Zwischenstopp in der Krummhörn  Schweizer fährt mit dem Fahrrad vom Nordkap bis nach Gibraltar

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 03.08.2023 17:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Alles, was Phillipe Comte bei seinen Reisen braucht, kann er mit seinem Fahrrad transportieren. Foto: Wagenaar
Alles, was Phillipe Comte bei seinen Reisen braucht, kann er mit seinem Fahrrad transportieren. Foto: Wagenaar
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Phillipe Comte ist derzeit auf großer Tour durch Europa. Diese Woche hat er Halt in der Krummhörn gemacht.

Krummhörn - Mit nasser Kleidung und einem schwer beladenen Fahrrad kommt Phillipe Comte am Dienstagmorgen in der Redaktion an. „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung“, sagt er wenig später bei einem wärmenden Kaffee. Seit Mitte Mai ist der Schweizer mit dem Fahrrad unterwegs. Er möchte vom Nordkap in Norwegen bis nach Gibraltar an der Südküste Spaniens fahren. Nach über 4500 geradelten Kilometern führte seine Tour ihn nun in die Krummhörn, wo er auf einem Campingplatz in Campen Halt machte. gemacht hat.

Was und warum

Darum geht es: um einen Schweizer, der mit dem Fahrrad quer durch Europa reist.

Vor allem interessant für: alle, die sich für außergewöhnliche Menschen und Reisen interessieren

Deshalb berichten wir: Phillipe Comte fährt gerade mit dem Fahrrad vom Nordkap nach Gibraltar. Diese Woche hat er Halt auf einem Campingplatz in der Krummhörn gemacht. Dessen Inhaber Enno Saathoff meldete sich bei dieser Zeitung, um den Kontakt zu vermitteln.

Die Autorin erreichen Sie unter: h.weiden@zgo.de

Das Gespräch findet auf Englisch statt, denn Comte kommt aus dem französisch sprechenden Teil der Schweiz und spricht daher nur gebrochenes Deutsch. Sein Englisch ist aber ziemlich gut - man merkt, dass er schon rumgekommen ist auf der Welt. „Meine Frau und ich sind immer viel gereist“, sagt der 70-Jährige. Er erzählt von Reisen über den ganzen Globus und spannenden Begegnungen auf allen Kontinenten.

Oft schläft der Schweizer in seinem kleinen Zelt. Foto: Wagenaar
Oft schläft der Schweizer in seinem kleinen Zelt. Foto: Wagenaar

Wochenlang unterwegs

Die Idee, mit dem Fahrrad zu reisen, kam ihm in den 1990er Jahren. „Ich hatte Probleme mit meiner Hüfte und wollte mir wohl beweisen, dass ich es trotzdem noch drauf hab“, sagt Comte. Seit er im Ruhestand ist, nimmt er sich nun regelmäßig größere Touren vor und ist dann wochenlang unterwegs - und getrennt von seiner Familie. Ob ihm das schwer fällt? „Mit dem Handy ist es nicht ganz so schwer. Man ist zwar nicht beieinander, aber trotzdem eng zusammen. Meine Frau sagt: Mach’ die Touren so lange du kannst, hab’ Spaß dabei und zwing’ mich nicht, mitzukommen.“ Und: „Wenn ich mich für eine längere Reise verabschiede, freue ich mich immer im gleichen Moment schon auf das Heimkehren.“

Start der jetzigen Reise am Nordkap - dem nördlichsten Punkt Europas. Foto: privat
Start der jetzigen Reise am Nordkap - dem nördlichsten Punkt Europas. Foto: privat

Seine Frau hätte ihn schon öfter mal mit dem Wohnmobil abgeholt - die Option fasst Comte nun auch in den Blick, wenn das Wetter so bescheiden bleibt. „Sie könnte zum Beispiel nach Frankreich kommen, und dann treffen wir uns da“, sagt er. Generell sieht der 70-Jährige die Reiseplanung nicht ganz so eng. Es würden immer spannende Kontakte und spontane Möglichkeiten entstehen. Über das Netzwerk „Warm Showers“ werden Schlafplätze (und warme Duschen) von und an Privatleute vermittelt. Diese Möglichkeit nutzt Phillipe Comte regelmäßig und lernt so Leute kennen. Manchmal entstehen daraus Freundschaften, manchmal Wegbegleiter für die nächsten 100 Kilometer.

Phillipe Comte hat bei seiner Tour durch Europa Halt in der Krummhörn gemacht. Im Hintergrund ist der Campener Leuchtturm zu sehen. Foto: Wagenaar
Phillipe Comte hat bei seiner Tour durch Europa Halt in der Krummhörn gemacht. Im Hintergrund ist der Campener Leuchtturm zu sehen. Foto: Wagenaar

Landschaft und Natur statt Städte

Bei seinen Routen orientiert er sich an den so genannten „Eurovelo“-Routen, einem Netz von 17 Radfernwegen, die Europa durchqueren und verbinden. Aktuell ist Phillipe Comte auf der „Eurovelo 12“ unterwegs, der Nordseeküsten-Route. Sie wird ihn nun als nächstes in die Niederlande und nach Belgien führen. Dort wird er den Abstecher in Richtung Frankreich machen. Je nachdem, ob er ihn seine Frau mit dem Wohnmobil einsammelt oder nicht, fährt er anschließend durch Spanien bis nach Gibraltar. Generell reizen den 70-Jährigen eher Natur und Landschaft als Architektur und Städte. „Ich sehe dort Vögel, andere Tiere und Pflanzen statt McDonalds und Fitnessstudios“, sagt er. Das bisherige Highlight seiner aktuellen Route: Der Rallarvegen in Norwegen. „Ich bin dort extra langsamer gefahren, damit ich länger etwas davon habe.“

Bei seinen Reisen ist Phillipe Comte besonders gern in der Natur unterwegs. Dieses Foto ist in Norwegen entstanden. Foto: privat
Bei seinen Reisen ist Phillipe Comte besonders gern in der Natur unterwegs. Dieses Foto ist in Norwegen entstanden. Foto: privat

Seine Erfahrungen und Erinnerungen schreibt Phillipe Comte auf und veröffentlicht sie in unregelmäßigen Abständen auf seinem Blog im Internet. Er schreibt dort zwar auf Französisch, aber mit der Übersetz-Funktion von Google kann man seine Beiträge auch verstehen, wenn man der französischen Sprache nicht mächtig ist. „Der Blog ist für mich ein Weg, den Trip noch einmal zu durchleben“, sagt er. Während er dort anfangs vor allem Details zu seinen Reisen aufgeschrieben hat, sind es heute eher die Begegnungen mit den Menschen.

Wie es ihm in Ostfriesland gefallen hat? „Wegen des Wetters bin ich hier eher nur auf der Durchreise“, sagt er. Negativ sei ihm aufgefallen, dass die meisten Campingplätze nur für Wohnmobile und nicht für Fahrradfahrer mit Zelten geeignet seien. „Das sagt zumindest meine Eurovelo-App. Vielleicht hätte ich auch einfach intensiver suchen müssen.“ In der Krummhörn hat sich der Schweizer aber trotzdem pudelwohl gefühlt. „Ich habe einige wirklich nette Menschen hier kennengelernt“, sagt er. Und: „Ich könnte mir auch vorstellen, hier noch einmal mit meiner Frau herzukommen. Vielleicht schauen wir uns einmal die Inseln an.“

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