Unglück in der Nordsee  Autofrachter brennt – auch auf Borkum wächst die Sorge vor einer Umweltkatastrophe

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 26.07.2023 12:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Von Schiffen aus wird die Außenhülle des brennenden Frachters „Fremantle Highway“ mit Löschmittel gekühlt. Foto: Küstenwache
Von Schiffen aus wird die Außenhülle des brennenden Frachters „Fremantle Highway“ mit Löschmittel gekühlt. Foto: Küstenwache
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Seit der Nacht zu Mittwoch brennt der Autofrachter „Fremantle Highway“ in der Nordsee. Ein Crewmitglied ist ums Leben gekommen, mehrere wurden verletzt.

Ameland - Auf einem Autofrachter in der Nordsee ist in der Nacht zu Mittwoch ein Feuer ausgebrochen. Ein Mensch sei dabei ums Leben gekommen, mehrere Crewmitglieder seien verletzt worden, wie die niederländische Küstenwache mitteilte. Das Schiff, die „Fremantle Highway“, war mit etwa 3000 Fahrzeugen an Bord auf dem Weg von Bremerhaven nach Port Said in Ägypten, als gegen Mitternacht etwa 27 Kilometer nördlich der niederländischen Wattenmeerinsel Ameland der Brand ausbrach.

Alle überlebenden Mitglieder der Besatzung seien in Sicherheit gebracht worden, schrieb die Küstenwache am frühen Mittwochmorgen. Einige seien mit Schiffen der Seenotretter an Land gebracht, andere mit Hubschraubern zum Flughafen nach Groningen gebracht worden. Ein Sprecher der Küstenwache sagte laut „Dagbald van het Noorden“, dass einige Crewmitglieder nach Ausbruch des Feuers von Bord gesprungen und anschließend von zur Hilfe eilenden Schiffen aufgenommen worden seien. Zuvor habe die Besatzung selbst versucht, den Brand zu löschen. Das sei jedoch erfolglos geblieben – das Feuer habe sich weiter an Bord der „Fremantle Highway“ ausgebreitet, teilte die Küstenwache mit.

Die Lösch- und Bergungsarbeiten in der Nordsee laufen auf Hochtouren

Die Ursache für das Feuer an Bord der „Fremantle Highway“ ist laut Küstenwache bisher unklar. Das Schiff hatte in den vergangenen Jahren auch regelmäßig den Emder Hafen angelaufen, um Autos zu laden oder abzuliefern.

Die „Fremantle Highway“ lief in den vergangenen Jahren auch regelmäßig den Emder Hafen an. Foto: F. Doden/Archiv
Die „Fremantle Highway“ lief in den vergangenen Jahren auch regelmäßig den Emder Hafen an. Foto: F. Doden/Archiv

Auch am Mittwochnachmittag brannte das Schiff nach Angaben der Helfer noch. Das Bergungsschiff „Hunter“ habe eine Notverbindung zum Frachter, um diesen auf seiner Position zu halten. Man wolle nun nach der besten Möglichkeit suchen, um den Schaden zu gering wie möglich zu halten, teilte die Küstenwache mit. Derweil werde von zwei Spezialschiffen aus die Außenhülle des Autofrachters mit Löschmittel gekühlt. Eines der beiden Schiffe ist ein Notfallschlepper aus Deutschland: Gegen 3 Uhr in der Nacht sei der Schlepper „Nordic“ von Helgoland aus zur Einsatzstelle beordert worden, wie ein Sprecher des Havariekommandos mit Sitz in Cuxhaven sagte. Dieses hatte der niederländischen Küstenwache Unterstützung angeboten.

Projekt „Zukunft Nordsee“

Dieser Beitrag ist Teil des Projekts „Zukunft Nordsee“ von Ostfriesen-Zeitung, General-Anzeiger, Borkumer Zeitung, Nordsee-Zeitung, Kreiszeitung Wesermarsch und Deutscher Presse-Agentur (DPA). In dieser Serie beschäftigen wir uns mit Themen, die für die gesamte Küstenregion relevant sind – zum Beispiel mit dem Klimawandel, erneuerbaren Energien, der Entwicklung der Wirtschaft und dem Tourismus. Weitere Beiträge dazu finden Sie hier.

Inzwischen seien Spezialisten einer Bergungsfirma an Bord eines der Schlepper, schrieb die Küstenwache am Mittwochnachmittag. Sie sollen demnach überprüfen, ob eine Möglichkeit besteht, die „Fremantle Highway“ in einen Hafen zu schleppen. Hierfür brauche es allerdings eine neue Schleppverbindung – die, die das Schiff „Hunter“ bereits zum Frachter hat, diene nur zum Halten der Position.

Stiftung befürchtet gravierende Folgen für die Umwelt an der Nordseeküste

Ein Sinken des brennenden Frachtschiffs vor der Küste könnte nach Befürchtungen von Umweltorganisationen große Umweltschäden zur Folge haben. „Das könnte eine Umweltkatastrophe für die Nordsee und das Wattenmeer bedeuten“, sagte ein Sprecher der Stiftung De Noordzee am Mittwoch der niederländischen Nachrichtenagentur ANP. Die Sorge ist, dass Treibstoff und die Ladung – also knapp 3000 Autos – ins Meer und auf den Meeresboden gelangen könnten. Ein Untergang des brennenden Autofrachters könnte aus Sicht des Bürgermeisters der Insel Borkum schwere Umweltschäden zur Folge haben: „Das Schlimmste wäre, dass das Schiff sinkt und unkontrolliert Schadstoffe in das Meer gespült werden“, sagte Jürgen Akkermann (parteilos).

Seit Mitternacht steht der Autofrachter „Fremantle Highway“ in der Nordsee in Flammen. Foto: Küstenwache
Seit Mitternacht steht der Autofrachter „Fremantle Highway“ in der Nordsee in Flammen. Foto: Küstenwache

„Aus den Erfahrungen mit bisherigen Schiffshavarien wird deutlich, welch enorme Gefahr für Meeres-Ökosysteme von einem solchen Unfall ausgehen kann“, sagte Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) laut Mitteilung des Ministeriums. „Stoffe aus dem Schiff können sich in kürzester Zeit weit verbreiten und die sensiblen Bereiche unseres Weltnaturerbes Wattenmeer stark schädigen. Bereits vergleichsweise kleine Mengen können eine Umwelt-Katastrophe auslösen, von der zunächst in erster Linie Seevögel unmittelbar betroffen sind. Dazu können Langzeitfolgen kommen, die von diesen Stoffen, dem Schiff und seiner Ladung ausgehen, wenn es nicht gelingt, das havarierte Schiff in einen Hafen zu bringen oder austretende Stoffe aufzufangen oder zu binden.“ Auch deshalb unterstütze das Havariekommando aus Cuxhaven die niederländischen Kollegen vor Ameland.

Auch der Bürgermeister von Ameland, Leo Pieter Stoel, zeigte sich besorgt, dass Müll das Wattenmeer und die Küste der Inseln verseucht. Dem „Dagblad van het Noorden“ sagte er auch mit Blick auf die Havarie des Containerschiffs „MSC Zoe“ Anfang 2019, dass der Sicherheit der Schifffahrtsrouten in der Nordsee große Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse.

Mit Material von DPA

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