Havarie vor Ameland Abschlepp-Manöver hat begonnen – Emden möglicher Zielhafen für brennenden Frachter
Nachdem das Abschlepp-Manöver am Sonnabend abgebrochen werden musste, ging es am Sonntag dann plötzlich los. Bei der Suche nach einem sicheren Hafen wird nun auch Emden genannt.
Emden/Niederlande - Nachdem das Abschlepp-Manöver des brennenden Autofrachters in der Nordsee am Sonnabend abgebrochen werden musste, ging es am Sonntag dann plötzlich los.
Die niederländische Wasserbehörde vermeldete Sonntagabend, dass am Nachmittag mit dem Abschleppen des Frachters begonnen werden konnte. „Der Rauch des Frachtschiffes wurde heute Nachmittag erheblich reduziert, und die Bergungskombination Multraship/Smit Salvage nutzte dies sofort aus. Heute früh wurde auch eine zusätzliche Schleppverbindung erfolgreich realisiert.“ Die „Fremantle Highway“ werde nun langsam und kontrolliert von zwei Schleppern mit einer Geschwindigkeit von 3 Knoten, also circa 5,5 Kilometern die Stunde, an einen provisorischen Standort 16 Kilometer nördlich von Schiermonnikoog und Ameland geschleppt. Nach einem aktuellen Beitrag der Tagesschau könnte die „Freemantle Highway“ nach diesem Zwischenhalt vor Schiermonnikoog eventuell nach Emden geschleppt werden.
Denn dort sei nur ein „temporärer Ankerpunkt“, bis der Brand weiter nachgelassen habe, vermeldete die Tagesschau am Vormittag. „Anschließend würde man ihn zu einem sicheren Hafen bringen. Welcher das ist, ist noch unbekannt. Aber wenn man mal auf die Karten schaut, dann gibt es zwei Häfen, die in der Nähe liegen. Das wäre auf der niederländischen Seite der Hafen Eemshaven und auf der deutschen Seite wäre das der Hafen in Emden“, so ARD-Korrespondent Tobias Reckmann.
Aufnahme des Frachters würde Emder Hafen zugewiesen werden
Beim Emder Hafen weiß man davon noch nichts. Wie Dörte Schmitz, Sprecherin bei Niedersachsen-Ports, am Sonntagmittag auf Nachfrage mitteilte, wäre in dem Fall zunächst das Havariekommando in Cuxhaven zuständig. „Wenn es um einen unserer Häfen ginge, würden die uns das Schiff zuweisen.“ Die Pressestelle des Havariekommandos war zu keiner Aussage bereit und verwies auf das Bundesverkehrsministerium. Deren Pressestelle war am Sonntag aber nicht zu erreichen.
Projekt „Zukunft Nordsee“
Dieser Beitrag ist Teil des Projekts „Zukunft Nordsee“ von Ostfriesen-Zeitung, General-Anzeiger, Borkumer Zeitung, Nordsee-Zeitung, Kreiszeitung Wesermarsch und Deutscher Presse-Agentur (DPA). In dieser Serie beschäftigen wir uns mit Themen, die für die gesamte Küstenregion relevant sind – zum Beispiel mit dem Klimawandel, erneuerbaren Energien, der Entwicklung der Wirtschaft und dem Tourismus. Weitere Beiträge dazu finden Sie hier.
Bei der Emder Verwaltung scheinen die möglichen Pläne noch kein Thema zu sein. Oberbürgermeister Tim Kruithoff verwies an die Pressestelle - er sei im Urlaub. Ebenfalls im Urlaub ist der Erste Stadtrat Horst Jahnke. Der sagte aber immerhin: „Auf mich ist noch niemand zu gekommen, das ist neu für mich.“ Er vermutet, dass das wenn dann in den kommenden Tagen Thema wird. Und: „Eemshaven würde dann ja eigentlich näher dran liegen.“
Angst vor einer Umweltkatastrophe
Der seit Tagen brennende Autofrachter vor der niederländischen Küste sollte eigentlich schon am Samstag an einen sichereren Ort geschleppt werden. Das geplante Manöver war am Samstagabend aber kurzfristig abgesagt worden. Die Windrichtung und der starke Rauch im brennenden Schiff machten den Einsatz unmöglich, teilte die Wasserbehörde in Den Haag mit. Am Sonntagabend schrieb die Behörde dann: „Die genaue Ankunftszeit am temporären Bestimmungsort kann noch nicht angegeben werden. Das hängt unter anderem von den Wetterbedingungen, der Rauchentwicklung, der Strömung und den Gezeiten ab.“
Auch am neuen, temporären Standort werden die Schlepper die Verbindung zum Autofrachter aufrechterhalten. Am provisorischen Ankerplatz soll die Situation dann permanent überprüft werden. Sobald es die Situation an Bord des Schiffes zulässt, soll das Schiff in einen noch zu bestimmenden Hafen geschleppt werden. Welcher das sein wird, sei noch nicht bekannt. Die Wasserbehörde nennt in diesem Zusammenhang keine weiteren Details - entsprechend also auch nicht den Emder Hafen, der in der Tagesschau erwähnt worden war.
Die unter der Flagge Panamas fahrende „Fremantle Highway“ war in der Nacht zum Mittwoch auf dem Weg von Bremerhaven nach Singapur, als das Feuer ausbrach. Bei der Evakuierung der Besatzung starb ein Mensch. Brandherd war möglicherweise die Batterie eines elektrischen Autos. Bei einem Auseinanderbrechen oder Kentern droht eine Umweltkatastrophe. Gefährdet sind zum Beispiel die Vogelgebiete im Wattenmeer, aber auch Strände und Dünen der Inseln.
Mit Material der dpa
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