Norden  Umweltminister Christian Meyer: Der wortgewaltige Werber für die Energiewende

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 13.07.2023 15:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Steuert die Klimawende in Niedersachsen: Umweltminister Christian Meyer steht in Norddeich auf der Brücke des Ölbekämpfungsschiffes Leysand. Der Grünen-Politiker nutzt die Sommerzeit momentan für eine Energiewende-Tour entlang der Küste. Foto: Lars Laue
Steuert die Klimawende in Niedersachsen: Umweltminister Christian Meyer steht in Norddeich auf der Brücke des Ölbekämpfungsschiffes Leysand. Der Grünen-Politiker nutzt die Sommerzeit momentan für eine Energiewende-Tour entlang der Küste. Foto: Lars Laue
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Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer ist auf Werbetour für den Klimaschutz. Begeistert ist der Grünen-Politiker davon, dass ab dem nächsten Jahr eine Elektro-Fähre von Norddeich nach Norderney fahren soll.

Gleich beim ersten Termin seiner Sommertour lässt Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer die Gastgeber warten. Eine halbe Stunde ungefähr müssen die Chefs der Reederei Norden-Frisia sich gedulden. Sie tragen es mit Fassung, schließlich hat der Grünen-Politiker aus Hannover einen dicken Förderbescheid in Höhe von 608.000 Euro für die Anschaffung eines klimaneutralen Elektro-Katamarans (E-Kat) mitgebracht.

Die insgesamt etwa 8,7 Millionen Euro teure Elektro-Fähre befindet sich bereits im Bau, bietet Platz für 150 Passagiere und soll voraussichtlich ab Juni 2024 zwischen Norddeich und Norderney hin- und herfahren. Und das deutlich schneller als die herkömmlichen, mit Diesel-Kraftstoff betriebenen Fähren, von denen zehn an der Zahl für die Reederei Frisia zwischen Norderney und Juist verkehren. „Die Fahrzeit mit dem E-Kat nach Norderney wird nur etwa 30 Minuten betragen. Wieder in Norddeich angekommen, wird die Batterie des Schiffes in rund 28 Minuten vollgeladen. Geplant ist, dass das Schiff bis zu achtmal am Tag die Insel Norderney ansteuert“, erklärt Reedereivorstand Carl-Ulfert Stegmann.

Gleichzeitig deutet Stegmann an, dass die Fahrt mit dem Elektroschiff ein wenig teurer werden dürfte als die herkömmlichen Tickets. „Dafür sind die Fahrgäste auch in der Hälfte der Zeit auf der Insel“, wirbt der Frisia-Chef dafür, künftig das neue Schiff zu nutzen.

Minister Meyer ist begeistert und betont, dass das Land mit der Förderung aus dem Klimaschutztopf des Umweltministeriums die Mehrkosten für den Elektroantrieb im Vergleich zu einem Diesel-Motor übernehme. „Ein klimaneutraler Schiffs- und Fährverkehr stärkt auch die Nachhaltigkeit des Tourismus an der Nordsee. Der klimaschonende E-Katamaran ist ein gutes Beispiel dafür, wie das aussehen kann. Gut ist auch, dass der Katamaran zu 100 Prozent mit von der Reederei Norden-Frisia selbst erzeugter regenerativer Energie betrieben werden soll“, sagt Minister Meyer.

Meyer ist so angetan von dem Projekt, dass er gern noch viel mehr dazu sagen würde. Doch die Zeit drängt, der nächste Termin wartet.

Wenige Meter entfernt liegt das Schadstoffbekämpfungsschiff MS Leysand im Wasser. Das Schiff zählt zu den küstennahen Ölbekämpfungsschiffen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und leistet einen wichtigen Beitrag für den Umwelt- und Küstenschutz im Falle von Havarien. Durch die spezialisierte Bauweise nimmt das System circa 90 Prozent Öl und nur zehn Prozent Wasser auf.

„So können das Wasser und unser einzigartiges Wattenmeer schnell und effizient von Öl und anderen Schadstoffen befreit werden. Das ist gelebter Natur- und Umweltschutz“, freut sich der Minister, der so in Plauderlaune ist an diesem sonnigen Tag, dass er bei der Einweihung des NLWKN-Erweiterungsbaus in Norden am Nachmittag nicht nur Journalisten, sondern teilweise auch sich selbst mit Zahlen verwirrt.

Fest steht am Ende: Der Anbau umfasst 13 Räume, kostet etwa eine Million Euro und soll Anfang August bezugsfertig sein. Und 170 Stellen beim NLWKN, der insgesamt etwa 1500 Mitarbeiter hat, werden dauerhaft entfristet. Noch ein Grund zum Freuen also.

Abends in Emden kurz vor einer Bürgerdiskussion über Chancen und Herausforderungen der Energiewende aber wird‘s einen Moment lang ungemütlich für den Minister, der bisher dank Geldübergabe und Gebäude-Einweihung mit einem Dauergrinsen unterwegs war. „Keine neuen Gasbohrungen in der Nordsee“ steht auf einem Banner, gehalten von Gegnern der geplanten Gasförderung vor Borkum.

Meyer verweist außergewöhnlich kurz und knapp auf das laufende Prüfverfahren und spricht in der anschließenden Runde vor etwa 70 Zuhörern im Ökowerk wieder deutlich mehr. Über den Ausbau der Windenergie an Land, über den Export grüner Energien, den steigenden Meeresspiegel, nötige Investitionen in den Küstenschutz und den Umstieg auf Elektroautos – um danach wieder in seinen „Tour-Bus“ zu steigen. Ein nicht mehr ganz neuer VW-Bus aus dem Fahrzeugpool des Landes, angetrieben nicht etwa elektrisch, sondern von einem Verbrenner-Motor.

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