Konzert am Wochenende  Warum wurde das Rechtsrock-Konzert in der Krummhörn genehmigt?

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 02.08.2023 11:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Rechtsrockkonzerte, wie hier 2019 im thüringischen Themar, stellen Verwaltungen immer wieder vor Herausforderungen. Oft lassen sich die Konzerte nicht verbieten. Symbolfoto: DPA
Rechtsrockkonzerte, wie hier 2019 im thüringischen Themar, stellen Verwaltungen immer wieder vor Herausforderungen. Oft lassen sich die Konzerte nicht verbieten. Symbolfoto: DPA
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Eine Band mit eindeutigen Verbindungen in die rechtsextreme Szene sollte, eingeladen von Neonazis, in der Krummhörn auftreten. Warum wurde das überhaupt genehmigt?

Krummhörn - Eine Band, die aus Neonazis besteht. Im Hintergrund Organisatoren, die dem gleichen Spektrum zuzuordnen sind. Der Konzertabend „Live in der Krummhörn 2“ wirft Fragen auf. Unter anderem: Warum wurden dieses Konzert und der Vorgänger im vergangenen Jahr überhaupt genehmigt?

Was und warum

Darum geht es: Landkreis Aurich und Gemeinde Krummhörn sehen bislang keine Gelegenheit, das von Mitgliedern der rechten Szene geplante Konzert in der Krummhörn zu verbieten.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die Entwicklungen rund um das geplante Rechtsrock-Konzert interessieren.

Deshalb berichten wir: Wir haben uns gefragt, welche Handhabe die Behörden gegen das Konzert haben.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Zuständig für diese Genehmigung sind sowohl die Gemeinde Krummhörn, die die Ausschankgenehmigung erteilt, als auch der Landkreis Aurich. Dieser ist für die „Umnutzung“ der Räumlichkeiten des Lohnunternehmens Voß in Canum in der Gemeinde Krummhörn zuständig.

Ein Hinweis: Offiziell wurde der Auftritt der Band „Gehasst, verdammt, vergöttert“ (GVV) für kommenden Samstag abgesagt. Stattdessen soll eine andere Böhse-Onkelz-Coverband spielen. GVV hat auf ihrer Internetseite die Absage am Dienstagabend bestätigt. Die Bandmitglieder von GVV haben enge Verbindungen in die militante Neonazi-Szene.

Gemeinde sind die Hände gebunden

Gegen eine Ausschankgenehmigung spreche nichts, ist seitens der Gemeinde zu erfahren. Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) ist von dem geplanten Konzert allerdings nicht begeistert. Viel Handhabe habe die Gemeinde aber nicht. „Jeglichen Extremismus, egal ob von rechts oder links, lehnen wir entschieden ab! Insofern sehen wir dieses Konzert durchaus kritisch. Bei der Erteilung von Genehmigungen jeder Art, sind wir als Gemeinde allerdings stets an den rechtlichen Rahmen gebunden“, heißt es aus dem Rathaus.

Recherchen dieser Zeitung haben allerdings ergeben, dass die Gemeinde Krummhörn ein „Werbeverbot“ ausgesprochen hat. Demnach dürfen die Veranstalter die zunächst angekündigte Band „Gehasst, verdammt, vergöttert“ nicht bewerben. Für ein komplettes Versagen der angefragten Genehmigung oder gar ein Verbot der Veranstaltung habe man keine rechtliche Grundlage. Gegen das Werbeverbot haben die Veranstalter geklagt. Das bestätigt das zuständige Verwaltungsgericht Oldenburg auf Nachfrage. Nun angekündigt ist eine Onkelz-Coverband mit dem Namen „Viva Los Tios“. Um wen genau es sich dabei handelt, ist noch unbekannt. Ebenfalls nicht mehr auftreten wird die Band „Ernstfall“, die durch einen Wolfgang-Petry-Cover-Musiker ersetzt wurde. Gründe für diesen Wechsel sind nicht bekannt.

Ist der Veranstaltungsort geeignet?

Auch stellt sich die Frage, ob denn die Räumlichkeiten des Lohnunternehmens überhaupt für eine Veranstaltung dieser Art geeignet sind. Dies sei, so der Landkreis Aurich auf Nachfrage, im vergangenen Jahr bei der Erstauflage von „Live in der Krummhörn“ überprüft worden. Damals habe eine Ortsbegehung stattgefunden. Aus diesem Grund habe der Landkreis die erforderliche Genehmigung dieses Mal ohne erneute Begehung vergeben. „Es wird im Vorfeld des Konzertes aber noch eine Inaugenscheinnahme stattfinden“, heißt es.

Die Räumlichkeiten seien für bis zu 400 Personen geeignet. Wie viele Teilnehmer es im vergangenen Jahr gab, ist unbekannt. Die vergangene Veranstaltung wurde aber, anders als in diesem Jahr, nicht so offensiv beworben und verbreitete sich eher über Mundpropaganda.

Gruppen sind nicht verboten

Die Recherchen dieser Zeitung zeigen zwar, dass es sich bei den Organisatoren um Personen mit Verbindungen zur Neonazi-Szene handelt. Aber die auftretenden Gruppen selbst sind nicht verboten.

Dies bestätigt auch die Polizei Aurich. „Nach unserem bisherigen Erkenntnisstand ist keine der Gruppen verboten.“ Allerdings schränkt die Polizei auch ein, dass aktuell nicht sicher gesagt werden könne, „welche Bands nun tatsächlich auftreten werden“.

Mehr Widerstand formiert sich

Unterdessen gehen nicht nur Krummhörnerinnen und Krummhörner aus dem Umfeld der Aktion „Partnerschaft für Demokratie“ auf die Barrikaden. Diese wollen am Samstag um 18.15 Uhr vom nahegelegenen Aldi-Parkplatz aus ein Zeichen gegen das Konzert setzen. Ferner überlegt die Gruppe, wie sie das Thema Neonazis in der Krummhörn künftig stärker in den Fokus rücken können. Auch die Auricher Organisation „Aurich zeigt Gesicht“ verurteilt das angekündigte Konzert von „Gehasst, verdammt, vergöttert“.

Auch der Verein „Afrikanische Diaspora Ostfriesland“ sieht das ursprünglich angekündigte Konzert kritisch. „Uns bereitet dieses Konzert große Sorgen. Unter dem Deckmantel eines Rock-Metalkonzertes spielen rechte Bands mit Kontakten in die rechtsradikale und militante Szene.“

Am Samstag könnte es im Umfeld des Konzerts zu weiteren Gegenprotesten kommen.

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