Havarie in der Nordsee  Brennender Frachter nahm selbe Route wie damals die „MSC Zoe“

| | 27.07.2023 17:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Von Schiffen aus wurde die Außenhülle des brennenden Frachters „Fremantle Highway“ mit Löschmittel gekühlt. Foto: Küstenwache
Von Schiffen aus wurde die Außenhülle des brennenden Frachters „Fremantle Highway“ mit Löschmittel gekühlt. Foto: Küstenwache
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Als die „Fremantle Highway“ Feuer fing, war sie auf derselben Strecke wie die 2019 havarierte „MSC Zoe“ unterwegs. Schon seit Jahren will das Land dieses Fahrwasser für gefährliche Schiffe sperren.

Ameland/Ostfriesland - Als in der Nacht zu Mittwoch auf dem Autofrachter „Fremantle Highway“ ein Feuer ausbrach, war das Schiff im Verkehrstrennungsgebiet (VTG) „Terschelling German Bight“ unterwegs – gewissermaßen auf einer Autobahn für den Schiffsverkehr. „Terschelling“ ist eines von zwei VTG, die durch die Deutsche Bucht führen. Anders als das nördliche, das „German Bight Western Approach“ genannt wird, verläuft es deutlich näher an den Ostfriesischen Inseln und dem Festland entlang. Außerdem ist das Wasser dort flacher als auf der „Western Approach“-Route. Auch der Megafrachter „MSC Zoe“, der im Januar 2019 havarierte, war in diesem VTG unterwegs gewesen, als ein Sturm das Schiff erwischte und der Frachter in schwerer See mehr als 300 Container verlor.

Umweltschützer, Inselpolitiker und die niedersächsische Landesregierung forderten darauf hin, das küstennahe VTG „Terschelling“ für große Containerschiffe zu verbieten – doch sie scheiterten am Bundesverkehrsministerium. Das damals von Andreas Scheuer (CSU) geführte Ressort verweigerte sich einer solchen Maßnahme. Stattdessen gibt es seit November 2020 Empfehlungen für mehr als 200 Meter lange Schiffe über den Seefunk. In „Sturmsituationen“ solle das küstenfernere und tiefere VTG „Western Approach“ genutzt werden. Recherchen unserer Redaktion hatten ergeben, dass diese Empfehlungen weitgehend wirkungslos waren: Im ersten Halbjahr 2021 waren monatlich bis zu 398 Schiffe mit mehr als 200 Metern Länge im küstennäheren Gewässer unterwegs – und nur bis zu 172 im küstenferneren.

„Keine konkreten Maßnahmen umgesetzt“

Seit dem Beginn der Aussendung der Empfehlungen hat sich auf Bundesebene offenbar kaum etwas getan. „Niedersachsen hat mehrfach diese Forderung (nach einer Routenvorgabe, Anm. d. Red.) in Berlin platziert, aber der Bund hat noch immer keine konkreten Maßnahmen umgesetzt“, teilt Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) auf Nachfrage der Redaktion mit. Großcontainerschiffe und Frachter seien eine „latente Gefahr“ für die niedersächsische Küste. „Es müssen endlich Konsequenzen aus vergangenen Havarien gezogen werden“, so der Politiker weiter. Julian Pahlke, Leeraner Grünen-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Innenausschuss, ergänzt, dass es – wie es aktuell bei den Warnungen der Fall ist – nicht nur auf die Länge der Schiffe ankommen dürfe. Stattdessen müsse auch die Art der Ladung eine Rolle spielen.

Projekt „Zukunft Nordsee“

Dieser Beitrag ist Teil des Projekts „Zukunft Nordsee“ von Ostfriesen-Zeitung, General-Anzeiger, Borkumer Zeitung, Nordsee-Zeitung, Kreiszeitung Wesermarsch und Deutscher Presse-Agentur (DPA). In dieser Serie beschäftigen wir uns mit Themen, die für die gesamte Küstenregion relevant sind – zum Beispiel mit dem Klimawandel, erneuerbaren Energien, der Entwicklung der Wirtschaft und dem Tourismus. Weitere Beiträge dazu finden Sie hier.

„Die südliche Route, entlang der Inseln, die auch die ‚Fremantle Highway‘ möglicherweise als Abkürzung gewählt hatte, sollte von Schiffen mit Gefahrgut nicht genutzt werden dürfen“, so Pahlke. Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing (FDP) müsse sich für ein „Verbot dieser Abkürzung für Schiffe bestimmter Größen und mit gefährlicher Ladung“ einsetzen.

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