Insel. Er entstand 1879 in der Rekordzeit von weniger als fünf Monaten. In die Spitze des gut 60 Meter hohen Turms führen 315 Treppenstufen. Der Leuchtturm ist während der Saison geöffnet, kann besichtigt und bestiegen werden.