Dreharbeiten in Ostfriesland  „Perfektes Dinner“-Kandidaten von Shitstorm überrollt

Gabriele Boschbach
|
Von Gabriele Boschbach
| 22.07.2023 12:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Benita (Mitte) hatte am Mittwoch (von links) Patrick, Frank, Lea und Bella eingeladen. Foto: privat
Benita (Mitte) hatte am Mittwoch (von links) Patrick, Frank, Lea und Bella eingeladen. Foto: privat
Artikel teilen:

Die ostfriesische Dinner-Woche bei Vox haben die fünf Kandidaten gut überstanden. Es gab jedoch Reaktionen in den sozialen Medien, über die sich einige geärgert haben.

Ostfriesland - Fünf Tage lang Abwechslung auf dem Teller, fünf Tage lang Rummel und Kamerapräsenz: Am Freitag endete die ostfriesische Woche des „Perfekten Dinners“ vom TV-Sender Vox mit einem Menü bei Bella in Großheide. Es war für viele Zuschauer ein spannender Showdown. Wer würde als Gewinner aus diesem Match herausgehen? Jeder der fünf Teilnehmer ist nämlich einmal an der Reihe, die anderen vier am eigenen Herd zu bekochen, und zwar möglichst perfekt. Das Essen wird von den Gästen bewertet. Jeder kann maximal zehn Punkte verteilen. Das hat Frank Böttger aus Moormerland bei Bella auch gemacht: „Für mich war das Menü das perfekte Dinner, weil es Ostfriesland optimal repräsentiert hat.“ Bei Bella gab es „Grootheider Stip mit Maischolle und Speck“ als Hauptspeise, nachdem zum Auftakt eine Krabbensuppe gereicht worden war. Den Abschluss des Mahls bildete eine Ostfriesentorte mit Schokoladeneis.

Benita Meinen hat „Das perfekte Dinner“ gewonnen. Die Auricherin bekam von den anderen Kandidaten die meisten Punkte. Foto: Archiv/Ortgies
Benita Meinen hat „Das perfekte Dinner“ gewonnen. Die Auricherin bekam von den anderen Kandidaten die meisten Punkte. Foto: Archiv/Ortgies

In den Augen von Frank Böttger sollte das Menü, das beim „Perfekten Dinner“ zusammengestellt wird, auch etwas über die Region erzählen, aus der die Sendung kommt. Der Moormerländer selbst hat sich nicht an seine eigene Forderung gehalten: Er hat ein eher amerikanisch inspiriertes Essen zusammengestellt, bei dem ein Steak-Burger mit Coleslaw die Hauptrolle spielte. Vielleicht wollte Frank Böttger nicht anmaßend erscheinen: Der 58-Jährige kommt eigentlich aus Frankfurt und ist vor einigen Jahren nach Ostfriesland gezogen. Während des Dinners hätten die anderen Kandidaten immer versucht, ihm plattdeutsche Wörter beizubringen, erzählt er im Gespräch mit der Redaktion. „Das Einzige, was ich behalten haben, waren de Dragselen für Hosenträger“, sagt der Moormerländer lachend. Der Austausch mit den anderen sei sehr locker und freundschaftlich gewesen. Der Kontakt bestehe auch jetzt Monate nach der Aufzeichnung der Sendung noch. „Wir stehen über eine Whatsapp-Gruppe nach wie vor in Kontakt“, sagt Frank Böttger. Daher wisse er auch, dass Bella für Freitag halb Großheide zum Public Viewing in ihre Wohnung eingeladen hatte: „In der Scheune ist dafür Platz geschaffen und eine Leinwand aufgehängt worden.“

Panne fiel unter den Tisch

Erleben die Zuschauer eine authentische Sendung? Oder wurden einige Szenen zugespitzt wiedergegeben? Frank Böttger ist noch im Nachhinein begeistert davon, wie natürlich und unverfälscht die Kochabende ausgestrahlt worden seien. Man habe niemals den Eindruck gehabt, dass das Kamera-Team jemanden bewusst schlecht habe aussehen lassen wollen: „Im Gegenteil. Bei mir ist eine Szene gar nicht gezeigt worden, bei der das Bratthermometer verrückt gespielt hat. Es hat durch Piepsen die angeblich richtige Kerntemperatur angezeigt. Die lag aber nicht bei 52, wie für ein medium gebratenes Stück üblich, sondern tatsächlich bei 32 Grad. Also musste das Fleisch erneut auf den Grill.“ Generell habe er gemerkt, berichtet Frank Böttger, dass es besser gewesen wäre, wenn er sich weniger Stress gemacht hätte. Er habe fast 25 Komponenten selbst hergestellt, unter anderem auch die Mayonnaise, die Buns und den Ketchup für die Burger. „Da hätte ich mir ein Beispiel an Patrick nehmen können, der am Donnerstag in Esens gekocht hat“, sagt Frank Böttger. Der Hobby-Koch aus der Bärenstadt hatte unter anderem Steaks, Kartoffelpüree und Bohnen zubereitet. Das Zubereiten von Speisen war für Patrick nicht die Hauptherausforderung. Die bestand daran, sich zu der Sendung angemeldet zu haben, obwohl er zum Stottern neigt, wenn er sich in einer Situation unwohl fühlt.

Bedrängend sind offenbar nicht die Dreharbeiten gewesen, sondern die teilweise hämischen Reaktionen in sozialen Netzwerken, wie Kandidaten berichteten. Dort gibt es verschiedene „Perfekte Dinner“-Foren, in denen Fans ihre Beobachtungen zu den jeweiligen Abenden austauschen. „Weil Patrick und Benita jeweils einmal eine Leistung nur mit sieben Punkten bewertet haben, ist ein massiver Shitstorm über sie hereingebrochen“, sagt Frank Böttger. Seine Familie habe auch abfällige Bemerkungen lesen müssen. „Angeblich wirke meine Frau arrogant und sitze die ganze Zeit auf dem Sofa rum, während ich am Schnibbeln bin“, nennt er ein Beispiel. Benita Meinen hat sich ebenfalls über einige Kommentare geärgert. So sei ihre kleine Tochter mit in die Hasswelle hineingespült worden. „Da bricht sehr viel Shitstorm über einen herein, woran man sich erst gewöhnen muss“, sagt die Auricherin. So habe jemand Anstoß an ihrer Figur genommen. Er habe gepostet, für ihn sei es unverständlich, wie eine Ernährungscoachin so dick sein könne. „Ich denke mir mittlerweile, dass manche Leute einfach Langeweile haben. Da stehe ich jetzt drüber.“

Benita Meinen bedauert, dass der Sender nicht vor möglicher Häme im Internet gewarnt habe. „Ich fände es gut, wenn Vox das in Zukunft machen würde“, sagt die Hobby-Köchin, die auch eine Ausbildung als Ernährungscoach absolviert und im vergangenen Jahr an der ZDF-Sendung „Küchenschlacht“ teilgenommen haben. Vielleicht waren es diese Erfahrungswerte, die ihr den Sieg beim „Perfekten Dinner“ eingebracht hat. Benita Meinen hat sich mit 35 Punkten an die Spitze gekocht, dicht gefolgt von Bella (34 Punkte). Die anderen drei Kandidaten errangen 33 Punkte. Frank Böttger würde auf jeden Fall erneut beim „Perfekten Dinner“ mitmachen: „Das war eine tolle Erfahrung.“

Ähnliche Artikel