Unglück auf der Nordsee  Bergungsexperten betreten erstmals brennenden Frachter

Martin Alberts
|
Von Martin Alberts
| 28.07.2023 17:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Erstmals konnten Bergungsexperten am Freitag auf die inzwischen schwer beschädigte „Fremantle Highway“ gelangen. Foto: Küstenwache
Erstmals konnten Bergungsexperten am Freitag auf die inzwischen schwer beschädigte „Fremantle Highway“ gelangen. Foto: Küstenwache
Artikel teilen:

Seit fast drei Tagen brennt der Autofrachter „Fremantle Highway“ vor Ameland. Nun konnten erstmals Experten das Schiff betreten. Ein neues Kabel könnte ein Abschleppen ermöglichen – wohin, ist aber weiter unklar.

Ameland - Mehr als zwei Tage nach Ausbruch des Feuers an Bord des Autofrachters „Fremantle Highway“ vor der niederländischen Küste ist es Bergungsexperten erstmals gelungen, an Bord des Schiffs zu gehen. Das teilte die niederländische Küstenwache am Freitagnachmittag mit. Am Morgen habe man bei Messungen festgestellt, dass die Temperatur an Bord stark gesunken sei. Es brenne zwar weiter, doch das Feuer werde kleiner und auch die Rauchentwicklung nehme ab, hieß es.

Da die Lage an Bord des brennenden Frachters nun sicherer sei, seien die Experten von einem Rettungsschiff aus vorübergehend an Bord gegangen. Ihnen sei es gelungen, ein stabileres Schleppkabel am oberen Teil des Schiffs anzubringen. Bisher hatte es nur ein Notkabel weiter unten am Rumpf gegeben. Durch das neue Kabel sei man nun in der Lage, die „Fremantle Highway“ abzuschleppen und habe bessere Möglichkeiten, sie in Position zu halten. Die Behörde Rijkswaterstaat prüfe nun verschiedene Optionen für weitere Schritte, teilte die Küstenwache mit. Von der Behörde hieß es am Freitagnachmittag, dass man gemeinsam unter anderem mit dem Schiffseigner, den Bergungsexperten und der Küstenwache mehrere Szenarien ausarbeite.

Mehr E-Autos an Bord als ursprünglich gedacht

Der Brand auf der „Fremantle Highway“ war in der Nacht zu Mittwoch ausgebrochen, als das Schiff mit rund 3800 Autos an Bord auf dem Weg von Bremerhaven nach Singapur war. Zu diesen Zeitpunkt war sie etwa 27 Kilometer von der niederländischen Wattenmeerinsel Ameland entfernt. Ein Crewmitglied kam während der Evakuierung des Schiffs ums Leben, weitere der übrigen 22 Besatzungsmitglieder wurden verletzt. Als möglicher Brandherd gelten die Elektroautos an Bord – eine These, die auch durch Aufnahmen von Funksprüchen gestützt wird, die der niederländische Sender RTL an Donnerstag veröffentlicht hatte.

Projekt „Zukunft Nordsee“

Dieser Beitrag ist Teil des Projekts „Zukunft Nordsee“ von Ostfriesen-Zeitung, General-Anzeiger, Borkumer Zeitung, Nordsee-Zeitung, Kreiszeitung Wesermarsch und Deutscher Presse-Agentur (DPA). In dieser Serie beschäftigen wir uns mit Themen, die für die gesamte Küstenregion relevant sind – zum Beispiel mit dem Klimawandel, erneuerbaren Energien, der Entwicklung der Wirtschaft und dem Tourismus. Weitere Beiträge dazu finden Sie hier.

Zunächst war – wohl auch auf Grundlage der Funksprüche – von 25 E-Autos auf der „Fremantle Highway“ die Rede gewesen, am Freitag korrigierte die Reederei Kawasaki Kisen Kaisha (K Line) diese aber deutlich nach oben: Es seien 498 E-Autos an Bord, meldeten die Japaner an die niederländische Nachrichtenagentur ANP. Nach offiziellen Angaben der Küstenwache ist die Brandursache weiter unklar.

Einsatzkräfte beobachten die Lage rund um die Uhr

Seit Mittwochfrüh sind mehrere Schlepper rund um die Uhr auf der Nordsee im Einsatz. An Bord gelöscht werden kann das Feuer bisher nicht. Die Helfer vor Ort hatten sich bis Donnerstag damit begnügt, die Außenhülle der „Fremantle Highway“ von Schleppern aus zu kühlen. Diese Maßnahme habe man jedoch eingestellt, um zu verhindern, dass zu viel Wasser an Bord gelange und das Schiff hierdurch instabil werde, hieß es.

Nach fast drei Tagen ist das Feuer an Bord der „Freemantle Highway“ kleiner geworden. Die Schäden sind deutlich sichtbar. Foto: Küstenwache
Nach fast drei Tagen ist das Feuer an Bord der „Freemantle Highway“ kleiner geworden. Die Schäden sind deutlich sichtbar. Foto: Küstenwache

Denn sollte der Frachter kentern oder Schweröl verlieren, könne dies gravierende Folgen für die Umwelt des Wattenmeers haben, sind sich Naturschutzorganisationen und Politik einig. Zuletzt hatte der niederländische Infrastrukturminister Mark Harbers in einem Schreiben an das Parlament in Den Haag jedoch erklärt, dass das Risiko für Verschmutzungen an der Küste relativ gering sei, da die Strömung das Öl vermutlich auf die Nordsee hinaus treiben würde.

Wird das Schiff nach Rotterdam geschleppt – oder doch ins Ausland?

Das brennende Schiff treibe derzeit etwa 23 Kilometer nördlich der Insel Terschelling, teilte die Küstenwache am Freitagnachmittag mit. Vor Ort sei auch ein Ölbekämpfungsschiff, das am Freitag aber damit beschäftigt gewesen sei, andere Schiffe vor der Unglücksstelle zu warnen.

Unklar ist weiterhin, in welchen Hafen die „Fremantle Highway“ geschleppt werden könnte. Ein Sprecher der Behörde Rijkswaterstaat schloss gegenüber dem „Dagblad van het Noorden“ zumindest schon einmal Harlingen und Lauwersoog an der niederländischen Küste aus, da diese Häfen zu klein seien. Es brauche genügend Platz vor Ort – „und sie müssen das Schiff auch noch haben wollen“, sagte der Sprecher. Das „Dagblad“ spekuliert, dass Den Helder in Noordholland oder Rotterdam infrage kommen könnten. Aber auch ausländische Häfen könnten als Ziel für die „Fremantle Highway“ nicht ausgeschlossen werden.

Ähnliche Artikel