Osnabrück Wenn es Bindfäden regnet: Die Redewendungen zum Dauerregen
Warum regnet es Bindfäden? Der Regen verlässt uns nicht - in diesen Sommertagen. Ganz gegen die Saison: Ein Streifzug durch Redensarten zum Thema Regen. Mit aufgespanntem Schirm.
So ein Regen platscht und prasselt, tröpfelt oder trommelt. So ein richtiger Regen bleibt auch einmal gern, schert sich nicht um August und Sommer – so wie in diesen Tagen.
Es regnet wirklich Bindfäden. Die Redewendung klingt hübsch. Der Regen, der tagelang unentwegt vom Himmel fällt, ist es nicht. Tröstlich klingt da nur das süddeutsche Pendant: Es schnürlt. Eine herrliche Wortschöpfung, die einen fast versöhnen kann mit tagelangem Dauerregen.
Nach dem Regen scheint auch wieder die Sonne, meint der besonders hohle Volksmund gern. Will sagen: Alles ändert sich. Als wäre das nicht das Gesetz der Welt.
Derzeit gilt wohl nur, dass es kein Kunststück ist, nicht vom Regen in die Traufe zu kommen. Von einer misslichen Lage in eine mindestens ebenso negative, wenn nicht noch schwierigere Situation geraten – das ist mit dieser Redewendung gemeint. Wer sich vor einem Schauer schützen will und sich unter ein Dach stellt, sollte das nicht ausgerechnet dort tun, wo das in der Rinne gesammelte Regenwasser gesammelt nach unten fließen soll. Oft läuft die Wasserflut genau dort über.
Manchmal soll es ja sogar Katzen und Hunde regnen. It´s rainig cats and dogs, sagen die Briten beim Wolkenbruch. Der Spruch ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich eine Redewendung als Übersetzung etablieren kann. Allerdings scheint diese Redeweise noch nicht stabil etabliert zu sein.
Ein Regen, der einfach nicht enden will, macht einen auch so melancholisch. „Denn der Regen, der regnet jeglichen Tag“, bemerkt der Narr in Shakespeares „König Lear“ und meint damit keinen Blick auf die Wetterkarte, sondern einen Ausdruck für Schwermut, die nicht weichen will.
Es sind ausgerechnet seine umsorgten Töchter, die Lear im Regen stehen lassen. Wer dort ist, erscheint unbehaust und schutzlos. Ein Königreich für ein Pferd? Nein, ein Schutzschirm für King Lear und für jeden, der ihn sonst noch braucht.
Glücklich, wer den Schirm auch bei Niederschlägen nicht braucht. Den trifft womöglich ein warmer Regen. Wer hätte etwas gegen jenen unverhofften Geldsegen, der damit gemeint ist. Für die Natur ist der Regen, der jetzt ohne Unterlass fällt, auf jeden Fall ein warmer Regen. Gut so.