Stadt Emden greift durch Der Partyort an der Kirche ist jetzt abgeriegelt – zumindest fast
Bei der Martin-Luther-Kirche - idyllisch am Wasser - gelegen trifft sich gerne das Partyvolk. Müll-Eskalation und Vandalismus ärgern Kirche und Umweltaktivisten schon länger. Was wird jetzt getan?
Emden - Es könnte ein Zaunkampf der etwas anderen Art werden: Nachdem diese Zeitung am 19. Juni darüber berichtet hatte, wie auf der städtischen Grünfläche zwischen der Martin-Luther-Kirche und dem Stadtgraben Müllverschmutzungen und Vandalismus zur Tagesordnung gehören, greift die Stadt Emden - wie angekündigt - jetzt durch.
Was und warum
Darum geht es: Die Stadt Emden beziehungsweise der Bau- und Entsorgungsbetrieb (BEE) schauen jetzt beim Partyort an der Martin-Luther-Kirche genauer hin. Das Partyvolk aber bleibt auch aktiv.
Vor allem interessant für: Umweltinteressierte, Mitglieder der Martin-Luther-Kirchengemeinde, Spaziergänger
Deshalb berichten wir: Wir hatten schon bei vorigen Müllsammelaktionen immer wieder Beschwerden über die Grünfläche bei der Martin-Luther-Kirche gehört und auch selbst den Zustand vor Ort gesehen. Nach einer Müllsammelaktion von Alfred Kieselbach Mitte Juni hatten wir berichtet und verfolgen nun die Konsequenzen der Stadt-Maßnahmen weiter. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Zunächst wurden auf der Seite zur Bollwerkstraße hin die Zugänge zu dem eigentlich so idyllischen Pfad mit Bauzäunen versperrt. Vom Kirchturm aus konnte man noch frei in diesen Bereich. Als diese Zeitung Ende Juni vor Ort nachgeschaut hatte, fehlte bereits ein Zaun. Dieser wurde laut Stadtsprecher Eduard Dinkela in der Nacht zuvor von Unbekannten in den anliegenden Stadtgraben befördert, sagt er auf Nachfrage.
Der Kampf um die Zäune
Der Bau- und Entsorgungsbetrieb der Stadt (BEE) muss nun sicher einen langen Atem haben. Die Mitarbeiter hätten den Zaun am Folgetag wieder ergänzt und gesichert, so Dinkela. Aber: Als wir aktuell an der Stelle nachgeschaut haben, war einer der Schutzzäune geöffnet, der Weg zum Wasser abermals frei.
Allerdings: Weil die Vegetation am Pfad, der vom Park an der Bollwerkstraße bis zum Kirchturm führt, noch nicht vom BEE zurückgeschnitten wurde, weil die Mitarbeiter laut Dinkela bislang andere Prioritäten hätten, könnten die dornigen Brombeer-Sträucher zumindest vorübergehend ein guter Schutz für die Kirche sein. „Der Rückschnitt der Vegetation erfolgt zeitnah“, schreibt Dinkela Ende Juni. Vom Kirchturm her ist der Weg mittlerweile auch vollends versperrt. Der Müll sammelt sich auf dem weiterhin zugänglichen Bereich.
Müll, Drogen, Vandale: Polizei läuft Streife
Der Emder Umweltaktivist Alfred Kieselbach hatte auf der sozialen Plattform Facebook auf die nach seiner Ansicht verheerende Situation bei dem öffentlichen Weg hingewiesen. Er hatte dort Müll gesammelt, hatte Feuerstellen gefunden und Graffiti an den Kirchenmauern. Wir hatten daraufhin mit Pastor Christoph Jebens von der Gemeinde gesprochen, der über Rattenplagen, Feuergefahr und Partys fast jede Nacht klagte. Der Zoll habe schon vor häufigen Drogen-Verkäufen dort gewarnt. Die Kirche ist für den Bereich nicht zuständig, der Weg seit Jahren von der Stadt grob vernachlässigt worden, wie er sagte.
Auf die Frage bei der Stadt, ob es mittlerweile eine Rücksprache mit Kirche, Ordnungsamt und Polizei zu dem Thema gegeben hatte, erklärt Dinkela: „Aufgrund der aktuellen Termindichte vor der Sommerpause hat noch kein Gespräch mit der Kirche stattgefunden.“ Aber: „Mit der Polizeiinspektion Leer/Emden sind wir diesbezüglich im engen Austausch.“ Streifen würden den Bereich regelmäßig kontrollieren.
Ärgerlich für alle Emderinnen und Emder sowie Gäste der Stadt, die gerne im Grünen spazieren gehen: Eigentlich soll der Pfad am Wasser über das Förderprogramm „Grünes Band“ erneuert und aufgehübscht werden. „Vor dem Hintergrund der dargestellten Entwicklung ist nunmehr zu klären, ob die geplante Maßnahme hinter der Kirche überhaupt zielführend ist“, so Dinkela am 20. Juni. Denn nur dadurch, dass der Bereich schön gestaltet werde, würde die „soziale Kontrolle“ sich ja nicht verbessern. Eine finale Entscheidung dazu wurde aber noch nicht mitgeteilt.