Regenerative Energie Waren Mini-Windkraftanlagen für das Dach ein Reinfall?
Vor einem Jahr kauften die Oskes aus Wiesmoor Mini-Windkraftanlagen für ihr Dach. Als sie jetzt ein Elektriker endlich installierte, war die Enttäuschung groß. Selbst bei Sturm dreht sich nichts.
Wiesmoor - Herbert Oske hatte es sich so schön vorgestellt, als er die drei Mini-Windkraftanlagen im Internet bei der Firma SkyWind in Langenhagen bestellte. Sie sollten auf dem Dach des Familienhauses dabei helfen, noch mehr für das Klima zu tun. Die Seite des Herstellers schien vertrauenswürdig. Mehrere Beiträge zu den Produkten von verschiedenen Fernsehsendern wie dem NDR Niedersachsen über den jungen Firmengründer Fritz Unger und seine Vision hatte er gefunden. Es gab also keinen Grund, am Gelingen des Projektes zu zweifeln, oder?
Was und warum
Darum geht es: Herbert Oske hat vor einem Jahr Mini-Windkraftanlagen im Internet bestellt. Die drehen sich bis heute nicht.
Vor allem interessant für: Installateure und alle, die nach Lösungen suchen, wie sie ihr Haus mit regenerativer Energie versorgen können
Deshalb berichten wir: Herbert Oske hat sich an die Redaktion gewandt, weil er andere Menschen davor warnen möchte, den gleichen Fehler wie er zu machen.
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Inzwischen ist dieser Klick mehr als ein Jahr her, mit dem Oske die Anlagen mit einem guten Rabatt zahlungspflichtig bestellte. Es war ein Jahr, das der Rentner größtenteils mit der Suche nach Monteuren verbracht hat. Erst einmal nach einem Dachdecker, der die Halterungen fachgerecht montierte. Dann, was noch viel schwerer war, nach einem Elektriker, der diese Anlagen auf dem Dach installiert und anschließt. In der Anleitung stand schließlich: Die Montage solle von einem Fachbetrieb durchgeführt werden – daran wollte sich Oske halten.
Eine lebenswerte Welt hinterlassen
Herbert und Ingrid Oske wollten die Welt mit der Anlage ein wenig besser machen – oder besser gesagt: Sie wollen etwas wieder gutmachen. „Wir wussten ja lange nicht, was wir mit unserem Lebensstil der Umwelt antun“, sagt Herbert Oske. Die Familie hatte zu den eigenen Kindern weitere Pflegekinder aufgenommen. Dass sie jetzt dafür sorgen müssen, ihnen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen, ist für das Paar selbstverständlich.
Deshalb engagieren sie sich für Klimaschutz. Nach und nach haben sie ihr Haus auf regenerative Energieträger umgestellt. Seit zweieinhalb Jahren besitzt das Ehepaar eine Wärmepumpe. Auf dem Garagendach ist eine zur Sonne geneigte Solaranlage installiert. In den dunklen und windreichen Herbst- und Wintermonaten sollten die Windkraftanlagen für weiteren Strom sorgen. Auch wenn der Ertrag in einem Wohngebiet mit größeren Bäumen vielleicht nicht so hoch ist wie auf dem freien Feld, gibt Herbert Oske zu bedenken. Er war bereit, die Einschränkungen hinzunehmen.
Monteure waren nicht zu finden
Aber erst einmal mussten die Anlagen sich überhaupt drehen – das allein war schwer genug. „Es war einfach kein Betrieb zu finden, der sie installieren wollte“, sagt Oske. Lange hatten die Halterungen ohne die Windkraftanlagen auf dem Hausdach gestanden. „Die Nachbarn dachten schon, wir wollen zu den Außerirdischen funken“, sagt Herbert Oske und lacht. Dann endlich bekam er einen Elektriker zu fassen, der in der Nachbarschaft zu tun hatte. Er erklärte sich bereit, die Anlage zu installieren.
In einem kleinen Abstellraum im ersten Stock des Hauses sind inzwischen die drei zu den Anlagen gehörenden Frequenzumrichter fein säuberlich an die Wand montiert. Herbert Oske zeigt das Loch, aus dem das Kabel vom Dach hier ankommt. Es könnte also losgehen mit der Produktion von Windstrom. Das Problem ist nur: Die Anlagen haben sich nie gedreht. Dabei sind zwei der bestellten Mini-Kraftwerke fertig installiert. „Nicht einmal der heftige Sommersturm hat sie zum Drehen gebracht“, sagt Oske.
Ein Windrad wurde falsch geliefert
Das dritte Windrad kam mit falschen Flügeln an. „Es ist, als hätte der Hersteller zwei linke Schuhe geschickt“, erklärt Oske. Diese Anlage liegt also noch immer in der Wohnung – und Oske ist ratlos. Er könnte sie zurückschicken und würde neue Flügel bekommen. Aber wozu, wenn sich die Anlage eh nicht drehen wird? „Das Problem ist leicht zu beheben“, heißt es in der technischen Service-Hotline bei SkyWind. Dazu müsse man vom Service mit dem Installateur nur durchgehen, wie die Anlage verdrahtet und geschaltet sei. „Es sieht so aus, als wäre die Notabschaltung aktiv“, erklärt ein Hotline-Mitarbeiter des Unternehmens. Die Notabschaltung ist notwendig, wenn der Wind zu heftig bläst und die Anlage überlasten würde, und wirkt wie eine Bremse. Sei sie immer aktiv, weise das auf einen Fehler beim Anschluss hin.
Der SkyWind-Mitarbeiter bestätigt ebenfalls, dass sich Oske während seiner verzweifelten Suche nach Installateuren hilfesuchend an das Unternehmen gewandt hatte. „Ich dachte, sie müssten doch Installateure schicken können, die im Notfall helfen“, sagt Herbert Oske. Doch damit kann das Unternehmen nicht dienen. „Wir haben zwar schon mehr als 10.000 Anlagen verkauft, sind aber noch immer ein Start-up“, so der SkyWind-Mitarbeiter. Sich um die Installation selbst zu kümmern sei deshalb einfach nicht möglich.
Nichts dreht sich
So starrt Herbert Oske weiterhin jeden Tag auf die Anlagen auf seinem Dach. Statt die Welt zu retten, waren sie für ihn ein Reinfall. Mehr als 7000 Euro hat er allein für die Mini-Kraftwerke gezahlt. Dazu kommen die Kosten für die Dachmontage und den Anschluss. Viel Geld für Anlagen, die sich nicht drehen. So einfach die vom technischen Support angebotene Hilfe zu sein scheint: Die Umsetzung ist schwer. Der einzige Elektriker, der den Oskes das Windrad aufs Dach bauen wollte, meldet sich nicht zurück. Ohne Installateur, der den Fehler mit dem Support zu suchen bereit ist, wird sich auch in Zukunft nichts drehen.
In der Hotline bei SkyWind heißt es, dass man dann auch nichts machen könne. Herbert Oske ist so frustriert, dass er die Anlagen lieber früher als später abbauen und entsorgen möchte. Die Enttäuschung ist groß. „Wir haben viele Bekannte, die ganz wild auf eine solche Anlage waren“, sagt Oske. „Aber sie wollten abwarten, welche Erfahrungen wir damit machen. Das Unternehmen hätte viele Mühlen verkaufen können.“ Hätte. Denn ob die Anlage auf dem Dach laut ist und ob ihr Ertrag sich überhaupt lohnt – diese Fragen werden die Oskes wohl nie beantworten können.
Für die Fachbetriebe noch ein neues Feld
Klaus Freese ist Obermeister der Innung für Elektro- und Informationstechnik in Ostfriesland. Er hat Verständnis für das Zögern seiner Kollegen. „Die Technik ist hier bei uns noch ganz neu. Ich kenne niemanden, der bisher eine solche Anlage auf ein Dach montiert hat“, sagt Freese. Mit einem im Internet bestellten Produkt zu einem Fachbetrieb zu kommen sei grundsätzlich eher problematisch. „Es ist, als würden Sie Bremsscheiben zu einer Autoreparatur selbst mitbringen“, so Freese – das wäre undenkbar.
Fachbetriebe täten sich schwer, unbekannte Produkte zu nutzen, erklärt der Fachmann. „Wenn sie nicht funktionieren, kaputtgehen oder Schaden anrichten, fällt das schließlich auch auf den Installateur zurück.“ Sollten sich weitere Privatleute für eine solche Anlage interessieren, empfiehlt er, sie direkt über den Fachbetrieb zu bestellen. „Dann gibt es auch keine Probleme damit, dass sich Hersteller und Installateur gegenseitig die Verantwortung zuschieben.“
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