Auricherin im Fernsehen  Ostfriesin will beim „Perfekten Dinner“ mit Lässigkeit punkten

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 15.07.2023 11:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Für die Mango-Nektarinen-Salsa musste viel Obst und Gemüse geschnibbelt werden. Fotos: Ortgies
Für die Mango-Nektarinen-Salsa musste viel Obst und Gemüse geschnibbelt werden. Fotos: Ortgies
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Die TV-Sendung „Perfektes Dinner“ kommt in der nächsten Woche aus Ostfriesland. Dass die Kandidatin aus Aurich vor der Kamera nicht so nervös war, hat mit einem Promi zu tun.

Aurich - Benita Meinen liebt die Herausforderung. Die Auricherin steckt sich gerne hohe Ziele und setzt dann alles daran, sie zu erreichen. Für die leidenschaftliche Hobby-Köchin war es deshalb keine Frage, dass sie bei der Vox-Reihe „Das perfekte Dinner“ mitmachen will, wenn das Kamerateam zum sechsten Mal seit Bestehen der Sendung in Ostfriesland Station macht. 2006 haben fünf Hobby-Köche erstmals vor der Kamera ihr Talent gezeigt. Das Prinzip: Jeder Teilnehmer ist einmal an der Reihe, die anderen vier am eigenen Herd zu bekochen, und zwar möglichst perfekt. Das Essen wird nämlich von den Gästen bewertet. Für die Qualität des Essens und die Rolle als Gastgeber können maximal zehn Punkte pro Gast verteilt werden. Das ist allerdings bisher nur bei 19 Kandidaten passiert. Irgendwer findet immer ein Haar in der Suppe.

Das Kochbuch von Johann Lafer ist für Benita Meinen eine gute Inspirationsquelle.
Das Kochbuch von Johann Lafer ist für Benita Meinen eine gute Inspirationsquelle.

Viele Teilnehmer überlegen lange, welches Menü sie anbieten. Sollen sie sich von einem Motto leiten lassen? Wie anspruchsvoll soll die Zubereitung sein? Ist es ratsam, die eigenen Lieblingsrezepte zu kochen, auch auf die Gefahr hin, die anderen damit geschmacklich vor den Kopf zu stoßen? Benita Meinen hat sich keinen großen Kopf bei der Zusammenstellung gemacht, wie sie im Gespräch mit der Redaktion bekennt. „Meine Devise war: bunt, frisch, leicht“, sagt die 33-Jährige und deutet auf einen Probeteller, den sie für den Fotografen arrangiert hat. Der sieht so variantenreich aus wie die Farbpalette eines impressionistischen Malers. Gelbe, grüne und rote Farbakkorde vereinen sich zu einem augenschmeichelnden Gebilde, das sicher auch im Mund jeden Geschmackstest besteht. Es handelt sich um eine Mango-Nektarinen-Salsa, die zum Hauptgang beim „Perfekten Dinner“ gereicht wird. Der besteht aus mariniertem Orangen-Lachs, zu dem sich Safran-Reis gesellt.

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Vor den Ravioli hatte sie Angst

Die Mango-Nektarinen-Salsa soll den Gaumen tanzen lassen.
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Die Speisenzusammenstellung klingt nicht alltäglich. Benita Meinen ist der Auffassung, dass ein perfektes Dinner anspruchsvoll sein muss. Der Koch sollte schon ein Wagnis eingehen. Das sei für sie die Zubereitung von Ravioli für die Vorspeise gewesen. Die gefüllten Teigtaschen hat sie (natürlich) selbst gemacht. Dafür hat sie zwar ihre Nudelmaschine genutzt, aber das Mehl-Ei-Produkt ist zickig wie eine Diva. Es neigt dazu, entweder auseinanderzufallen oder löchrig zu werden. Dann quillt die mühsam injizierte Tomaten-Mozzarella-Füllung heraus. Die Ravioli-Zubereitung war der Angstgegner der Bürokauffrau. Ob sie den Kampf mit dem Nudelteig bestanden hat, wird an dieser Stelle nicht verraten. Das ist am Mittwoch, 19. Juli, ab 19 Uhr auf Vox zu sehen. An den restlichen Tagen der Woche kochen ausnahmslos Ostfriesen, die unter anderem aus Emden und Moormerland kommen. Der Moormerländer heißt Frank Böttger und kocht mit einem Dutch Oven.

Dieser Syphon spielt bei der Herstellung des Menüs eine Rolle.
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Wenn die gebürtige Berlinerin über den Kochprozess spricht, klingt das sehr entspannt und gelassen. Keine Spur von der sonst oft bei anderen zu spürenden Hektik. Okay, man kann sagen, dass die Produktion der Serie ja bereits hinter ihr liegt. Doch vielleicht gibt es noch einen anderen Grund für ihre Gelassenheit: Die Mutter eines kleinen Jungen vermutet, dass die Souveränität eine Folge der Erfahrung sein könnte, die sie bisher gesammelt hat. In ihrer Familie sei es immer üblich gewesen, etwas zuzubereiten und schön anzurichten, wenn Gäste kamen oder ein Geburtstag zu feiern war. Ihr Vater habe als ausgebildeter Koch die Professionalität eingebracht. „Aber eigentlich hat sich jeder aus der Familie beteiligt“, sagt sie. Dabei habe man viel ausprobiert und Anregungen aufgenommen, die durch Urlaubsreisen oder Restaurantbesuche geweckt worden seien. Kreativität eben, freies Umsetzen von Impulsen.

Am Mittwoch ist Benita Meinen (Mitte) Gastgeberin für (von links) Patrick, Frank, Lea und Bella Foto: RTL / ITV Studios Germany
Am Mittwoch ist Benita Meinen (Mitte) Gastgeberin für (von links) Patrick, Frank, Lea und Bella Foto: RTL / ITV Studios Germany

Technik muss auch beim Kochen sitzen

Der Eiskunstläufer kennt das: Vor der Kür kommt die Pflicht. Wer mit freien Bewegungen zur Musik auf dem Eis tanzen will, muss vorher möglichst den doppelten Lutz perfekt gesprungen sein. So zeigt er, dass er die Technik beherrscht. Die muss auch beim Kochen sitzen. Benita Meinen sagt, sie koche sehr intuitiv. Als sie 2007 mit dem Kochen begonnen habe, habe sie oft nach Rezepten gekocht. Mittlerweile nehme sie die als Fundament, ändere aber sehr oft etwas, manchmal auch während des eigentlichen Kochprozesses. „Das geht schonmal in die Hose, aber nur so lernt man“, ist sie sich sicher. Es gibt oft Dinge, die normalerweise spielend leicht von der Hand gehen, aber ausgerechnet dann, wenn es ernst wird, plötzlich scheitern. Das sei auch bei ihr der Fall gewesen, räumt die Auricherin unumwunden ein. Es wird an dieser Stelle nur so viel verraten: Es hat mit löslichem Gas und im weitesten Sinn mit der Molekularküche zu tun. Die versucht, teilweise durch bewusste Täuschung der Sinne und unter Ausnutzung biochemischer Prozesse, überraschende Aromen-Feuerwerke zu erzielen. Ein bekanntes Beispiel ist der vermeintliche Kaviar, der aber nicht vom Fisch stammt, sondern künstlich aus Apfelsaft und anderen Ingredienzien hergestellt wurde.

Benita Meinen sagt, sie selbst habe im Lauf der ostfriesischen Kochwoche immer größere Schwierigkeiten gehabt, das Essen der anderen zu bewerten. Die Runde sei sich sofort sehr sympathisch gewesen. Und dieses Gefühl habe sich von Mahl zu Mahl verstärkt. „Nachher hat man dann tatsächlich Sympathiepunkte gegeben“, sagt Benita Meinen lachend. Das sei etwas ganz anderes als bei ihrer Teilnahme an der ZDF-Sendung „Küchenschlacht“ im vergangenen Jahr. „Man hat nur 35 Minuten Zeit zum Kochen und dann ist es vorbei“, sagt die Auricherin. Stress pur also. Damals sei sie vom Sterne-Koch Johann Lafer betreut worden: „Ein sehr sympathischer Mensch, der auch wirklich Interesse an den Kandidaten gezeigt hat.“ Von ihm hat sie einen handgeschriebenen Brief und ein Kochbuch erhalten. Beides steht in ihrer Küche, als Ansporn und Beruhigung zugleich.