Neue Kanalisation in Aurich  Ärger mit Manipulationen an Fockenbollwerkstraße

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 25.07.2023 18:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Drainagesystem hält die Baustelle an der Fockenbollwerkstraße trocken. Fotos: Ortgies
Ein Drainagesystem hält die Baustelle an der Fockenbollwerkstraße trocken. Fotos: Ortgies
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Nach Aussage der Firma Strabag sind die Kanalarbeiten an der Fockenbollwerkstraße 30 bis 40 Mal mutwillig beeinträchtigt worden. Das hat Folgen.

Aurich - Patrick Ackermann steht der Ärger noch am Montagmorgen ins Gesicht geschrieben. Der Mitarbeiter der Firma Strabag ist zuständig für die Großbaustelle an der Fockenbollwerkstraße in Aurich, die seit Juni 2022 saniert wird. Sowohl Freitagabend als auch am Sonnabend haben Unbekannte sich nach seinen Worten an den Pumpen zu schaffen gemacht, die dafür sorgen, dass die Schächte und Baugruben trocken bleiben. Sie haben laut Ackermann Schellen von Schläuchen gelöst, die zu einem weit verzweigten Drainagesystem gehören. Es ermöglicht störungsfreies Arbeiten bei der Verlegung eines neuen Regenwasserkanals auf einer Länge von 580 Metern. Die Folge: Einige der unterirdischen Arbeitsplätze wurden geflutet und mussten wieder freigepumpt werden. „Das verzögert die Bauarbeiten im Ganzen“, sagt er. Es steigere aber auch die Baukosten, wovon die Stadt als Auftraggeber allerdings nicht betroffen sei.

Die alten Regenwasserrohre werden Segment für Segment aus der Erde gegraben.
Die alten Regenwasserrohre werden Segment für Segment aus der Erde gegraben.

Die beiden Zwischenfälle am Wochenende seien nicht die einzigen gewesen. 30 bis 40 Mal sei es nach seiner Einschätzung in der Vergangenheit zu ähnlichen Manipulationen gekommen. „Das ist überproportional viel“, schätzt Sebastian Wolff. Er ist der zweite Bauleiter bei dem Großprojekt an der Fockenbollwerkstraße. Nach seiner Erfahrung komme es auch an anderen Baustellen immer mal wieder zu mutwilligen Eingriffen. Das habe aber in der Regel den Charakter von Dumme-Jungen-Streichen. An der Fockenbollwerkstraße habe er indessen die Vermutung, es könne System dahinterstecken: „Ich kann mir vorstellen, dass das Dauergeräusch der Pumpen dem einen oder anderen Anwohner nachts den Schlaf raubt. Vielleicht ist er dann auf die Idee gekommen, den Motor einfach auszuschalten.“ Angezeigt habe er die „Manipulationen“, wie er sie nennt nicht. Es sei nicht im strengen Sinn etwas beschädigt worden, außerdem könne er auch nicht sagen, wer dafür verantwortlich sei.

Bereich ist nur schwer zu entwässern

Zwei oder drei Pumpen sind an der Fockenbollwerkstraße im Nonstop-Betrieb. Sie sorgen unter anderem dafür, dass das Grundwasser nicht in die Schächte dringt. Die Fockenbollwerkstraße ruht auf einer Geschiebelehmschicht, einer sehr kompakten Masse aus Lehm, Sand, Kies und Steinen, die schwer zu entwässern ist. Bereits vor Wochen habe man, so Wolff, die Pumpen mit Schlössern gesichert. Das sei aber bei den Schläuchen nicht möglich. Übergangsweise sei auch Sicherheitspersonal vor Ort gewesen. Aktuell beschränke man sich auf gelegentliche Patrouillenfahrten. Bei diesen Routine-Inspektionen seien die Beschädigungen am Wochenende entdeckt worden. Am Sonntag sei es indessen ruhig geblieben.

Deshalb kann Wilfried Maintz am Montag pünktlich um 7 Uhr mit seiner Arbeit in zwei Metern Tiefe beginnen. Eine von hoch aufragenden Spundwänden abgestützte Grube am Übergang zur Nicolaistraße stabilisiert der Maurer von innen durch einen Schacht, den er Stein für Stein hochzieht. Von außen wird man später nur einen Kanaldeckel sehen. Fachleute sprechen von einem Durchdringungsbauwerk. Es liegt am Kreuzungspunkt von verschiedenen Kanalrohren. Die neuen Rohre für die Regenwasserkanalisation haben einen Umfang von einem Meter, sie bestehen aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und ersetzen die alten Betonrohre. Diese hätten, so die Einschätzung der Stadt, im Hinblick auf ihre Stabilität nicht ausgetauscht werden müssen. Dazu ist es durch einen anderen Aspekt gekommen: Weil ein Teil der Straße tiefergelegt werden sollte, wäre der Abstand zwischen Kanalrohr und Oberfläche auf nur 30 Zentimeter geschrumpft − nach Meinung von Experten zu wenig, um die Gefahr von Versackungen zu bannen.

Dieses Trio führt Regie an der Baustelle: (von links) Ehlke Ubben, Patrick Ackermann und Sebastian Wolff.
Dieses Trio führt Regie an der Baustelle: (von links) Ehlke Ubben, Patrick Ackermann und Sebastian Wolff.

Für die Entwässerung der Innenstadt spielt die Fockenbollwerkstraße nach den Worten von Ehlke Ubben eine sehr große Rolle. Der Ingenieur ist bei der Stadt Aurich für diesen Bereich verantwortlich. Abschnitte der Wallinghausener Straße, der Egelser Straße und der Popenser Straße sind an die Fockenbollwerkstraße angeschlossen, insgesamt eine Fläche von 56 Hektar, das entspricht 80 Fußballfeldern. Ein Drittel der Kanalverlegungsarbeiten ist nach Einschätzung der beiden Bauleiter erledigt. „Obwohl Urlaubszeit ist, haben wird uns bemüht, den normalen Betrieb weitgehend aufrechtzuerhalten“, sagt Sebastian Wolff. Es sei schwer, Prognosen zu treffen: Stand jetzt gehe er davon aus, die Bauarbeiten im zweiten Quartal 2024 abzuschließen. Die Fockenbollwerkstraße ist Teil der Landesstraße 34. Sie erhält eine neue Fahrbahn, neue Rad- und Gehwege. Einige Parkstreifen fallen weg. Dafür sollen aber an der Nicolaistraße neue Parkflächen geschaffen werden. Fußgänger und Radfahrer bekommen mehr Platz. Außerdem wird aus dem Knotenpunkt am östlichen Ende (Richtung Krankenhaus) ein Kreisverkehr. Die Arbeiten am neuen Geh- und Radweg auf der Südseite sind abgeschlossen. Weitere Informationen erhält man unter www.fockenbollwerkstrasse.info.

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