Zwischendecke brach ein Fegte ein Tornado über das Dollart-Center in Emden?
Diese Zeitung hat Experten nach der Ursache des Unglücks in einem Emder Technikmarkt gefragt. Die Centermanagerin hat eine klare Meinung.
Emden - Zwei Tage nach dem Einsturz von Teilen einer abgehängten Zwischendecke des Elektrofachmarktes Expert Bening im Emder Dollart-Center (DOC) gibt es Spekulationen über einen Tornado oder eine Sturmböe, die den Schaden angerichtet haben könnten.
Die Centermanagerin des DOC, Rita Phieler, äußerte sich dieser Zeitung gegenüber am Montag überzeugt davon, dass ein Tornado beziehungsweise eine Windhose den Schaden verursachte. Sie stützt sich dabei auf erhebliche Schäden, die an dem Stahltrapezdach des betroffenen Gebäudeteils festgestellt wurde.
Decken sind heute nicht mehr modern
Der starke Wind habe punktuell die Folie und die Konstruktion des Daches beschädigt. Dadurch sei es zu Vibrationen gekommen mit der Folge, dass die Zwischendecke aus den Angeln gehoben wurde. Zunächst sollten ein Gutachter und Experten der Versicherung den Schaden untersuchen, erklärte Phieler.
Die abgehängte Zwischendecke besteht aus 40 mal 40 Zentimeter großen Mineralfaserplatten. Sie sind in einem Raster aus Metallprofilen eingelegt, das von der Rohdecke abgehängt wird.
Im Zwischenraum zwischen den Platten und der Rohdecke werden üblicherweise Installationen der Haustechnik untergebracht. Solche sogenannten Odenwald-Decken würden im modernen Ladenbau nicht mehr verwendet werden, sagte Rita Phieler. Heute wähle man meist offene Deckenkonstruktionen. In einigen weiteren Geschäften des DOC seien solche Zwischendecken aber noch vorhanden.
Das Unglück verlief glimpflich
Das Unglück, das sich am Sonnabend am frühen Abend während der Öffnungszeiten des Einkaufszentrum im Emder Stadtteil Larrelt ereignete, ging glimpflich aus. Denn während die Mineralfaserplatten der Zwischendecke in einer Art von Kettenreaktion herabstürzten, hielten sich acht Angestellte sowie einige Kundinnen und Kunden in dem Laden auf.
Nach übereinstimmenden Angaben von Feuerwehr und Polizei verletzte sich eine Kundin leicht an der Hand. Sie musste aber nicht stationär behandelt werden. Alle anderen, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks in dem Geschäft aufhielten, kamen mit dem Schrecken davon. Die Höhe des Sachschadens ist bislang nicht bekannt.
Betroffenes Unternehmen äußert sich nicht
Die Polizei machte dazu keine Angaben. „Wir haben den Fall abgeschlossen“, sagte eine Sprecherin der Polizeiinspektion Leer-Emden auf Nachfrage dieser Zeitung. Es gebe keinen Anlass für Ermittlungen, zumal es sich um einen privaten Schadensfall handele und es keine Hinweise auf eine Straftat gebe.
Die Bening-Gruppe, die den Elektromarkt in Emden sowie 25 weitere Technikmärkte betreibt, wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung am Montag nicht zu dem Zwischenfall äußern. Das 1930 gegründete Unternehmen, dessen Zentralverwaltung in Cuxhaven sitzt, trat 1986 der Expert-Fachhandel-Kooperation bei und ist heute mit etwa 1000 Beschäftigten eine Tochtergesellschaft der expert Wachstums- und Beteiligungs SE. Der Emder Markt blieb am Montag noch geschlossen. Er war am Wochenende abgesichert worden.
Tornado-Experten haben keine Nachweise
Beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach gibt es bislang keine Hinweise auf einen Tornado oder eine Windhose am Sonnabend im Emder Stadtgebiet. Am Wochenende seien in bei Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) und Pellworm (Schleswig-Holstein) Tornados gemeldet worden, bislang aber nicht in Niedersachsen beziehungsweise in Emden, sagte Andreas Friedrich dieser Zeitung. Er ist der Tornado-Beauftragte der Bundesbehörde. Bei den klassischen Registern - er nennt die Tornadoliste und die europäische Unwetterdatenbank, mit denen der DWD kooperiert - sei noch kein derartiges Ereignis für Emden am Samstag eingetragen.
Das Problem: Tornados ließen sich nicht im Nachhinein durch einfache Daten nachweisen. „Wir sind auf Infos von Augenzeugen angewiesen“, erklärt der Experte. Am besten seien natürlich Videos oder Fotos. Im Emder Fall sei daher ein Tornado zwar derzeit „nicht auszuschließen, aber auch nicht nachweisbar“. Es könne sich um ein lokales und regionales Wetterphänomen gehandelt haben, beispielsweise eine starke lokale Windböe.
Fotos oder Videos tauchten noch nicht auf
Das vermutet auch Kevin Rataj. Er gehört zu den Sturmjägern Ostfriesland, die auf der Suche nach dem perfekten Foto Unwettern hinterher oder entgegen fahren und dafür die Großwetterlage bei meteorologischen Diensten im Blick behalten. „Über einen Tornado oder eine Windhose in Emden am Sonnabend ist uns nichts bekannt“, schreibt Rataj dieser Zeitung auf Anfrage.
„Weil das DOC gut besucht ist, müsste jemand etwas gesehen haben“, fügte er hinzu. Auch auf Radarbildern seien „keine Anzeichen dafür erkennbar“. Der Sturmjäger mutmaßt ebenfalls, dass es sich um eine Sturmböe handelte, die an einem der Starkregenschauer am Sonnabend auftrat.
Auf den einschlägigen Seiten in den sozialen Medien konnte unsere Redaktion bislang keine Videos oder Fotos von dem Wetterereignis beim DOC finden. Wir haben auch bei Steffen Lüpkes, dem Hobby-Meteorologen aus Osteel, der für diese Zeitung wöchentlich einen Wetterausblick fürs Wochenende erstellt, nachgefragt. Er habe bislang in seinem Kreis auch nichts mitbekommen, sagte er.
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