Weil es keinen Kindergartenplatz gibt  Junge Familie verlässt Leer und zieht in Nachbargemeinde

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 05.08.2023 07:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eine junge Familie in Leer packt aktuell ihren Hausstand zusammen. Sie wird in eine andere Kommune im Landkreis Leer ziehen. Symbolbild: Jaspersen/dpa
Eine junge Familie in Leer packt aktuell ihren Hausstand zusammen. Sie wird in eine andere Kommune im Landkreis Leer ziehen. Symbolbild: Jaspersen/dpa
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Der Frust ist bei vielen Eltern in Leer groß. Sie gehen bei der Suche nach einem Kindergartenplatz für ihre Kinder leer aus. Eine Familie hat jetzt die Konsequenzen gezogen.

Leer - Als im März die Absage des ersten Kindergartens kam, bei dem sich ein junges Elternpaar aus Leer um einen Platz für ihre gut dreijährige Tochter beworben hatte, schwante der Mutter schon nichts Gutes. „Schon da habe ich angefangen, mich auch in den anderen Kommunen im Landkreis umzuschauen“, sagt sie. Ihren Namen und den ihres Partners und ihrer Kinder möchte sie nicht sagen, um unbelastet in die Zukunft gehen zu können. Ihr Partner arbeitet Vollzeit, sie selber möchte im Oktober ihre Elternzeit beenden und wieder in Teilzeit arbeiten. Ohne einen Betreuungsplatz für die Tochter kann das nicht klappen.

Was und warum

Darum geht es: Eine junge Familie zieht aus Leer weg, weil sie in der Stadt keinen Kindergartenplatz für ihre Kinder bekommt.

Vor allem interessant für: Eltern oder junge Leute, die es werden wollen und die überlegen, ob sie nach Leer ziehen sollen

Deshalb berichten wir: Die fehlenden Betreuungsplätze in Leer treiben viele unserer Leser um.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Dass sie schon so früh aktiv geworden ist, stellt sich jetzt als sehr gute Entscheidung für das junge Elternpaar heraus – und ist eine schlechte Nachricht für die Stadt Leer. Sie verliert nämlich eine junge Familie. „Wir werden in eine andere Gemeinde ziehen“, sagt die 35-Jährige. Sie hätten gleich von Kindergärten mehrerer Kommunen Zusagen bekommen, teilweise sogar nach Beendigung der Anmeldefrist.

Landkreis hat ausgeholfen

Für einen der Kindergärten hat sich das Paar jetzt entschieden – und ist dafür bereit, einen großen Schritt zu tun. Es wird mit den beiden kleinen Kindern umziehen. „Die Kommune verlangt, dass wir unseren Hauptwohnsitz dort haben“, sagt die Mutter. Eigentlich hätte der Umzug sogar schon zum ersten August, dem offiziellen Beginn des neuen Kindergartenjahres, geschehen sein sollen. „Das hätten wir aber nie geschafft“, sagt die Frau. Zum Glück habe der Landkreis, der für die Bereitstellung von ausreichend Kindergartenplätzen in der Stadt Leer zuständig ist, ausgeholfen.

Kindergartenplätze in Leer sind immer noch Mangelware. Symbolfoto: Jensen/dpa
Kindergartenplätze in Leer sind immer noch Mangelware. Symbolfoto: Jensen/dpa

Der Kreis würde den Kostenausgleich bis zum Jahresende übernehmen, bestätigt Pressesprecher Philipp Koenen. Das heißt, er zahlt der Gemeinde die Kosten für den Kindergarten-Platz, den die Familie ab August für ihre Tochter in Anspruch nimmt, solange deren Mitglieder noch keine Bürger der Kommune ist sind – maximal bis Ende Dezember. Bis dahin werde der Umzug über die Bühne sein, sagt die Mutter. Ein passendes Mietobjekt habe man gefunden, die Vorbereitungen für den Umzug liefen schon. Dass die künftige Miete deutlich höher sein werde als die bisherige, nehme man in Kauf.

Andere Kommunen verlangen Berufstätigkeits-Nachweis

Bei der Suche nach einem Kindergartenplatz in den anderen Kommunen sei auffällig gewesen, dass nahezu immer ein Nachweis der Berufstätigkeit der Eltern gefordert worden sei. „Überall wurden die Plätze nach der Dringlichkeit vergeben, nur in Leer nicht.“ In Leer dürfen die Einrichtungen selber entscheiden, welche Kinder sie aufnehmen. An feste Kriterien müssen sie sich nicht halten. Sie müssen nicht einmal bekannt geben, wie sie ihre Entscheidung treffen.

Das ist in den vergangenen Monaten von Eltern öffentlich heftig kritisiert worden. Auch der Landkreis wisse, dass dieses Verfahren nicht optimal sei, hatte vor einigen Wochen die zuständige Dezernentin Ute Buntrock gesagt und gemeint, dass man an einem einheitlichen Bewertungssystem im Kreis arbeite.

Nicht mit fliegenden Fahnen gegangen

Grundsätzlich wäre der Landkreis im gesamten Kreisgebiet für die Kinderbetreuung zuständig. Diese Aufgabe hat er aber per Vereinbarung an die Städte und Gemeinden abgegeben. Die Stadt Leer ist im vergangenen Jahr aus dieser Vereinbarung ausgestiegen, nachdem sie sich nach jahrelangen Diskussionen nicht mit dem Kreis über dessen finanzieller Beteiligung an den Betriebskosten der Kitas einigen konnte. Dort ist nun wieder der Landkreis zuständig, der sich nun nach Kräften müht, die fehlenden rund 150 Betreuungsplätze aufzutreiben.

Mit fliegenden Fahnen verlässt die junge Familie die Stadt Leer nicht: „Wir wären geblieben, wenn es nicht das Problem mit dem Kindergartenplatz gegeben hätte“, sagt die Mutter.

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