„Fremantle Highway“ Frachter wird wohl nach Eemshaven geschleppt
Die Anzeichen verdichten sich, dass der ausgebrannte Frachter „Fremantle Highway“ nach Eemshaven geschleppt werden soll. Die Wahl des Hafens hat dabei auch mit der Ladung an Bord zu tun, wie ein Experte erklärt.
Ameland/Eemshaven/Berlin - Der ausgebrannte Autofrachter „Fremantle Highway“ soll voraussichtlich nach Eemshaven geschleppt werden. Ein Sprecher sagte der Zeitung „Leeuwarder Courant“, dass der Hafen „wahrscheinlich“ das Ziel des havarierten Schiffs werde. Die Chance, dass dies noch am Mittwoch offiziell bekannt gemacht werde, sei groß.
Die Zeit bei der Suche nach einem Hafen dränge, sagte Peter Berdowski. Der Chef des Bergungsunternehmens Boskalis erklärte in einem Gespräch mit dem niederländischen TV-Magazin „Nieuwsuur“ am Dienstagabend, dass die „Fremantle Highway“ schnellstmöglich in einen sicheren Hafen gebracht werden solle. Derzeit wird das Schiff, auf dem in der vergangenen Woche ein Feuer ausgebrochen war, von Schleppern vor den niederländischen Wattenmeerinseln Ameland und Schiermonnikoog in Position gehalten. Doch je länger der knapp 200 Meter lange Frachter dort liege, desto länger biete er auch Angriffsfläche für den Wind, sagte Berdowski – und desto größer sei die Gefahr, dass das Schiff näher an die Küste getrieben werde.
800 Autos an Bord könnten noch relativ intakt sein
Am Dienstagabend war die „Fremantle Highway“ plötzlich nach Osten, in Richtung der deutschen Hoheitsgewässer, getrieben, nachdem die Ankerverbindung gerissen war, wie der NDR berichtete. Das Bundesverkehrsministerium teilte daraufhin mit, dass das Schiff zu keinem Zeitraum unkontrolliert in der Nordsee getrieben habe. Die Lage scheint jedoch ernst genug gewesen zu sein, dass sich das deutsche Küstenwachen-Schiff „Mellum“ von Hooksiel aus in Richtung Niederlande aufmachte, wie Positionsdaten des Dienstes „MarineTraffic“ zeigen. Später drehte es jedoch wieder ab.
Das Feuer auf der „Fremantle Highway“ war in der Nacht auf den 26. Juli ausgebrochen. Ein Mitglied der insgesamt 23-köpfigen Besatzung starb während der Evakuierung durch den ausströmenden Rauch, die übrigen wurden verletzt und anschließend in Klinken behandelt. Äußere Anzeichen dafür, dass das Feuer noch brennt, gibt es nach Angaben der niederländischen Wasserbehörde Rijkswaterstaat nicht mehr. Am Dienstag waren Experten auf dem Schiff, um das Ausmaß der Schäden zu begutachten. Denn auch davon hänge ab, in welchen Hafen der ausgebrannte Frachter geschleppt werden soll, sagte Berdowski. Er gehe beispielsweise davon aus, dass noch etwa 800 der knapp 3800 Autos an Bord des Schiffs so weit intakt seien, dass man für sie Parkplätze am Hafen brauche.
Ministerium nahm nach Unglück eine Person fest
Das wäre in Emden wohl kein Problem gewesen, wo die „Fremantle Highway“ regelmäßig festgemacht hatte, um Fahrzeuge zu laden oder abzuliefern. Der ostfriesische Hafen war in den vergangenen Tagen auch als mögliches Ziel genannt worden. Berdowski schien aber schon am Dienstag Eemshaven auf der niederländischen Seite der Emsmündung zu favorisieren.
Derweil ist die Ursache für das Feuer auf der „Fremantle Highway“ offiziell weiterhin nicht bestätigt. Als wahrscheinlich gilt, dass der Brand an einem der knapp 500 Elektroautos entstanden ist und sich dann ausgebreitet hat. Das niederländische Justizministerium nahm in Zusammenhang mit dem Unglück eine Person vorübergehend fest, wie der „Leeuwarder Courant“ mit Verweis auf einen Ministeriumssprecher berichtete. Inzwischen sei der oder die Verdächtige wieder auf freiem Fuß, Hinweise auf eine Straftat gebe es nicht. Dazu, ob sich die Person, gegen die ermittelt wurde, während des Feuers auf dem Frachter befand, äußerte sich der Sprecher nicht.
Forderung nach größeren Abständen zur Küste
Politik und Verbände sehen das Unglück als Warnung, das Wattenmeer noch stärker zu schützen: „Es ist fahrlässig, eine der meistbefahrenen Schifffahrtstraßen der Welt, die Route ‚Terschelling German Bight‘, so nah an diesem einzigartigen Ökosystem entlangzuführen“, sagte Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbunds Nabu, laut Mitteilung. „Drei schwere Zwischenfälle seit 2017 verlangen Antworten der Politik, allen voran vom Bundesverkehrsministerium.“ Damals war die „Glory Amsterdam“ vor Langeoog auf eine Sandbank gelaufen, Anfang 2019 hatte dann die „MSC Zoe“ in der Nordsee Hunderte Container verloren. „Tanker, große Containerschiffe und Gefahrguttransporte – zu denen ab sofort auch Autotransporte gehören sollen – müssen zwingend auf das weiter nördlich liegende Verkehrstrennungsgebiet ausweichen“, forderte Miller.
Und auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Julian Pahlke aus Leer pocht auf veränderte Routen für Frachter mit gefährlicher Ladung: „Frachter mit gefährlichen Gütern müssen endlich einen größeren Abstand zur Küste und die nördlicher gelegene Route nehmen“, sagte Pahlke am Mittwoch in Berlin. „Diese Anpassungen müssen auch für den Bundesverkehrsminister eine hohe Priorität haben.“
Mit Material von DPA