Unglück in der Nordsee Brennender Frachter hat mehr Autos geladen als gedacht
Seit mehr als einem Tag treibt der brennende Autofrachter „Fremantle Highway“ manövrierunfähig in der Nordsee. Löschversuche sind bisher nicht möglich. Dafür meldet sich aber die zuständige Reederei aus Japan.
Ameland/Tokio - Auch mehr als 24 Stunden nach Ausbruch des Feuers auf dem Autofrachter „Fremantle Highway“ in der Nordsee kämpfen die Einsatzkräfte vor Ort noch immer gegen die Flammen. Der Brand war in der Nacht zu Mittwoch ausgebrochen, als sich das Schiff etwa 27 Kilometer nördlich der niederländischen Wattenmeerinsel Ameland befand. Ein Crewmitglied kam ums Leben, mehrere der übrigen 22 Besatzungsmitglieder wurden verletzt. Einige von ihnen waren nach Ausbruch des Feuers vom Schiff aus ins Wasser gesprungen und von zur Hilfe eilenden Schiffen aufgenommen worden.
Die Lage sei derzeit unverändert, teilte die niederländische Küstenwache am Donnerstagmorgen mit: Der Brand an Bord des rund 200 Meter langen Autofrachters dauere an, Löscharbeiten seien derzeit nicht möglich. Man wolle nicht das Risiko eingehen, dass beim Löschen Wasser in das Schiff gelange und dieses hierdurch an Stabilität verliere. Deshalb habe man inzwischen auch damit aufgehört, die Außenhülle der „Fremantle Highway“ von einem Schlepper aus zu kühlen, hieß es am Donnerstagvormittag. Das Schiff sei durch Wind und Strömung mittlerweile etwas nach Westen abgedriftet und liege mittlerweile etwa 16 Kilometer nördlich der Insel Terschelling, schrieb die Küstenwache am Donnerstagvormittag. Bergungsunternehmen und Behörden würden derweil einen Plan dazu erarbeiten, wie man weiter vorgehen wolle.
Eigner der „Fremantle Highway“ gehört auch das Unglücksschiff „Ever Given“
Bereits am Mittwoch hatten Umweltorganisationen und auch der Borkumer Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos) die Befürchtung geäußert, ein Sinken des Schiffs könne für beträchtliche Umweltschäden im Wattenmeer sorgen. An Bord der „Fremantle Highway“ sind nach Angaben der japanischen Reederei Kawasaki Kisen Kaisha 3783 Autos – deutlich mehr als ursprünglich angenommen. Am Mittwoch war zunächst von 2857 Autos die Rede gewesen, darunter 25 Elektroautos. Die Batterie eines der elektrischen Autos gilt als mögliche Quelle des Feuers. Diese Vermutung legen auch Aufnahmen von Funksprüchen nahe, welche die niederländische Nachrichten-Plattform „RTL Nieuws“ am Donnerstag im Internet veröffentlichte. Darin ist zu hören, dass die Besatzung die Batterie eines der E-Autos als Brandquelle ausgemacht habe. „So wie es aussieht, ist auch ein elektrisches Auto explodiert“, heißt es in dem Funkspruch weiter. Beschädigt worden sei das Schiff hierdurch jedoch nicht. Die genaue Brandursache steht laut offiziellen Angaben der Küstenwache bisher noch nicht fest.
Projekt „Zukunft Nordsee“
Dieser Beitrag ist Teil des Projekts „Zukunft Nordsee“ von Ostfriesen-Zeitung, General-Anzeiger, Borkumer Zeitung, Nordsee-Zeitung, Kreiszeitung Wesermarsch und Deutscher Presse-Agentur (DPA). In dieser Serie beschäftigen wir uns mit Themen, die für die gesamte Küstenregion relevant sind – zum Beispiel mit dem Klimawandel, erneuerbaren Energien, der Entwicklung der Wirtschaft und dem Tourismus. Weitere Beiträge dazu finden Sie hier.
Kawasaki Kisen Kaisha hat das Schiff von einem Tochterunternehmen des japanischen Schiffseigners Shoei Kisen Kaisha gechartert, wie ein Sprecher der Reederei in Tokio mitteilte. Ein Ölleck sei dem Unternehmen nicht gemeldet worden. Shoei Kisen Kaisha ist auch Eigner des Containerschiffs „Ever Given“, das im März 2021 im Suezkanal auf Grund gelaufen war und weltweit Schlagzeilen gemacht hatte. Tagelang hatte der 400 Meter lange Frachter die wichtige Wasserstraße zwischen Asien und Europa blockiert.
Mit Material von DPA
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