Fiese Masche  Facebook-Suchaufruf aus Leer ist ein Betrug

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 04.08.2023 11:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf Facebook tummeln sich auch Betrüger. Symbolfoto: Weißbrod/dpa
Auf Facebook tummeln sich auch Betrüger. Symbolfoto: Weißbrod/dpa
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Mit einem dramatischen Aufruf wurde auf Facebook auf ein angeblich verschwundenes Mädchen aus Leer aufmerksam gemacht. Eine Falle. Wer darauf reingefallen ist, könnte teuer dafür zahlen.

Leer - „Das Leben eines Kindes steht auf dem Spiel. Teilen Sie diesen Beitrag und helfen Sie uns, ein vermisstes Mädchen zu finden.“ So dramatisch wird im sozialen Netzwerk auf den angeblichen Vermisstenfall der 14-jährigen Kathrin Duerr in Leer aufmerksam gemacht. „Angeblich“ deshalb, weil ein Blick ins Internet zeigt, dass das Kind auch in Buchloe, Bramsche, Rheine, Unna und unzähligen anderen Städten in Deutschland gesucht wird.

Was und warum

Darum geht es: Auf Facebook wurde aufgerufen, bei der Suche nach einem Mädchen zu helfen, das in Leer vermisst wird. Der Aufruf ist aber ein Fake.

Vor allem interessant für: Facebook-Nutzer und alle, die sich bei Dienstleistern im Internet angemeldet haben

Deshalb berichten wir: Wir sind auf den Aufruf aufmerksam geworden und darauf, dass der auch in anderen Städten erschienen ist.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Andre Wolf kennt das Phänomen. Er ist Pressesprecher von Mimikama, einem Verein, der über Internetmissbräuche aufklärt. Es handele sich um eine Internet-Betrugsmasche, die alle, die darauf reinfallen, teuer zu stehen kommen könnte, sagt er. Auch Svenia Temmen, Pressesprecherin der Polizei-Inspektion, warnt davor, alles zu glauben, was auf Facebook zu lesen ist: „Heute sollte jeder wissen, dass da auch Sachen stehen, die nicht stimmen.“

Was steckt hinter dem falschen Suchaufruf?

Der scheinbare Hilferuf sei eine dreistufige Masche, erklärt Wolf. Zunächst werde mit einem emotionalen Post wie einem Suchaufruf Betroffenheit erzeugt: „Die Leute wollen helfen und klicken auf den angehängten Link.“ Der gehört zu Stufe zwei. In der Regel lande man auf einer Seite, die aussehe wie die von bekannten Medien wie Spiegel online oder einer der großen Tageszeitungen.

Dort werde man dann im dritten Schritt aufgefordert, sich beispielsweise ein weiteres Mal bei Facebook einzuloggen, um die gewünschten Informationen lesen zu können. Diese Daten würden dann abgegriffen, gephisht, wie es bei Experten heißt. „Damit haben die Täter dann Benutzername und Passwort. Und da viele Menschen faul sind und diese Kombination auch bei anderen, teils sensiblen Seiten wie Amazon oder Paypal, nutzen, sind sie dort angreifbar.“

Woran merkt man, dass man Betrügern auf den Leim gegangen ist?

Wer die Sicherungsmöglichkeiten, die Facebook biete, ausgenutzt habe, werde per Mail informiert, wenn der eigene Account von einem anderen Computer aufgerufen worden sei, sagt Wolf. Dann sollte man hellhörig werden. Oft würde der gephishte Facebook-Account von den Tätern auch genutzt, um den betrügerischen Post an die dort hinterlegten Kontakte zu schicken. Das erkenne man im eigenen Profil. Im schlimmsten Falle merke man, dass Benutzername und Passwort gekapert wurden, wenn beispielsweise bei Amazon unter dem eigenen Profil Bestellungen oder bei Paypal Überweisungen getätigt wurden, die nicht von einem selbst stammen. Spätestens dann sei es höchste Zeit, die Benutzername-Passwort-Kombinationen bei den verschiedenen Seiten zu ändern.

Wie kann man sich schützen?

Zuallererst, indem man genau hinschaue, sagt Wolf. Man könne beispielsweise die Bildersuche bei Google nutzen, um zu prüfen, ob das auf dem Leeraner Suchaufruf abgebildete Mädchen tatsächlich aus Leer stamme. Im Falle einer Vermissten-Suche biete es sich an, auf der Facebook-Seite der Polizei oder auf der Homepage nachzuschauen, ob sich der Aufruf auch hier finde. Das empfiehlt auch Temmen. „Wenn nichts gegen die Veröffentlichung eines Suchaufrufs spricht, steht es auf unserer Facebook-Seite, aber ohne Bild.“ Das lasse sich später nicht mehr entfernen. Deshalb werde das nur auf dem Presseportal der Polizei veröffentlicht, den Link dorthin finde man im Facebook-Post.

Andre Wolf empfiehlt außerdem allen Nutzern von sensiblen Seiten im Internet die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung. Die bieten heute viele Online-Dienste an. Dabei reicht dann ein Passwort alleine nicht mehr aus, sondern es wird nach einem zweiten Beweis der eigenen Identität gefragt, beispielsweise durch den Fingerabdruck oder einen zweiten Code, der an ein anderes Gerät geschickt wird.

Die angeblich vermisste 14-jährige Kathrin Duerr, die unter anderem in Leer gesucht wird, gibt es nicht. Das Mädchen auf dem Foto offenbar wohl. Es handele sich wohl um ein Mädchen aus dem amerikanischen Wisconsin, das tatsächlich einige Tage vermisst gewesen, später aber wieder aufgetaucht sei, sagt Wolf.

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