Osnabrück  Der Wolf, der ärgste Feind des Menschen

Marion Trimborn
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Von Marion Trimborn
| 10.07.2023 12:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wölfe breiten sich in Deutschland aus und sorgen für politischen Zündstoff Foto: dpa/Boris Roessler
Wölfe breiten sich in Deutschland aus und sorgen für politischen Zündstoff Foto: dpa/Boris Roessler
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Der Wolf spaltet die Gesellschaft. Während ein kleinerer Teil von Aktivisten ihn geradezu als Symbol der Freiheit vergöttert, ist die Mehrheit der Bevölkerung skeptisch. Wir brauchen klare Regeln. Die Politik muss endlich handeln.

Wissen Sie, ich glaube, dass unsere Vorfahren ein gutes Gespür für Natur und Tiere hatten – viel mehr als wir heutzutage. Jüngst bin ich auf den Satz gestoßen: „Der Wolf ist der ärgste Feind des Menschen.“ Im kollektiven Gedächtnis ist der Wolf  seit jeher in den Mythen, aber auch in den Märchen („Rotkäppchen und der böse Wolf”, „Der Wolf und die sieben Geißlein”) ein böses Tier. Der Konflikt zwischen Hirten und Wölfen wird schon in der Bibel erwähnt. 

Dieses Gedankengut wird, wie ich finde, in der aktuellen Debatte um den Wolf, der 150 Jahre nach seiner Ausrottung wieder heimisch wird in Deutschland, zu wenig beachtet. Ich finde, man darf vor diesem Raubtier – das übrigens ganz selten auch schon mal Menschen angreift – Angst haben.

Man sollte sich daran erinnern, dass es in vielen Teilen Europas bis ins 19. Jahrhundert hinein öffentliche Wolfsjagden gab, organisiert von der jeweiligen Obrigkeit, die Teilnahme daran war verpflichtend. Für das Töten von Wölfen war eine Prämie ausgesetzt („Wolfsgeld“). Es gibt kein anderes (Raub-)Tier, für das dies gilt.

Das heute noch praktizierte Vogelschießen der Schützenvereine diente lange dazu, nicht nur die Wehrfähigkeit der Schützen zu prüfen, sondern auch deren Fähigkeit zur Teilnahme an den öffentlichen Wolfsjagden. Hinweise darauf finden sich etwa in den Chroniken Osnabrücker Schützenvereine. 

Heute ist alles ganz anders. Allenfalls in Ausnahmefällen dürfen Wölfe geschossen werden, Canis lupus ist EU-weit streng geschützt – auch wenn sich in der Praxis nicht alle EU-Länder daran halten.

Das hat den Wolf zu einem Top-Thema gemacht, das emotional diskutiert wird – kein Wunder. Wer einmal die bildhaften Schilderungen von Schäfern oder Pferdebesitzern hört, deren Herde von einem Wolfsrudel gerissen wurde, kann ein paar Nächte nicht mehr gut schlafen. Die Weidetiere erleben enormes Leid. Wieso spielt das bei den Wolfs-Befürwortern eigentlich keine Rolle? 

‚Was mich wundert ist, dass seit Jahren Landwirte und Jäger erbittert gegen Wölfe und deren Freunde streiten, ohne dass die Politik durchgreift. In dieser Zeit ist die Wolfspopulation in Deutschland auf geschätzt 1500 Wölfe gewachsen, die Zahl der gerissenen Schafe, Rinder und Pferde hat ebenfalls deutlich zugenommen. 

Die Ampel-Koalition hat zwar im Koalitionsvertrag den Bundesländern versprochen, ein „regional differenziertes Bestandsmanagement zu ermöglichen”, doch passiert ist wenig. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat gerade erst wieder eine rasche Lösung gefordert, um Wölfe etwa an der Nordseeküste schießen zu dürfen, wo sie Schafe reißen, die für den Deichschutz nötig sind. 

Eigentlich liegt es doch auf der Hand: Es ist dringend geboten, beim Abschuss von „Problemwölfen“ besser, das heißt schneller und präziser zu werden. Es ist dringend nötig, dass die Bundesländer bei Überlastung regional Wölfe abschießen dürfen. Solch ein klares Eingreifen würde übrigens auch den politischen Schaden, der in dieser Debatte entstanden ist, verringern. Denn viele Landwirte und Landbewohner fühlen sich von der Politik alleine gelassen. Wenn Politik aber keine Antworten hat, macht das die Menschen wütend – und das ist ein echtes Problem für die Ampel-Koalition, nicht nur beim Wolfs-Thema.

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