Kolumne „Klare Kante“  Demokratie immer wieder neu befestigen

Dieter Weirich
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Eine Kolumne von Dieter Weirich
| 20.07.2023 09:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Dieter Weirich
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An diesem Donnerstag jährt sich das Attentat auf Adolf Hitler. Unser Kolumnist erinnert zu diesem Anlass daran, wie wichtig es ist, Demokratie immer wieder zu verteidigen – gerade auch in unserer heutigen Zeit.

Wenn heute, am 79. Jahrestag des Widerstands gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft, des Mutes der Männer und Frauen um Claus Schenk Graf von Stauffenberg gedacht wird, ist dies zugleich ein Auftrag an uns alle, das kostbare Gut der Demokratie zu schützen und uns gegen jegliche Form von Autoritarismus und Totalitarismus zu stellen. Der 20. Juli 1944 hat sich als Datum des „gescheiterten Tyrannenmords“ in die deutsche Freiheitsgeschichte eingebrannt. Das Attentat auf Adolf Hitler misslang, die Widerstandskämpfer wurden noch in derselben Nacht hingerichtet, die Gestapo nahm Tausende Regimegegner fest.

Zur Person

Dieter Weirich (76), Publizist und Buchautor, ist ein Grenzgänger zwischen Medien und Politik. Der gebürtige Schwabe war hessischer Landtags- und Bundestagsabgeordneter der CDU und Intendant der Deutschen Welle. Heute lebt er in Berlin.

Die jüngste Zeit hat uns in der Welt mit dem Krieg in der Ukraine, aber auch dem Vormarsch autokratischer Systeme in der geopolitischen Weltordnung und einer Zunahme des Radikalismus im eigenen Land gezeigt, wie wichtig es ist, die Freiheit zu verteidigen. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sie muss immer wieder neu befestigt werden.

Die Widerstandskämpfer waren frei von eigennützigem Streben nach Geld, Macht und Ruhm, sie wollten das massenhafte Sterben im aussichtslosen Kampf an der Front, in Konzentrationslagern und im Bombenhagel beenden und eine neue demokratische Ordnung begründen. Sie handelten aus übergesetzlichem Notstand. Wie schwer es die Demokratie hatte, im Deutschland der Nachkriegszeit anzukommen, zeigt die Tatsache, dass Teile der Bevölkerung die Attentäter des 20. Juli 1944 noch als Verräter betrachteten.

Aus dem antiken Griechenland stammt die Erkenntnis, dass die Beseitigung von Gewaltherrschaft für das menschliche Zusammenleben nutzbringend ist. Der erste Tyrannenmord 514 v. Chr. auf die despotischen Brüder Hippias und Hipparchos gilt als Geburtsstunde der Demokratie in Athen.

Was Diktatoren das Leben erleichtert und es der Demokratie erschwert, ist die Gleichgültigkeit der wegschauenden „Ohnemichels“, die glauben, dass eine freiheitliche Zukunft ohne eigene Anstrengungen gottgegeben sei.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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