Nachlese zum Ostfriesland-Cup  Grün-weißer Jubel vor einer Rekordkulisse von 1000 Fans

| | 30.07.2023 16:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Da ist das Ding: Wallinghausens Kapitän Marvin Dahlke reckte den Siegerpokal in die Höhe. Foto: Doden, Emden
Da ist das Ding: Wallinghausens Kapitän Marvin Dahlke reckte den Siegerpokal in die Höhe. Foto: Doden, Emden
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Ein denkwürdiges Finale erlebten die Zuschauer in Großefehn. Nach dem 2:1-Triumph begann eine lange Party des SV Wallinghausen, bei der zwei SVW-Helden allerdings dann nicht dabei sein konnten.

Großefehn - Als Tammo Poppe abpfiff, begann ein grenzenloser Jubel in Grün und Weiß. Die Reservespieler und ausgewechselten Akteure des SV Wallinghausen rannten auf das Spielfeld, ebenso das Trainerteam und auch der ein oder andere Zuschauer mit Fahnen in der Hand. Der entscheidende Mann des Ostfriesland-Cup-Finales, Lukas Günsel, legte auch nach mehr als 120 gespielten Minuten – angetrieben von der Freude und den Emotionen – noch einmal einen beeindruckenden Spurt hin, der mit einem Rutscher auf die Knie in die Arme von Torwart Julian Ahlers endete.

Turnier-Patin Gitta Connemann übernahm die Siegerehrung. Foto: Doden, Emden
Turnier-Patin Gitta Connemann übernahm die Siegerehrung. Foto: Doden, Emden

Weil der 2:1-Siegtorschütze wusste, dass es sein Keeper war, der seine Mannschaft mit einer unglaublichen Parade in der Nachspielzeit gegen Großefehns Holger Wulff erst in die Verlängerung gebracht hatte. Und weil es nicht selbstverständlich war, dass Julian Ahlers am Samstagabend überhaupt im Tor des SV Wallinghausen stand. Eigentlich wäre der 26-Jährige schon in Dänemark mit der Familie im Urlaub gewesen. Doch er entschied sich dazu, nachzukommen, um beim Endspiel des hoch dotierten Fußball-Turniers gegen den SV Großefehn dabei zu sein. Ebenso wie sein drei Jahre jüngerer Bruder Kilian, der Abwehrchef beim SV Wallinghausen ist. „Dieses Spiel durften wir uns einfach nicht entgehen lassen“, schilderte Julian Ahlers in einem weißen „Ostfriesland-Cup-Sieger“-Shirt und mit einer Goldmedaille um den Hals. „Dass wir hier auch noch gewinnen, unglaublich – und dann auch noch diese Kulisse.“

Neuer Zuschauerrekord

Tatsächlich war es sogar eine Rekordkulisse. Noch nie zuvor in der sechsjährigen Geschichte des Ostfriesland-Cups waren etwas mehr 1000 Zuschauer bei einem der Turnierspiele. Der bisherige Höchstwert lag bei 800 Zuschauern beim Endspiel 2019 in Loga zwischen Frisia Loga und TuRa Westrhauderfehn (0:2). Im vergangenen Jahr hatten 600 Interessierte den 3:2-Finalerfolg von Landesligist GW Firrel über den damaligen Regionalligisten Kickers Emden in Aurich gesehen. Nun in Großefehn wurde die Zuschauerzahl also erstmals vierstellig. „Was hier los ist, ist wirklich der Wahnsinn“, sagte Turnierorganisator Manfred Bloem.

Nach den Treffern des SV Wallinghausen und auch nach Spielschluss bildete sich eine grüne Jubeltraube auf dem Spielfeld. Foto: Doden, Emden
Nach den Treffern des SV Wallinghausen und auch nach Spielschluss bildete sich eine grüne Jubeltraube auf dem Spielfeld. Foto: Doden, Emden

Das Endspiel, das durch die Inszenierung eine besondere Atmosphäre hatte, sowie das gute Wetter lockten zahlreiche neutrale Fußballfans an. Möglich wurde der Rekord aber nur durch die großen Fananhänge der Finalisten. In der ersten Halbzeit waren sie nur sehr vereinzelt zu höhren. Nach dem Seitenwechsel nahm nicht nur das Spiel an Fahrt auf. Es riss die Zuschauer immer mehr mit. „SVG, SVG, SVG“- und „SVW, SVW, SVW“-Rufe wechselten sich praktisch ab. Auch nach dem 2:1-Treffer von Lukas Günsel in der 109. Minute waren beide Fananhänge etwa gleichlaut, trieben ihre Mannschaft nach vorne.

Günsel kündigte lange Party an

Nach Ablauf der fünfminütigen Nachspielzeit in der zweiten Hälfte der Verlängerung verstummten dann alle, die es mit dem SVG halten. Die Freude bei den Wallinghausenern kannte dagegen keine Grenzen. Um Julian Ahlers und Lukas Günsel bildete sich eine Jubeltraube, ehe in einem Kreis „Derbysieger, Derbysieger, Derbysieger“ gesungen wurde. Es dauerte einige Minuten, bis die Siegerehrung begann. Erst standen die SVW-Spieler Spalier für die Fehntjer, dann war es anders herum, ehe Wallinghausens Kapitän Marvin Dahlke zwei Gewinn-Schecks überreicht bekam: einen für ein Trainingslager im Wert von 3000 Euro in Middels und einen bei Ausstatter Derbystar im Wert von 5000 Euro.

Trainer Ewald Mühlenbrock gratulierte seinen Spielern (hier Tilko Trebesch) zu einer tollen Leistung. Aber auch er bekam viele Glückwünsche. Foto: Doden, Emden
Trainer Ewald Mühlenbrock gratulierte seinen Spielern (hier Tilko Trebesch) zu einer tollen Leistung. Aber auch er bekam viele Glückwünsche. Foto: Doden, Emden

Erst danach – es war bereits kurz nach 21 Uhr – durfte Dahlke den riesigen Pokal in die Höhe recken. Es folgten unter anderem eine Bierdusche für SVW-Trainer Ewald Mühlenbrock und ein von Lukas Günsel angestimmtes „Humba“. „Heute wird richtig gefeiert“, kündigte der Siegtorschütze, der schon im Halbfinale in Esens in der Verlängerung das entscheidende Tor erzielt hatte, ein wenig heiser an.

Günsel sollte recht behalten. Bis tief in die Nacht wurde mit dem eigenen Anhang Party gemacht. Manch einer zog sogar noch in einen Auricher Club weiter. Nur zwei der Wallinghausener Helden waren bei der Feierorgie nicht mit dabei: Julian und Kilian Ahlers. Die beiden machten sich, als die Feier nach Wallinghausen verlagert wurde, direkt von Großefehn aus auf den Weg zur Familie nach Dänemark.

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