Die gelbe Gefahr  Pferdehalter in Sorge – Jakobskreuzkraut breitet sich aus

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 03.08.2023 18:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das Jakobskreuzkraut hat leuchtend gelbe Blüten und wird 30 bis 100 Zentimeter hoch. Im ersten Jahr erscheint nur eine feste Blattrosette. Foto: Ortgies
Das Jakobskreuzkraut hat leuchtend gelbe Blüten und wird 30 bis 100 Zentimeter hoch. Im ersten Jahr erscheint nur eine feste Blattrosette. Foto: Ortgies
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Es blüht leuchtend gelb und lockt viele Bienen und Schmetterlinge an. Doch das Jakobskreuzkraut kann für Rinder und Pferde zur tödlichen Gefahr werden.

Ostfriesland - Selbst bei Dauerregen leuchten momentan die Blüten eines Krautes, das so harmlos aussieht, aber sogar schon als „Killerpflanze“ gebrandmarkt wurde. An einigen Straßenrändern und auf Verkehrsinseln steht das Jakobskreuzkraut dicht an dicht. Würde es nur dort wachsen, wäre das keine Problem. Im Gegenteil, denn Bienen, Hummeln und Schmetterlinge saugen darauf eifrig Nektar. Aber leider ist die Pflanze giftig und kann Weidetieren den Tod bringen.

Was und warum

Darum geht es: Das Jakobskreuzkraut breitet sich in der Landschaft aus. Das ist für einige Tiere nicht ungefährlich

Vor allem interessant für: Menschen, die Pferde oder Rinder haben oder Allergiker sind

Deshalb berichten wir: Eine Leserin hatte uns angeregt, über das Kraut zu berichten und auf die Gefahr aufmerksam zu machen

Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de

Dass sich das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) inzwischen auf vielen Wiesen ausbreitet, macht Reitern und Reiterinnen wie Tanja Michel große Sorgen. Sie ist Vorsitzende des Vereins der Freizeitreiter Ostfriesland. Dieser bemühe sich seit mindestens zehn Jahren, auf die Gefahr für Pferde und Ponys durch die Pflanze aufmerksam zu machen. Leider nicht mit dem Erfolg, den Michel sich wünschen würde.

Pflanze ist sehr bitter

„Ich entdecke Jakobskreuzkraut auf abgefressenen Pferdeweiden und kargen Paddocks, offensichtlich ohne dass die Eigentümer sich der Gefahr bewusst sind“, berichtet sie. Zwar schmecke die Pflanze extrem bitter, weshalb sie von den Tieren auf der Weide gemieden werde. Aber selbst wenn nur ein paar Blätter doch gefressen werden, könne das schwere Folgen haben. Denn die in den Pflanzen enthaltenen Pyrrolizidin-Alkaloide sammeln sich in der Leber an.

Die Symptome träten dann erst sehr viel später auf, und leider sei es dann oft zu spät und die Tiere stürben daran. Wirklich problematisch wird das Jakobskreuzkraut jedoch, wenn es mit Gras und anderen Pflanzen auf der Wiese gemäht und zu Heu getrocknet wird. Denn im getrockneten Zustand ist es nicht mehr so bitter, aber noch ebenso giftig – und vor allem schwer zu finden.

Gefahr lauert vor allem im Heu

Dazu müsste man schon das Heu absuchen, aber getrocknet ist das Kraut nicht so leicht zu erkennen. „Die beste Möglichkeit vorzubeugen ist aus meiner Sicht die Weiden regelmäßig und vor allem vor der Mahd genau zu kontrollieren“, sagt Michel. Viele Reiterinnen und Reiter würden jedoch mittlerweile ganze Rundballen in Raufen legen, die Tiere zupfen dann das Gras heraus. „Das ist praktisch, aber so hat man keine Möglichkeit zu kontrollieren, ob Jakobskreuzkraut dazwischen ist“, sagt Michel.

Anders als oft vermutet wird, ist das Jakobskreuzkraut kein Neophyt, wurde also nicht eingeschleppt. Es ist vielmehr in ganz Europa heimisch und wurde von hier aus nahezu in die ganze Welt verbreitet. Es wächst bevorzugt auf kargen Böden. Warum es sich in den vergangenen Jahren so stark ausgebreitet hat, ist nicht abschließend geklärt. Aber es hat wohl mit klimatischen Veränderungen zu tun. Ist es im Frühjahr bereits warm und trocken, kann das Jakobkreuzkraut, das pro Pflanze tausende von Samen verstreut, sich gut ansiedeln.

Auf Kahlstellen keimt das Kraut

Vor allem, wenn durch Trockenheit das Gras nicht so dicht wächst oder sich gar Risse zwischen den Wurzeln bilden. Als einer der Ursachen für die zunehmende Verbreitung werden unter anderem schlecht gepflegte Weideflächen angesehen, auch Überweidung von Wiesen bei zu hohem Besatz, so die Landwirtschaftskammer Niedersachsen in einem Merkblatt. Dadurch nehme die Konkurrenz durch die erwünschten Futterpflanzen ab und auf Kahlstellen könne das Kraut keimen.

Im ersten Jahr bildet das Jakobskreuzkraut eine feste Blattrosette, die gut zu erkennen ist und die man relativ gut ausstechen kann. Michel rät, die Weiden im Frühjahr zu begehen und die Pflanzen zu entfernen. „Ich selber habe vor zwei Wochen die erste Pflanze auf einer meiner Weiden entdeckt und umgehend entfernt“, sagt sie. Leider seien gerade extensiv bewirtschaftete Flächen ein idealer Standort für das Jakobskreuzkraut, dabei sei das Heu von diesen Wiesen eigentlich ideal für Pferde.

Vom Wegesrand auf Weideland

Auf intensiv genutztem Grünland mit Grassorten, die für Silage genutzt werden, habe das Kraut dagegen kaum eine Chance. „Aber solche Hochleistungsgräser sind kein gutes Futter für Pferde“, sagt Michel. Deshalb müssten die Landwirte mit extensiven Flächen unbedingt darauf achten, die Grasnarbe möglichst geschlossen zu halten. „Unser Verein bietet seit zehn Jahren Vorträge zum Jakobskreuzkraut an“, sagt Michel. Diese habe sie schon damals interessiert angehört, „aber zu der Zeit habe ich bei uns keine einzige Pflanze des Jakobskreuzkrauts gefunden“.

Das hat sich komplett geändert. Wenn das Jakobskreuzkraut an Wegesrändern auch keine direkte Gefahr für Weidetiere darstellt, so kann es sich trotzdem von dort aus auf Felder aussäen. „Ich würde mir vor allem eine fachkundigere Bekämpfung wünschen“, sagt Michel deshalb. Wenn die Straßenrändern nach dem Mähen gemulcht werden, fördere das die Ausbreitung noch.

Die Raupen des Blutbärs schädigen das Jakobskreuzkraut so stark, dass es abstirbt. Foto: Schmutzler-Schaub/stock.adobe.com
Die Raupen des Blutbärs schädigen das Jakobskreuzkraut so stark, dass es abstirbt. Foto: Schmutzler-Schaub/stock.adobe.com

Außerdem seien die Vorkommen außerhalb von landwirtschaftlich genutzten Flächen, also an Straßenrändern, als natürliche Vorkommen zu betrachten, so die Landwirtschaftskammer. Eine Bekämpfung sei eigentlich nicht notwendig. Dagegen empfiehlt die Kammer, auf Flächen für die Heu- und Silagegewinnung unbedingt vor der Blüte zu schneiden. Eine zweite Mahd verhindere, dass erneut austreibende Pflanzen zur Blüte kommen.

Nicht auf dem Kompost entsorgen

Wer die Pflanzen vor der eigenen Haustür oder in der Umgebung ausgestochen hat (dabei besser Handschuhe tragen), sollte sie unbedingt über den Hausmüll entsorgen. Auf dem Kompost könnten die Samen ausreifen und so verbreitet werden. Nur Blattrosetten ohne Blüten dürfen auf den Komposthaufen.

Aber selbst die giftigste Pflanze hat einen Fressfeind. In diesem Fall ist es der Blutbär, eine Schmetterlingsart, deren auffällige Raupen sich ausschließlich vom Jakobskreuzkraut ernähren. Als eine Methode im biologischen Landbau hat ein Landwirt in Schleswig-Holstein damit begonnen, die Larven des Blutbärs zu züchten und gezielt auf dem Kraut auszubringen. Freizeitreiterin Tanja Michel dagegen hofft, dass Pferdehalter überhaupt verstehen, welche Gefahr von dem Kraut mit den gelben Blüten ausgeht.

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