Gute Zusammenarbeit  Norwegen-Fähre bleibt Emden wohl länger erhalten

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 01.08.2023 15:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Kreuzfahrtschiff MS „Romantika“ ist ein Riese im Vergleich zu der Borkum-Fähre der AG Ems. Foto: F. Doden/Archiv
Das Kreuzfahrtschiff MS „Romantika“ ist ein Riese im Vergleich zu der Borkum-Fähre der AG Ems. Foto: F. Doden/Archiv
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Anfangs war im Gespräch, dass die „MS Romantika“ nur für sechs Monate Emden ansteuern soll. Das hat sich nun schon verändert. Emden stellt sich auf mehr Besuch aus Norwegen ein.

Emden/Kristiansand - Seit zwei Monaten steht die Fährverbindung von Emden nach Kristiansand in Norwegen und schon jetzt ist offenbar klar, dass das auch länger so bleiben soll. Hatte man zunächst von sechs Monaten gesprochen, weil die Reederei Holland Norway Lines (HNL) wieder zu ihrem Ursprungshafen Eemshaven zurückkehren will, ist nun wohl schon ein Jahr im Gespräch. Das wurde dieser Zeitung aus Emder Politikerkreisen zurück gespiegelt.

Was und warum

Darum geht es: die weitere Entwicklung der Fährverbindung von Emden nach Kristiansand

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder, die sich für die Fährverbindung interessieren, sowie Leute, die sich noch überlegen, mal die Fähre zu nutzen

Deshalb berichten wir: Wir hatten gehört, dass die Verbindung länger bestehen soll als zunächst gedacht. Daher haben wir bei der Stadt und der Reederei nachgefragt.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Martje Merten, Geschäftsführerin der Emder Wirtschaftsförderung, hält sich noch zurück: „Die Fähre hat signalisiert, dass der Vertrag verlängert worden ist. Dies ist aber bei der Reederei zu erfragen“, schreibt sie. Jelle Haaima (CCO Holland Norway Lines) antwortet auf Nachfrage aber ähnlich vage: „Wir sind sehr froh, in Emden festgemacht zu haben, und darauf liegt jetzt der Fokus“, schreibt er über die HNL-Pressestelle. „HNL geht es sehr gut und wir steuern auf eine großartige Saison zu.“ Es gebe bereits jetzt Buchungen für die Herbst- und Wintersaison, denn auch im Winter sei Norwegen ein schneesicheres Wintersportziel. „Auch für 2024 gibt es bereits viele Buchungen“, erklärt er. Auf die direkte Frage, ob man immer noch nach Eemshaven zurück wolle, antwortet er nicht.

Fahrgäste sollen die Emder Innenstadt erleben

Wenn es nach dem Willen der Emder Stadtverwaltung ginge, würde die Verbindung auf Dauer bestehen bleiben. „Für den Hafen selbst ist die Fähre nicht so von Belang, aber für die Stadt“, sagte Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) bei einer kleinen Feier zur ersten Fähren-Abfahrt in Emden. Das Schiff fasst zwar bis zu 1500 Passagiere pro Fahrt, aber im Schnitt seien 750 bis 1000 Passagiere an Bord, sagte HNL-Geschäftsführer Morten Aggvin bei dem Termin. Bis zu 300 Fahrzeuge fasst der Schiffsbauch. Man rechne in diesem Jahr mit mehr als einer Viertelmillion Passagieren, heißt es von Jelle Haaima aktuell. Das seien dann etwa 60.000 mehr als im Vorjahr.

Die Ankunft der MS „Romantika“ ist auch Wochen nach dem Start der Fährverbindung noch spannend. Im Hafen schauen sich Interessierte das Kreuzfahrtschiff an. Foto: F. Doden/Archiv
Die Ankunft der MS „Romantika“ ist auch Wochen nach dem Start der Fährverbindung noch spannend. Im Hafen schauen sich Interessierte das Kreuzfahrtschiff an. Foto: F. Doden/Archiv

Die Stadt Emden hofft, dass viele der insbesondere norwegischen Fahrgäste in die Innenstadt kommen, dort einkaufen gehen, Restaurants aufsuchen und Hotels buchen. Auf Nachfrage bei Martje Merten, ob man schon eine erhöhte Nachfrage spürt, erklärt sie: „Die Rückmeldungen sind da.“ Auch ein neu eingeführtes Shuttle-Angebot vom Hafen zur Innenstadt werde gut genutzt. „Wir merken an den Anlegetagen auch deutlich verstärkte Nachfragen in den Tourist-Informationen. Auch im Bereich der Gastronomie und des Einzelhandels haben wir dazu erste Rückmeldungen bekommen“, schreibt sie.

Emden wird internationaler

In dem vergangenen Monat habe man in den ersten Schritten insbesondere gemeinsam mit der Reederei versucht, die Minikreuzfahrt attraktiv zu gestalten, so Merten. Anders als in Kristiansand brauche es den genannten Bustransfer, um in die Innenstadt zu gelangen. „Diesen haben wir nun fest installiert und zwischen der Reederei, sowie den Busunternehmen vermittelt“, schreibt sie. Im weiteren Schritt habe man die Gastronomie noch mal gebeten, sich mehr auf internationale Gäste einzustellen – also etwa das Personal zu schulen, aber vor allem mit englischsprachigen Speisekarten.

Im ersten Schritt hätten sie den englischen Stadtplan in einer Neuauflage herausgebracht, aktuell arbeite man daran, noch einen speziellen Flyer für die Minikreuzfahrt-Gäste zu erstellen. Hierbei sollen dann alle Branchen auftauchen: Gastronomie, Einzelhandel und Hotellerie. „Die Reederei spricht dazu aktuell mit den Hotels, um Pakete über die eigene Homepage anzubinden. Dies war aber auch Thema des Austausches in Kristansand, um dort den direkten Kontakt zum Endkunden zu bekommen“, erklärt Merten. Anfang Juli war eine Delegation aus Emden in Norwegen zu Besuch.

„Die Fahrgäste sind von Emden sehr begeistert“

„HNL bringt mit dieser Verbindung auch zunehmend Politik und Unternehmer zusammen, wie zum Beispiel kürzlich den Stadtrat und Unternehmer aus Emden, die Kristiansand besuchten“, meint dazu auch Jelle Haaima. „Von unserem Kooperationspartner AG Ems wissen wir, dass die vorhandenen Restaurant- und Parkmöglichkeiten von unseren Passagieren häufig genutzt werden. Holland Norway Lines hat somit eine belebende Wirkung auf die lokale Wirtschaft“, schreibt er.

Fahrgäste kämen bislang hauptsächlich aus den Niederlanden, Deutschland und Norwegen. „Aber wir sehen auch eine Zunahme der Passagiere aus den umliegenden Ländern. Man denke nur an Länder wie Frankreich, Belgien und England.“ Auf Nachfrage, welche Rückmeldung der Fahrgäste zu Emden bei ihnen eingegangen sei, schreibt er: „Die Fahrgäste sind von Emden sehr begeistert. Sie kommen sofort in Urlaubsstimmung, wenn sie in Emden einfahren.“

Seit dem 1. Juni fährt die MS „Romantika“ jeden zweiten Tag von Emden ab. Zuvor war sie kurzzeitig von Cuxhaven aus gestartet. In Emden hatten die AG Ems, N-Ports und die Stadt es schnell ermöglicht, dass die Fähre von dort starten konnte. Reisende können auf den Stellplätzen der AG Ems parken, Schilder weisen im Stadtgebiet auf die neue Verbindung im Hafen hin.

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