Emden Wäre das ostfriesische Emden auf den brennenden Autofrachter vorbereitet?
Das Feuer auf dem Frachter „Fremantle Highway“ in der Nordsee ist größtenteils gebannt. Nun wird geschaut, in welchem Hafen das Schiff zur Reparatur anlegen könnte. Auch über das ostfriesische Emden als Anlegeort wird spekuliert.
Noch ist nicht klar, zu welchem Hafen der brennende Autofrachter „Fremantle Highway“ gebracht werden soll. Am Sonntag wurde Emden in einem Bericht der Tagesschau als eine Möglichkeit genannt. Der Frachter ist Montagmittag laut dpa bei seinem vorläufigen Standort 16 Kilometer nördlich der Wattenmeerinseln Schiermonnikoog und Ameland angekommen. Dort liegt er erst einmal sicherer und windgeschützter, heißt es. Es soll abgewartet werden, bis das Feuer ganz gelöscht ist. Dann wird entschieden, zu welchem Hafen er geschleppt wird.
Der Frachter hat rund 3800 Autos geladen. Schon öfter hat die „Fremantle Highway“ in Emden festgemacht. Unsere Redaktion hat beim landeseigenen Hafenbetreiber N-Ports, zu dem auch der Emder Hafen gehört, nachgefragt, wie Emden im Fall der Fälle auf die Ankunft des Autofrachters vorbereitet wäre. Doch Sprecherin Dörte Schmitz hält sich bedeckt. „Wenn die konkrete Anfrage da ist, überlegen wir, was zu tun ist“, sagt sie.
Das Havariekommando Cuxhaven würde Emden das Schiff zuweisen. Bislang seien sie nicht angesprochen worden. „Wir hoffen auf eine schnelle niederländische Lösung“, sagt sie. Eemshaven und Rotterdam waren zuvor als Anlaufhäfen schon im Gespräch. Auf deutscher Seite wurden Cuxhaven und Bremerhaven außer Emden genannt.
Allgemein nachgefragt, wie Emden auf Schiffe in einer solchen Notsituation vorbereitet wäre, sagt die Sprecherin: „Da wir nicht wissen, welche Anforderungen die jeweiligen Schiffe hätten, würden wir nur spekulieren und das wollen wir nicht.“ Man müsse im Fall jedes Schiffes schauen, was die individuellen Anforderungen seien. Der Emder Hafen könne „eine ganze Menge“, betont sie. Notliege-Plätze stünden immer zur Verfügung. Der Tiefgang im Hafen entspreche den Anforderungen.
Auch aus Fachkreisen wurde dieser Zeitung gemeldet, dass Emden genauso als Hafen geeignet wäre wie Bremerhaven oder Cuxhaven – wenn die Gefahr, die von dem Frachter ausgeht, behoben ist. 200 Meter lange Schiffe wie die „Fremantle Highway“ seien Standard und schon oft im Emder Hafen gewesen. Die Emder Werft und Dock GmbH (EWD) hat als Reparaturbetrieb sogar ein Trockendock, in das der Autofrachter passen würde, wie auf der Internetseite nachzulesen ist. Das Problem sei also nicht die Größe, sondern, dass das Schiff bald vollständig ausgebrannt sein wird.
Es müsste also zunächst klar sein, dass der Frachter noch stabil genug ist beziehungsweise stabilisiert wird, um überhaupt weiter geschleppt zu werden. Bevor er in einen Hafen und damit auch an die Küste zu potenziell vielen Menschen gebracht wird, müsste gesichert sein, dass keine Gift- und Schadstoffe Werftarbeitern und der Bevölkerung schaden könnten. Auch müsste geklärt werden, inwiefern das Schiff vor Ort abgewrackt oder so weit abgedichtet werden soll, um dann woanders abgewrackt zu werden. Dass das Schiff repariert werden könnte, sei eher ausgeschlossen.
Auf Nachfrage bei der EWD heißt es von Geschäftsführer Nils Rehbock, dass bislang keiner Kontakt zu ihnen aufgenommen hätte wegen des Frachters. Mehr wolle er dazu nicht sagen. Die Anfrage würde ohnehin über N-Ports laufen, sagt er.
Zuletzt war Ende April der Mehrzweckfrachter „Petra L.“, der mit einer Offshore-Windkraftanlage bei Juist kollidiert und mit einem riesigen Loch in den Emder Hafen eingelaufen war, bei der EWD repariert worden. Schon da hatte man sich darüber Gedanken gemacht, was beim Kentern des Küstenmotorschiffs hätte passieren können. Das sagt Gerold Conradi, ehemaliger Fischer aus Greetsiel und zweiter Vorsitzender des Landesfischereiverbands Weser-Ems.
Wir hatten ihn gefragt, welche Auswirkungen ein mögliches Kentern der „Fremantle Highway“ für das Wattenmeer und die Fischerei hätte. Die Kurzfassung: Es wäre desaströs. Er sprach von einem „sehr großen Gefahrenpotenzial auf dem Meer“. Man könne froh sein, dass es nicht früher schon mal passiert ist. Man begebe sich auf „sehr dünnes Eis mit den Frachtern im Wattenmeer“.
Dieser Artikel erschien zuerst in der Ostfriesen-Zeitung in Leer.